
Frollein Florentine überlegte sich lange, ob sie wohl auf folgende Anzeige antworten sollte:
„Brav muss sie sein, die kleine Frau, die mich glücklich machen soll. So ein junges Gemüse kommt mir nicht mehr ins Haus. Nee, nee. Da hat man nur Ärger von. Wollen am Wochenende immer konditor¹n gehen. Trinken Dosenbier. Nehmen Extase-Tanztabletten. Und wollen, dass man zahlt. Aber nich¹ mit mir! Ich weiß noch ein süßes Fräulein zu schätzen. Das mir abends auch mal was kocht. Das nich¹ immer meckert. Oder ständig telefoniert. Das auch mal das Bier bringt, wenn man abends vonner Schicht kommt. So eine kleine Madame suche ich, manierlich und kameradschaftlich. Dann kommt auch der Sex von ganz allein, sach ich immer. Da muss man sich Zeit lassen für. Freier Grafikdesigner, 32, Schanzenviertel, mit BMW-Schlitten, freut sich über Zusagen von flotten Schnitten mit Bild. 30656/04 [FSF 2004]“
Sie entschied sich dann aber doch für eine seriöser klingende eines Herrn namens Bodo Leuchter. Der Briefe wurden viele hin und hergetauscht, die Florentine gerne in ihrem Lieblingscafe las. Die Worte von Bodo machten ihr immer so ein warmes Gefühl, die kleinen Schmetterlinge flatterten schon ein wenig. Mit diesem Brief sollte es wohl ernst werden:
„Verehrtes Frollein Florentine,
ich bin entzückt, Ihre Antwort auf meinen Brief erhalten zu haben. Sie schlagen vor, dass wir uns einmal treffen sollten. Damit bin ich einverstanden! Endlich einmal in ihre strahlenden blauen Augen schauen, ihren rosenroten Mund sehen, ihren blumigen Duft schnuppern – hach mir wird ganz wohl ums Herz!
Darf ich den Treffpunkt vorschlagen? Wie wäre es mit Sonntag um 15:00 Uhr im Café Lila Brause? Ich werde Sie dort mit aufgeregt klopfendem Herzen erwarten. Ich freue mich!
Ihr Bodo“
Die Lila Brause! das war doch auch Florentines Lieblingscafe! Sollten sie sich etwa schon begegnet sein ohne voneinander zu wissen?