Arunachal Pradesh: Ziro Valley – weniger Menschen, weniger Häuser, weniger Photos

28. + 29. November 2025

 

 

Der erste Eindruck von Arunachal Pradesh: hügeliger, grüner, weniger Verkehr, hübsch. Es gab auch einen netten Ausguck:

 

Arunachal

 

Wir fuhren gar nicht so wahnsinnig weit, dann waren wir in Ziro, nur unterbrochen von einer Straßenausbesserung.

 

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Ziro ist eine nett wirkende Kleinstadt, die wir allerdings nicht besichtigten sondern nur zum Schlafen nutzten. Unser Ziel waren die Dörfer der Apatani. Das Ziro-Tal ist weit und fruchtbar auf 1.300 – 1.500 m Höhe und gut geeignet für Landwirtschaft. Hier leben in diversen Dörfern die Apatani, insgesamt ca. 30.000 Leute und damit eher eine kleine Gruppe. Allerdings sind sie auch eine der interessantesten Gruppen – am ehesten vielleicht bekannt durch die Nasenpflöcke, die noch einige Frauen haben, die mindestens 60 Jahre alt sind. Danach hat diese schmerzhafte Prozedur aufgehört.

 

Meine Reisegruppe war wild dahinter her, solche Frauen vor die Fotolinse zu bekommen – und ich merkte, dass mich diese Rudelfotografie doch ziemlich abschreckte – und so ließ ich meine Kamera nach dem ersten Besuch bei allen folgenden Dorfbesuchen im Rucksack.

 

Ein Apatani-Dorf ist so aufgebaut, dass man üblicherweise zuerst an den Lagerhäusern vorbei kommt. Sie betreiben hauptsächlich einen Nassreisanbau kombiniert mit Fischzucht. Wenn die Felder bewässert werden, setzt man auch kleine Kaulquappen rein und wenn es dann zur Ernte kommt, hat man den Reis und nach Wasserablass auch noch ein Feld voller Fische, die man nur noch einsammeln muss. Leider war die Ernte schon vorbei.

 

Lagerhäuser

 

Dann sind die Dörfer in Clans unterteilt, die einen jeweiligen Platz, den Lapang, haben, wo sich der Ältestenrat trifft und rituelle Handlungen ausgeführt werden. Beides ist Männern vorbehalten.

 

Lapang

 

anderer Lapang

 

3. Lapang

 

Die Apatani folgen einem Glauben, der dem Donyi-Polo-Glauben zugeordnet wird. Es ist im Kern eine naturverbundene, animistische Glaubenswelt, bei der Donyi (die Sonne) und Polo (der Mond) als höchste Prinzipien gelten. Dieser Glaubenswelt hängen die meisten Völker in Arunachal Pradesh an. Es gibt dabei keine Gottheiten, keine Tempel, keine Schriften. Um dieser Glaubenswelt mehr Gewicht zu verleihen, ändert man dieses gerade, d.h. es werden Gemeinschaftszentren gebaut und Sachen niedergeschrieben. Nur Götter braucht man weiterhin nicht. Zu den Religionen in Arunachal Pradesh gibt es im nächsten Blogpost mehr.

 

Bei den Apatani ist ziemlich sichtbares von den Ritualen und den Geisterwelten. Man glaubt, wenn jemand krank ist oder sonstiges Unglück hat, liegt es an den Geistern, die man dann besänftigen muss. Das machen zB Schamanen (von denen es immer weniger gibt), es werden Tiere geopfert und aus ihren Innereien Anweisungen gelesen und man stellt Schutzgebilde u.ä. hin.

 

Schutzteile vor vielen Häusern

 

frisches Schutzteil

 

Geisterwohnsitz

 

ebenfalls

 

Wir trafen keinen Schamanen außer einen. Der sagte, er sei 100% Jesus und 100% Mensch. Das war ein Fake-Schamane. Der freute sich immer, wenn wir über sein wirres Zeugs staunten und wollte Geld. Im Nachhinein ärger ich mich, dass ich nicht gefragt habe, wie man mit solchen Phänomenen umgeht. Ob es nun Alkohol, psychische Krankheit oder sonstiges als Grundlage hatte.

 

Dann gibt es jährlich ein großes Fest, das Myoko-Fest. Es gehören jeweils 3 Dörfer zusammen, die das Fest abwechselnd ausrichten. Es ist ein Frühlingsritual für Frieden und Freundschaft zwischen Clans. Dabei sitzt auch ein Schamane in einer Art Hütte, wo man einen Affenschädel hat, in den man einen Halm steckt. Wenn dieser zittert weiß man, dass die Geister da sind. Man muss jedes Jahr neue Affenschädel nehmen, kein „Recycling“.

 

Affenschädel

 

Traditionell leben die Apatani in Bambus/Holzhäusern, aber die werden immer mehr durch Steinbauten ersetzt. Ein traditionelles Haus hält nicht sehr lange, das Dach muss alle paar Jahre ausgewechselt werden und der Rest alle ca. 15 Jahre. Außerdem stehen die Häuser recht dicht beisammen und es gibt Probleme, wenn ein Feuer ausbricht. Es ist im Winter recht kalt und so macht man viel Feuer für Wärme. Und dieses löst aber leider auch manchmal einen Brand aus.

 

Manche Leute, die es gut zu Geld gebracht haben, bauen sich ganz schön große neue Häuser. Damit ist ein Vermögensunterschied im Dorf gut sichtbar – und sorgt nicht unbedingt für Harmonie im Dorfleben.

 

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Laden

 

Im Prinzip lässt sich noch viel mehr zu den Apatani erzählen, aber trotz eines guten extra Führers an Tag 1 und 2 weiteren Dorfbesuchen an Tag 2 haben wir direkt nicht so viel gelernt.

 

Dafür hatten wir noch am 1. Tag eine spontane Einladung zu einem Babyfest – zuerst bewirtet man die engere Familie bei einer neuen Geburt und danach bei einem 2. Fest die ganze Nachbarschaft.

 

fröhliche Runde

 

Babyvater

 

Man gibt Geld und andere Spenden, die ordentlich aufgelistet werden.

 

Auch waren wir noch bei einer fröhlichen Frau, die uns ihren sehr großen Gemüsegarten zeigte. Insgesamt waren die Dörfer aber eher leer, d.h. wenige Leute im öffentlichen Bereich – dafür aber erstaunlich viele Fahrzeuge, die sich durch die Gassen schlängelten.

 

Vor einem Dorf

 

Ich belasse es hier für den Blog dann auch dabei – um weiter einzusteigen empfehle ich tatsächlich eher, selber hinzureisen. Es gibt noch ziemlich viele Aspekte, die voll interessant sind. Und ich finde, ich müsste auch nochmal hin – aber ohne Gruppe.