Kerala: Ponmudi – Luftige Höhen und dichter Wald

15. Dezember 2025

 

 

Nach einer letzten intensiven Behandlung verließ ich Somatheeram und wurde von einem Taxi zu meiner Unterkunft in Trivandrum gebracht. Dort stieg ich in ein anderes Taxi um, welches mich zu Sreejith brachte und uns gemeinsam nach Ponmudi.

 

Sreejith ist ein Kollege aus Kerala, der Reisen mit besonderen Begegnungen und Aktivitäten in Dörfern arrangiert. Dies geschieht sehr sorgfältig in Zusammenarbeit mit den Dorfleuten, woraus win-win-win-Situationen entstehen: die Dorfleute haben Einkommen und können ihre Traditionen und Wissen weitergeben, die Reisenden erfahren aus erster Hand direkt interessante Sachen und bekommen gemeinsame schöne Erlebnisse – und Sreejiths Firma liefert ebenfalls Arbeitsplätze und Einkommen. Eine Art des Tourismus, der mir ausgesprochen gut gefällt (und wie ich mir eigentlich die Nordost-Indien-Reise von Diamir mehr vorgestellt hatte).

 

Sreejith selber ist ein absolut angenehmer toller Mensch, in dessen Gegenwart man sich sowieso wohl fühlt. Wir kennen uns seit ich vor 7 Jahren das Kamerakidz-Projekt in Wayanad/Kerala gemacht habe. 7 Jahre sind eine zu lange Zeit, wo man sich nicht direkt sieht. Und so nutzten wir beide die Gelegenheit, das jetzt hier nachzuholen. Sreejith setzte sich in einen Nachtzug (er wohnt im Norden Kerala, ich war hier im Süden) und wollte in der folgenden Nacht gleich wieder zurück. Das verwirrte mich, weil ich doch keinen ganzen Tag zur Verfügung hatte, da wäre der nächste besser gewesen. Aber egal, Hauptsache Zeit miteinander verbringen – und auch noch was sehen und erleben!

 

Sreejith + ich

 

Aber egal – es hat dann doch alles gut geklappt. Wir fuhren nach Ponmudi, das ist etwas über 50 km von Trivandrum die Berge hinauf – 22 Haarnadelkurven schraubt sich das Auto durch vernachlässigte Teefelder und schöne Landschaft nach oben.

 

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stillgelegte Teefabrik

 

Oben gab es etwas Mittag und einen Kaffee. Nach dieser absoluten Schonkost bei Ayurveda und der Ermahnung, weder scharf noch ölig zu essen – und auch noch einer Reiseleitung in Aussicht, wollte ich nix riskieren und so gab es Anweisungen, mir ein Essen quasi ohne alles zu machen. Das fand die Köchin so unglaublich und dachte, sie hätte sich verhört – und streute eifrig Chilli in das Ei. Also nochmal. Und leider auch noch ein drittes Mal. Aber immerhin: alles ging gut mit dem Bauch!

 

Kaffee

 

Und dann um die Ecke, da war ein superschöner Ort mit tollem Blick, wo man etwas herumlaufen konnte. Irgendwie hab ich das so gar nicht erwartet. Umso besser, dann ist die Freude noch größer!

 

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Und ein bisschen was hab ich auch gelernt. Die hiesigen Bäume sind voll windempfindlich. Und weil da oben manchmal einer geht, wachsen sie da nicht. Nur da, wo der Wind nicht so doll hin kommt – siehe hier:

 

windstille Bäume

 

Danach sind wir in den Wald gefahren. Dort leben Indigene, die man nur mit Genehmigung oder Einladung besuchen darf. Sreejith hat mit denen ein Tourismuskonzept entwickelt, d.h. Reisende können einen Besuch buchen. Wir hatten leider keine Zeit für Aktivitäten, aber eben für eine kleine Vorstellung. Die Gruppe sind die Kannikars, kurz Kani genannt. Sie haben eine Mischung aus animistischen Glauben und Hinduismus entwickelt. Es gab einen heiligen Ort zu sehen, wo eher die Bäume oder auch Geister in Bäumen geehrt werden. Und auch die Schlangen werden geehrt. Aber die hatten sich zum Glück zurück gezogen. Das schaut so aus:

 

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Die Bären werden nicht so geehrt – für die gab es eine Falle auf dem Gelände.

 

Bärenfalle

 

Die Kanis sind bekannt für ihr außergewöhnliches Wissen über Heilpflanzen. Wir hatten einen Guide, der kam per Moped. Und zeigte uns z.B. einen besonderen Nestfarn, der am Baum wächst, ihm aber keine Nährstoffe entnimmt, also kein Parasit ist. Er entwickelt so eine Art Wurzeln, die man zur Suppe verkochen kann, die gut gegen Erkältungskrankheiten hilft.

 

Guide und Sreejith

 

Farn

 

„Wurzel“

 

Und jetzt kommt hier eine spannende Geschichte, die mir ChatGPT erzählt hat und zwar die von „Biopiraterie“. Ich kannte diesen Begriff vorher nicht. Und zwar wächst bei den Kani eine Pflanze namens Arogyapacha. Die ist unscheinbar, hilft aber enorm gegen Erschöpfung und als Stärkung. Hat man früher gerne beim Jagen und Sammeln genutzt. Das Wissen darüber wurde mündlich überliefert. Also wo man die Pflanze findet, wann man sie wie erntet und verarbeitet, in welcher Dosierung man sie nutzt und welche Wechselwirkungen es gibt.

 

Das haben Wissenschaftler in den 80/90er Jahren beobachtet und dieses Wissen kommerzialisiert. Sie haben ein ayurvedisches Produkt namens Jeevani hergestellt (gilt als Anti-Stress und Immunpräparat) hergestellt, dieses patentiert und verdienten damit Geld. Ohne dass die Wissensgeber auch nur einen Cent davon abbekommen. Sowas nennt sich Biopiraterie. Und es stellt sich eben aber auch die Frage nach der Ethik um Wissen.

 

Die Kani haben das mitbekommen und protestiert und so gab es politisch-ethischen Druck, der 1997 zur Gründung des Kani-Trusts führte, der 50% der Einnahmen vom Verkauf von „Jeevani“ erhält. Das wird genutzt für die kollektive Verwaltung, Infrastruktur, Bildung und Gesundheit. Eine Revolution in Indien auf diesem Gebiet!

 

Es gibt da noch weitere Aspekte zu, d.h. die Revolution ist nicht nur positiv, sondern das Thema wirft weitere Fragen und Diskussionspunkte auf.

 

Oben hatten wir ja schon die Bärenfalle, hier ist ein Elefantenhindernis. Die täten sonst ganz gerne mal ein Dorf besuchen und Sachen kaputt machen. Aber so können sie nicht durch oder rüberspringen oder balancieren.

 

Elefantensperre

 

Leider war der ag doch schon recht fortgeschritten und so besuchten wir nur kurz eine Familie. Sie hat ein traditionelles Haus und ein neues aus Zement.Zement ist besser als Schutz vor Tieren (zB Schlangen….), aber schlecht für Schimmel und überhaupt. So schläft man eher im Zementhaus und kocht und isst und lebt eher im alten Haus.

 

Frau vor altem Haus

 

Sie haben uns auch gezeigt, wie sie mit Bogen und Stein (statt Schleuder) Tiere verscheuchen. Prinzipiell kann man wirklich längere Zeit mit den Leuten verbringen, für mich war es quasi nur ein kleiner Teaser. Mir sind noch ein paar mehr begegnet – alle sehr freundlich lächelnd.

 

3 Frauen

 

Und zu guter letzt noch etwas, was ich lustig fand: Unmengen von Wahlplakaten mitten im Wald.

 

Wahlplakate

 

Ein bisschen unlustiger ist das Ergebnis: die BJP, also Modis Partei, hat hier das erste Mal gewonnen. Sonst haben sich die Kommunisten und die Kongresspartei immer abgewechselt. Man vermutet da Manipulation….

 

Ich hab mich jedenfalls sehr gefreut, Sreejith zu sehen und auch noch was gemeinsames und für mich Neues zu machen. Und dann hatte ich noch einen ganzen Tag in Kerala….