
In Basgo war die einzige Losarfeierlichkeit, die fast in vollem Umfang statt finden sollte! Nur auf einen Tanz der Frauen wollte man verzichten. Ich bibberte, ob das tatsächlich alles so sein würde. Auch wenn wir schöne Erlebnisse gehabt hatten, tat es mir so für die Gruppe leid, die extra wegen dieser ganzen Feierlichkeiten angereist gekommen war. Und als wir in Basgo eintrafen, hörten wir, dass jemand am Vorabend gestorben war….. Das hatte dann (zum Glück für uns) doch nur eine Verzögerung zur Folge und keinen Ausfall.
Wir nutzten die Zeit für eine Besichtigung vom Basgo KlostercumexPalast. Was ich gar nicht wusste (oder mir entfallen war): hier hatten 2 Klöster ihre Hände im Spiel. Ein oberer Komplex gehört zum Likir-Kloster (Gelugpa Orden) und es gab keinen Schlüssel, der untere zum Hemis-Kloster (Drukpa Orden) – und den konnten wir besichtigen. Irgendwie hatte ich Basgo nie so wirklich auf dem Schirm als sehenswerte Gebäude. Von innen ist es auch nicht ganz so spannend, aber die Lage und Geschichte sind schon toll.
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Auch das Runtergucken finde ich schön. Wir konnten auch die Stelle sehen, wo die Losarfeierlichkeiten statt finden sollten – und sahen sehr sehr langsam Menschen eintrudeln. Da brauchten wir keine Verpassensangst zu haben.
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Wir gingen dann auch nach unten und warteten und warteten. Aber mit den Leuten zusammen wurde es nicht langweilig. Und man sah ja, dass war passieren würde. Und dann war es endlich soweit! Die 3 Tänzer mit den Wollhkappen kamen. Sie gelten als Würdenträger und sind quasi rituelle Dorfvertreter. Es müssen 3 sein, die auch noch gleich gekleidet sind, damit keiner hervorgehoben ist und gezeigt wird, dass man gemeinsam handeln muss (und nicht alleine). Ihr Tanz ist einfach und immer gleich. Ihre Gonchas sind rot als Zeichen der Feierlichkeit und Würde. Die Kopfbedeckung ist dagegen eher simpel und bescheiden.
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Während der Tänze kamen immer mehr Frauen, die einen Blumentopf in die Mitte drapierten. Und dann gab es drei weitere tanzende Herren. Die hatten spezielle goldige Hüte auf und trugen auch rote Gonchas bis auf den ersten, der hatte eine weiße an. Damit war er ein Anführer/Eröffner. Die goldenen Kopfbedeckungen symbolisieren „königlichkeit“, also weltliche Regierung. Die Gesichtsmasken lösen die Individualisierung auf, die drei Herrn sind somit Stellvertreter und keine eigene Persönlichkeit. Auch sie haben auf dem Tanzplatz mehrfach ihre Runden gedreht.
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Die Frauen haben hübsch ausgeschaut und nicht viel gemacht.
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Alle Leute aus dem Dorf haben Tsampamehl in Tüten gebracht und auf ein Feld gelegt. Davon haben zwei Männer eine gute Menge entnommen, sind zum Fluss und haben mit dem Flusswasser einen Teig geknetet.
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Dieser Teig wurde zwei älteren Herren gebracht, die darauf Figuren kneteten. In die Figuren ist all das schlechte hineingeknotet worden. Außerdem wurden buddhistische Texte rezitiert und es gab so eine Art Segnungen mit Alkohol.
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Was mit dem restlichen Tsampa passierte, weiß ich nicht. Und als sie alle fertig waren, ging es holterdipolter. Dabei habe ich längst nicht alles gut mitbekommen und/oder auf Fotos festgehalten. Es gibt auch beim Ritual in Basgo Appu und Appi, aber die sind nicht so prominent wie in Chuchot. Aber auch sie versuchen Geld einzutreiben, allerdings eher von den durchfahrenden Autos. Dabei sind auch die Wollkappenträger tätig.
Sie sind die ersten, die zum Fluss laufen (Fluss = aus dem Dorf hinaus – er ist zwar im Dorf, fließt aber davon weg) und zwar mit Räucherwerk (statt einer Mehlspur). Das „Schlechte“ soll ja hinaus getragen werden und zwar auf verschiedenem Wege. Mit dem Rauch geht es in die Luft. Danach folgen die Männer mit den Wollkappen und tragen die Tsampafiguren zum Fluss, wo sie hineingeworfen werden (und somit ebenfalls hinausgetragen wurden). Und als letztes folgen einige Männer, die sich ausziehen (früher, d.h. vor mind. 15 Jahren, waren sie ganz nackt, jetzt behielten sie ihre Unterhosen an) und in den Fluss springen. Das ist der letzte Akt zur Verabschiedung des alten Jahres. Das habe ich alles nicht fotografiert sondern per Film aufgenommen.
Danach werden die Wasserspringer warm und festlich (mit besonderen schwarzen Hüten) eingekleidet, bekommen von den festlich gekleideten Damen zu trinken und tanzen eine Runde.
wartende Frauen
von dichter
Danach bewegen sich alle zu einem Feld unterhalb des Palastes, wo ein „Pferderennen“ ausgetragen wird und man fröhlich feiert.
Gang zum Feld
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Pferderennen (von den Einheimischen Horserace genannt) muss man in Anführungszeichen setzen, weil sie nicht wirklich gerannt sind. Bzw. es waren 2 Pferde und nur eines hatte einen guten Reiter und rannte über das Feld. Das andere hatte verschiedene Reiter und keine Lust zu rennen. Manchmal fiel auch ein Reiter runter. Es ging ein paar mal hin und her und dann drapierte man Gegenstände auf dem Feld wie die Eisscheibe, die man (wie auch in Chuchot) in das Dorf hineingetragen hatte. Die Leute sagten, es sei, weil es so warm war, sehr schwierig gewesen, eine ordentliche Eisscheibe zu finden.
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Auch hier habe ich viel mehr Filmmaterial als Fotos. Beides klappt nicht so gut zusammen.
Weil es so warm gewesen war, hatte ich auch nicht so viel Kleidung an. Nun war es aber schattig und mir wurde kalt. Einem Teilnehmer ging es auch nicht ganz so gut und er wartete im Auto. Da bin ich also hin und habe den weiteren Verlauf nicht mehr mitbekommen. Die anderen kamen dann aber auch bald und wir waren uns einig, dass dies der Höhepunkttag der Reise gewesen war.
Am Ende sind wir nach Delhi geflogen, wo wir noch etwas Pufferzeit (und Silvester) hatten, weil ja manchmal Flüge ausfallen und alle definitiv den Heimflug bekommen sollten. Davon wird es noch einen Blogeintrag geben – und dann noch ein „Nachgedanken“ Blogpost.