
Appu und Appi sind die Alten, die in der Woche nach Losarstart im Dorf Chuchot das alte Jahr hinausjagen und Segen für das neue Jahr erbitten. Sie führen einige Tage lang jeden Abend Zeremonien in den Haushalten durch. Chuchot ist in mehrere Einheiten unterteilt. Jede Einheit feiert für sich. Dafür wird im Turnus jeweils ein Haushalt bestimmt, der im nächsten Jahr Appu und Appi durchführen muss. Das sind dann 2 (jüngere) Männer, die ein Jahr Zeit haben, die Rituale zu lernen.
Sie gehen in jeden Haushalt, tanzen, machen Scherze, segnen die Hausgötter (das ist der schwierigste Teil zum Lernen) und alle Leute die im Haus sind. Die Menschen bekommen einen Klecks Butter auf die Stirn und man gibt dann Geld dafür. Die ganzen Tage kommt so einiges an Geld zusammen, wobei ein Teil für das ganze Essen und Getränke drauf geht und ein Teil die Beiden behalten dürfen.Dann muss Appu noch ein Skyin (s.o. – eine Mischung aus Fabelwesen und Ibex, welches mehrfach mit Tsampa geknetet und geformt wurde) mit einem Pfeil treffen. Das ist aus alten Zeiten überliefert, wo das Überleben von guter Jagd abhing.
Wir waren zu diesem Hausritual an einem Abend eingeladen worden. Dieser Haushalt war sehr fröhlich dabei und es wurde auch etwas allgemein getanzt, d.h. zuerst einige Männer und dann meine Gruppe mit 2 Männern. Das war lustig. Sie tanzen sehr langsam, so dass man einerseits gut mit kommt. Andererseits sind dabei die jeweiligen Schritte und Arm/Handbewegungen bedeutsamer und da muss man schon gut sein, um es schick hinzukriegen.
Appi hatte ein wenig Schwierigkeiten alles zu behalten und musste somit oftmals vom Publikum angeleitet werden, was nun zu tun sei. Das sorgte immer wieder für Gelächter.
Außerdem bekamen wir Buttertee, Milchtee, Chang, Knabbereien und ein Abendessen. Und viele freudige Gesichter, die uns willkommen hießen. Hier sind meine Bilder vom Abend (insgesamt habe ich mehr gefilmt):
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Auch fand ich lustig, dass man um den Heizpilz herum getanzt ist.
Und nachdem Appu und Appi durch die ganzen Haushalte durch sind, gibt es eine Abschlusszeremonie, die üblicherweise den ganzen Tag dauert und je nach Haushaltsensemble an unterschiedlichen Tagen statt findet. Dieses Jahr war man sich uneins, wieviel man von dieser Zeremonie machen sollte – einige waren für das volle Programm, einige für eine eingeschränkte Version. „Unsere“ Appu und Appi wollten das volle Programm machen, kollidierten damit aber mit einer anderen großen Feierlichkeit woanders. Wir gingen dann an einem anderen Tag zu einer eingeschränkten Feier. Aber auch die hat uns ziemlich gut gefallen.
Zuerst hatten wir aber Mittagessen in einem Privathaus mit einer Dame, die uns ihre traditionelle Kleidung präsentierte. Und auch der Hausherr posierte:
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Ein paar Häuser weiter war dann alles für Appu Appi aufgebaut. Zuerst sprangen und tanzten sie wieder im Haus in einem Zimmer umher. Diese Beiden waren kecker und noch lustiger als die von der vorherigen Zeremonie.
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Während einer Tanzpause erhielt Appi einen Videocall:
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Chuchot hat auch eine große moslemische Gemeinde und die Kinder, insbesondere die Mädels, waren mit Begeisterung dabei und hingen mit den anderen Kindern am Fenster:
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Im Hof war ein Festzelt aufgebaut mit einem „Altar“. Frauen und Männer saßen getrennt und tranken und amüsierten sich. Appi und Appi tanzten und trieben auch hier viel Geld ein. Zu gering befundene Beträge wurden zurückgewiesen und unter Gelächter mehr herausgepresst. Dabei hatten sie es auf Leute abgesehen, die gute Einnahmen hatten. Passte die Summe, wurde ein Freudentänzchen aufgeführt.
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Zwischendurch wurde Essen gekocht und serviert:
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Der Nachmittag schritt voran und die Mönche waren mit ihrem Storma + Fadengebilde, in die sie alles „Schlechte“ eingearbeitet hatten, schon fertig und warteten auf dem Dach.
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Und dann war es endlich soweit. Die Saddhus sprangen hinzu:
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Appi rannte los und ließ eine Mehlspur hinter sich.
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Appu schnappte sich Storma/Fadengebilde und rannte mit den Saddhus hinterher, alle aus dem Dorf hinaus auf ein Feld. In einer großen Zeremonie schoss Appu einen Pfeil ab, Gebilde wurde zerhackt, Kleidung ausgezogen und neue Kleidung angezogen (die Alten verwandelten sich somit in die Jungen) und man zog mit einem Eisstück zurück zum Haus. Ich wollte alles eher auf Film aufnehmen, ich war schnell (und keuchte dementsprechend) und hatte einen tollen Platz ergattert und filmte und filmte – bis ich leider feststellte, dass ich die Kamera gar nicht eingeschaltet hatte. Sowas Doofes aber auch! Es bleiben für den Blog nur diese beiden Bilder:
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Vielleicht komme ich ja noch einmal. Mir bringen diese Feierlichkeiten mit der entsprechenden Aufregung und Fröhlichkeit viel Spaß und ich bin gerne dabei, wenn diese ururalten Traditionen lebendig weitergelebt werden.
Mit Losar waren wir noch nicht durch, es wartete eine weitere Feierlichkeit auf uns. Aber dazwischen hatten wir einen Tag „Pause“.