Rajasthan + Madhya Pradesh – Nachgedanken

25. Januar 2026

 

 

Das auffälligste zu den Vorgedanken ist sicherlich, dass ich meinen Reiseplan geändert hatte. Eigentlich wollte ich nur Rajasthan besuchen, aber am Ende bin ich doch noch nach Madhya Pradesh hingeschwenkt. Ich hatte die Zeit über gut zu kämpfen. Ich war erschöpft und hätte gerne mehr rumgehangen – aber dazu war die Destination nicht so geeignet. Ich hatte vergessen, wie kalt es von Weihnachten bis Mitte Januar sein kann. Bzw. ich glaube, gerade am Anfang war es noch viel kälter. Und da Rajasthan den ganzen Jahresrest keineswegs mit Kälte sondern insgesamt mehr mit Hitze zu kämpfen hat, gab es auch keine wirklichen Annehmlichkeiten sondern kalte Zimmer.

 

Ich fühlte mich einerseits ein wenig verloren und auch oft Entscheidungsträger- und kraftlos. Und trotzdem habe ich Sachen entdeckt, wo ich denke, dass die meiner Reiseveranstaltertätigkeit sehr zugute kommen. Ich weiß jetzt über einiges ein bisschen mehr.

 

Shekawati

Ja, einerseits kann man sich an den Unmengen von bemalten Häusern so satt sehen, dass man sie hinterher nicht mehr auseinander hält und abends auch ganz voll davon ist. Andererseits gibt es noch so viele andere Sachen in Shekawati wie Stufenbrunnen, Tempel, Berge, Ländlichkeit. Es wirkt nicht so „typisch Rajasthani“ in Bezug auf wüstig oder Kamele und Turbane (es gibt sie auch, aber nicht soooo viele), aber doch ausreichend und so, dass man ein bisschen neugieriger wird auf diese Gegend mit der Händler- statt Kriegsvergangenheit. Ich habe in Tourplänen üblicherweise meistens nur 1 Nacht eingeplant – inzwischen denke ich, dass 2 lohnender sind. Und da das Tourismusministerium das auch noch fördern will – umso besser!

 

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Bundi + Kota

Bundi kannte ich und habe eher nichts Neues entdeckt – außer einen wirklich langen Spaziergang durch Altstadt und Markt. Finde ich weiterhin lohnenswert. Kota ist eine Überraschung an Moderne, die ich in Rajasthan nicht vermutete. Mit wenigen Sehenswürdigkeiten, bequemen Hotels, Business und Universitäten wäre es eine gute Gelegenheit, das „wahre Indien“ kennenzulernen. und es ist eben auch nicht so voll und verstopft wie zB Delhi. Ich denke, ich habe meine Zeit da nicht voll ausgeschöpft, aber der kleine Einblick war definitiv interessant.

 

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Indore-Mandu-Ujjain-Bhopal

2012 war ich in dem bekanntesten Teil von Madhya Pradesh, also in Khajurao-Orcha-Gwalior. Das war nett. Inzwischen hatte ich so viel mehr über den Bundesstaat erfahren, dass ich ihn eigentlich wirklich gerne erkunden wollte. Aber bei nur 1,5 Wochen und Schlappheit war es mir dann doch zu viel. Aber als mich gegen Ende der Kollege dorthin lockte und Bahn und Unterkünfte organisierte, bin ich doch gefahren und habe es nicht bereut. Es hat mich eher neugierig gemacht auf noch viel mehr Orte in Madhya Pradesh und mein Eindruck von großer Vielfalt hat sich bestätigt. Steht nun also auf der Liste von Gegenden, wo ich gerne noch mehr sehen würde. Allerdings ist mir die Landschaft tendenziell etwas zu langweilig. Außer die Berggegenden, die es dort auch gibt, aber von denen hab ich noch nicht sooo viel gesehen. Es heißt aber, dass man bei Überlandfahrten nicht so staunend oder freudig aus dem Fenster schaut.

 

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Reisen

Ich bin die ganze Zeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, d.h. Bahn, Bus, Sleeperbus – und in den Orten Motorradtaxi, Tuktuk-Taxi und für weitere Ausflüge Auto-Taxi. Indien ist ein großes Land mit schlechten Straßen, viel Verkehr und somit langsamerem Vorwärtskommen, als man es sich manchmal denkt. Und es ist manchmal anstrengend, wenn es so rumpelt und laut und staubig ist. Andererseits ist es sehr günstig und die Realität der meisten Leute in Indien. Aber für mich muss ich aufpassen, dass ich mich in erschöpfteren Zeiten damit nicht überfordere. Was gut war: ich hatte gar nicht sooo viel Gepäck mit und das war immer leicht zu tragen und zu verstauen. Viel Gepäck mitnehmen, es an einer Basis verstauen und für die Trips immer nur Extra neu packen scheint mir eine sehr gute Idee zu sein.

 

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Nicht so gut erscheint mir mein Alleinreisen. Ich mag das gar nicht mehr so gerne. Also entweder ständigere Begleitung oder zumindest an Orten immer mal wieder jemanden besuchen oder treffen muss ich mir mal wirklich hinter die Ohren schreiben, dass ich das berücksichtige! Auch wenn es heißt, dass man alleine mehr erlebt – zumindest bei mir stimmt es nicht. Ich bin zu zweit oftmals offener.

 

Dreck und Lieblosigkeit

Indien hat schon immer ein Problem mit rumliegendem Müll gehabt und trotz Bemühungen ist da kein Fortschritt zu sehen, sondern das Gegenteil. Rajasthan erschien mir von meinen bereisten Gegenden die offensichtlich dreckigste zu sein. Und auch wenn von offizieller Seite nicht genügend getan wird an öffentlichem Müllmanagement, wirkt es so als sei es den Leuten auch wirklich egal und sie sehen es nicht. Es steht mir nicht zu darüber zu urteilen, aber ich merke, dass es mich mehr und mehr stört. Auch bin ich bei Unterkünften empfindlicher geworden und merke, dass ich besser meinen Standrad etwas anhebe. Also nicht dass Einfachheit nicht auch gut und sauber sein kann – wenn es da ist, freut es mich umso mehr. Ich habe auch nochmal überlegt und mit Kyrgyzstan verglichen. Dort fehlte es den Leuten oft an Geld um Orte hübscher zu gestalten. Aber ich hatte das Gefühl, dass zumindest im touristischen Aspekt viel getan wurde, dass man immer in saubere Bettwäsche sinken konnte und es sich drum gekümmert wurde, es ordentlich zu halten. Mich stört die Lieblosigkeit für die Umgebung insbesondere wo gerade Indien soviel Schönheit im Design hat! Das möchte ich so gerne viel mehr in den (touristischen) Alltag integriert sehen. Die ganzen Malereien im öffentlichen Raum sind schon mal ein prima Schritt dahin.

 

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Aspekte

Was ich weiterhin an Indien und auch in diesem Teil liebe: es gibt immer und überall weitere Aspekte zu entdecken. Indien wirkt auf mich wie ein riesiges Puzzle mit mehreren Schichten, wo ich dabei bin, es zusammen zu setzen und dabei auf erstaunliche Puzzleteile stoße. Weil – es gibt keine Vorlage, nach der man seine Puzzlestücke zusammen suchen kann – man findet sie und muss sie dann zusammen setzen. Und manchmal, wenn man denkt, es passt, war es doch nicht die richtige Stelle oder man findet Teile , wo man keine Ahnung hat, wo die genau hingehören. Und wahrscheinlich bewegt sich dieses Puzzle auch noch…. Aber das gefällt mir eben auch weiterhin. Zuerst dachte ich, dass ich außer Ladakh erstmal nirgendwo mehr in Indien hin „muss“. Aber mit diesen weiteren Entdeckungen und ein bisschen Abstand – lässt mich die Indienneugier wohl weiterhin nicht los. Dazu war jetzt dieser Reiseteil doch auch sehr gut!

 

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