
In Ujjain begab ich mich gleich zum richtigen Bushof und hatte auch voll das Glück: ein eher kleiner Bus mit freundlichen Leuten.
Bushof 1
Bushof 2
Es stieg eine Gruppe von Frauen an unterschiedlichen Stationen zu und auch wieder aus, aber während der Fahrt unterhielten sie sich konstant und lachten voll viel. Ansteckende gute Laune.
Straße
Allerdings musste ich nach 1/4 der Fahrt doch den Bus wechseln und netterweise hatte mir der Schaffner den nächsten organisiert und geleitete mich persönlich hinein. Voll nett manchmal, die Leute. Aber ich war trotzdem froh, dass es die letzte Busfahrt dieser Reise war, es strengt an, auf der Straße mit dem ganzen Lärm zu sein und durchgeschüttelt zu werden. Aber es ist doch unschlagbar günstig, für 200 km habe ich 3,- Euro bezahlt.
Mein Ziel war Bhopal, mir noch bekannt als Ort der größten Chemiekatastrophe der Menschheit 1984 – nachzulesen zB bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Bhopal. Sehr schlimme Geschichte, aber ich habe mich vor Ort nicht damit befasst sondern geguckt, was es noch zu gucken gibt. Bhopal ist Industrie- und Wirtschaftsmetropole mit ca. 2 Mio Menschen. Sie wird auch Stadt der Seen genannt – und in der Tat gibt es einen riesigen See, zu dem ich am frühen Abend spazierte.
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Es gab einen Bootsanbieter und drumherum Promenade, Kioske und lauter Menschen. Und es gab einen Panzer, vor dem sie gerne für ein Foto posierten. War ganz nett, da herumzulaufen.
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Am nächsten Tag habe ich mir ein Taxi gegönnt. Blöderweise sind die Taxen in Indien nicht so leicht erkennbar. Ich ging los und dachte, ich treff irgendwie auf eines (Taxi App ging nicht, da Ziel außerhalb). Ich sprach einen Herrn an. Nein, er sei zwar Fahrer, aber wäre bei irgendwem fest angestellt. Aber er würde mir eines organisieren. Und telefonierte ein bisschen. Er habe eines, aber das wäre ein bisschen weit weg – er würde mich hinfahren! Und das tat er und das war ganz schön weit! Mindestens 300 INR! Aber er fragte nicht nach Geld und guckte auch nicht abwartend. Und ich wusste nicht, was besser ist: mich einfach daran freuen, dass es so nette Menschen gibt – oder ihm doch was in die Hand drücken, da man ja immer Geld brauchen kann. Diesmal entschied ich mich übers einfach freuen, habe aber doch noch ziemlich drüber nachsinniert. Wie „Regeln“ gelten, wenn es so ein Einkommengefälle gibt. Ich kam nicht wirklich zu einem Ergebnis.
Dieser Fahrer sprach nicht so viel, aber das war egal. Er fuhr mich die 50 km zu meinem Ziel und wieder zurück.
Fahrt 1
Fahrt 2
Ich habe mich morgens entscheiden müssen: buddhistische Stätte oder Felsmalereien (sie waren zu weit auseinander). Mir war ein Tickchen mehr nach Buddhismus, also fuhr ich nach Sanchi. Auf einem Hügel liegen frühbuddhistische Monumente, insbesondere Stupas mit Torbögen davor. Diese Torbögen waren sehr detailliert aus Stein gehauen, die Stupas eher schlicht. Und dann gab es noch viele alte Steine drumherum.
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Dann lagen noch viel mehr alte Steine rum. Interessant war, dass es nur ein paar Buddhafiguren gab, der Rest sah genauso aus, wie man das von hinduistischen Bauwerken kennt. Also Alltags- und Gottesszenen. Das ist, weil es so früh (noch vor dem Jahre 0) ikonographisch noch kein Unterschied gemacht wurde. Überhaupt trat Buddha als Darstellung erst später in Erscheinung. Manche Figuren waren auch hinduistische Gottheiten, sie galten hier als „Buddhismus anerkennend“. Und es gab tatsächlich auch einige Darstellungen, die ich als „erotisch“ einordnete. Ich habe ChatGPT dazu befragt: ja, das hat man damals auch dargestellt, da es zum Leben mit seinen ganzen Aspekten dazu gehört. Und außerdem kann es durch Verwitterung manchmal noch expliziter ausschauen.
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Ich laufe ziemlich gerne wo rum und suche nach ausgefalleneren Darstellungen, ob nun in Stein (der Rani ki Vav in Gujarat) war da auch sehr ergiebig) oder als Wandmalerei. Hier sind ein paar Fundstücke:
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Ein Blick vom Hügel:
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Dann fuhren wir wieder zurück. Ich ließ mich an der Taj-ud-Masjid absetzen. Ein absoluter Szenenwechsel. Sie ist die größte in Indien und auch weit oben im Weltvergleich.
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Aber was am erstaunlichsten war: ich kenne viel leere Moscheen oder welche, wo ein paar wenige Gläubige sitzen oder sie gerade gemeinsam beten. Aber hier war es ein Hort des lebendigen Lernens! Schüler bekamen Unterricht, man las die heilige Schrift und das in drei größeren zusammenhängenden Hallen.
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Ansonsten war es gerade nicht so belebt – bzw. hauptsächlich im Verhältnis zur Größe der Anlage.
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So wirklich viel richtigen Einblick in den Islam in Indien hab ich nicht. Und leider auch keinen guten Vergleich mit früher. Aber ich fand es schon auffällig, wieviele stark verschleierte Frauen zu sehen waren. Ob das schon immer so war? Da man in hinduistischen Indien nicht so gut auf den Islam zu sprechen ist, fühle ich mich tendenziell eher auf deren Seite. Aber diese Verschleierungen – die machen mir kein gutes Gefühl.
Und dann hatte ich meinen dritten (und nicht den letzten) Szenenwechsel an dem Tag: ich ging in das Madhya Pradesh Tribal Art Museum. Das war toll!
Museumseingang
Es war viel Kunst installiert und aufgebaut und erklärt – ich war richtig begeistert. Eigentlich finde ich Fotos von Kunstwerken nicht toll, aber ich wollte es mir quasi notieren und jetzt kann ich die Bilder ja doch auch hier zeigen für einen Eindruck. Also nicht nur, dass es toll gebaut war, ich fand auch die Vielfalt beeindruckend. Und dass es auch so eine Art Punktemalerei gab wie bei den Aborigines in Australien – hier aber ganz anders ausgeführt.
Außerdem gab es Erklärungstafeln, u.a. auch mit Geschichten. Hier ist eine über die Entstehung von Bamus: Sundara hatte 7 Brüder. 6 davon wollten sie umbringen und aufessen. Nur der jüngste Bruder nicht. Er versuchte alles, konnte seiner Schwester aber nicht helfen. Aber mit der Hilfe von Krabbe, Schlange, Frosch, Schildkröte und Fisch konnte er kleine Teile ihres Körpers retten. Die hat er dann mit vielen Ritualen und so vergraben. Und dabei viele Tränen vergossen. Und das hat gemacht, dass Sundara als starker Bambus wiedergeboten wurde!
Hier nun ein paar Eindrücke der vielfältigen Tribal Kunst von Madhya Pradesh:
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Ich hab mich total über diese Entdeckung gefreut und würde es unbedingt auch in Tourpläne einbauen, wenn man nach Bhopal fährt.
Dann war ich schon ziemlich schlapp und ich ging zum Hotel – und da wartete der vierte Szenenwechsel auf mich: eine Hochzeit!
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Die sind aber zum Feiern doch noch ein bisschen abseits hingegangen. Ich aß zu Abend, kleidete mich um, fuhr zum Bahnhof, nahm den Nachtzug nach Delhi, fuhr dort zum Hotel, schlief ein bisschen, machte mich auf zu letzten Hotelbesichtigungen, packte, schlief noch ein bisschen – und fuhr dann zum Flughafen und flog wieder heim. Nach 2,5 Monaten in 8 Bundesstaaten. Aber dazu später in einem gesonderten Blogpost mehr. Indien wollte mich auch nicht mehr da haben. Ich bekam eine SMS, die mich daran erinnern sollte, dass ich nach 90 Tagen das Land verlassen musste!
Screenshot
Daheim erwartete mich tatsächlich die kälteste Kälte! Kälter als Ladakh. Aber außer dass ich auf Bahnhöfen warten musste und so richtig trotz Daunenjacke durchfror, wartete eine kuschelige Heizung daheim. Was für ein Luxus!
Beenden möchten ich diesen Eintrag über Bhopal aber noch mit einer besonderen Anmerkung:
Politikerplakat
Das besondere ist, dass es früher immer nur sehr ernste, eher muffelige Gesichter auf Politikerplakaten gab. Man wollte Ernsthaftigkeit statt Sympathie beim regieren. Das war in Deutschland ja schon sehr lange anders. und jetzt zieht Indien nach und man sieht auch auf Wahlplakaten freundliche Gesichter!