Manali – Wandertage mit Raju

16. – 18. Mai 2026

 

 

Da ich dachte, dass es besser ist, wenn ich nicht so alleine durch die Berge wandere, ich jemandem zu weiterem Verdienst verhelfen wollte, für die Gesellschaft und Wanderideen neben dem, was Mapy mir anzeigte, hatte ich einen Guide engagiert: Raju. Raju ist 35 Jahre alt und lebt allein mit seiner Mutter in Vashisht. Seine Mutter ist Buddhistin, sein Vater Hindu – und sie sind geschieden. Die Mutter hat am Bau oder im Straßenbau gearbeitet (weiß nicht mehr genau), ist aber inzwischen dazu zu kaputt. Raju arbeitet alles, was sich anbietet – wir sind auf 10 verschiedene Arbeitsbereiche gekommen von hiesigem Tunnelbau über Kellner in Goa zu Verkäufer auf einem tibetischen Markt in Rajasthan. Am meisten arbeitet er aber im Outdoor/Trekking-Bereich – interessanterweise auch schon mal für Hauser Exkursionen und Diamir. Und jetzt gerade ist er in einem Zeltcamp im Tirthan Valley tätig, wo er sich um Outdoor-Bespaßung u.ä. für Kinder + Jugendliche von woanders kümmert. Und für mich durfte er sich frei nehmen!

 

Auf der Suche nach Dhani Devta

Raju hatte als Einstieg eine leichte Tour von Shuru nach Jagatsukh vorgeschlagen. Ich wollte diese mit einem Tempel weiter oben im Wald, den ich auf der Landkarte aber ohne einen Pfad gesehen hatte, erweitern. Ja klar, können wir machen! Allerdings gab es ein Missverständnis, er dachte einfach nur Tempel und nicht den von meiner Landkarte da rechts oben:

 

 

Wir waren schon fast fertig, bis das Missverständnis klar wurde. Dann fragte er ein paar der Leute, die wir trafen und die uns tatsächlich einen Weg wiesen. Aber erstmal von vorne: Wir trafen uns am Bushof und fuhren nach Shuru. Das ist ein Dorf mit paar älteren und mehreren neueren Gehöften und Häusern.

 

 

 

Gegen Ende des Dorfes war ein Tempel, wo wir genauer hin guckten.

 

 

 

Dann ging es auf einem hübschen Höhenweg durch die Landschaft.

 

 

 

Begegnet sind wir nur ein paar Einheimischen, aber keinen Wandernden. Es war schön ruhig, die Zedern dufteten und es war warm. Dann bogen wir ab, um zu diesem Dhani Devta Tempel zu kommen. Jedes Dorf hat so Tempel/chen im Wald. Wegen mancher anderer existierender Pfade hat Raju manchmal nachfragen müssen.

 

 

Und dann haben wir ihn gefunden! Und ich musste so lachen, weil es so unspektakulär war, dass ich dieses Gebilde gar nicht als Tempelchen oder heiligen Ort erkannt hätte. Aber Raju und mein Handy waren sich sicher.

 

 

Wir haben mitgenommenes Picknick verzehrt (gebratene Momos in kalt sind super!) und sind dann wieder abgestiegen. Das war anstrengender als gedacht, da recht steil, ich hatte meine Stöcke vergessen und mein eines Knie zickte etwas, so dass ich sehr aufpassen musste. Wir gingen anders runter und dann wurde das Wetter ein bisschen schlechter, aber nicht so schlimm.

 

 

 

 

Ich habe die Tour aufgezeichnet. Allerdings hat der Tracker die Pausen mitgezählt. Das schaut so aus, als seien wir unendlich langsam gewesen.  Mein Fazit: der „normale Weg“ ist definitiv wert zu gehen. Man ist aus dem Trubel raus und hat schöne Natur.

 

 

Von Kothi nach Vashisht

Die nächste Tour hatte Raju vorgeschlagen. Einziger Nachteil: der Startpunkt lag an der Straße zum noch geschlossenen Rothang-Pass, d.h. es fuhr kein Bus dahin bzw. nur einer um 12:30. Dann lernte ich, wie die Taxipreise hier variieren. Wir ergatterten eines für 800 INR während ein Kumpel von Raju nicht unter 3.000 INR gehen wollte. Darüber hat Raju sich total aufgeregt.

 

 

Der Startpunkt in Kothi ist eine breitere Fahrstraße. Hier hatten die Briten damals gedacht, dass sie eine Straße bis nach Vashisht oder so bauen würden. Das Vorhaben verlief aber nach 1-2 km im Sande.

 

 

Dafür konnten wir sehen, wie an einer sehr großen langen Gondel gearbeitet wurde. Das Tal hier hat Skitourismus, aber bisher nur eine kleine Gondel. Man steigt entweder selber auf – oder nimmt den Heli. Aber auch im Sommer denken sie, dass viele Touris total gerne mit dieser Gondel fahren würden. Hier ist so eine Art Zwischenplatform zu sehen.

 

 

Wir wanderten ziemlich langsam, weil wir immer mal gucken mussten. Also hauptsächlich ich. Hier weiter oben ist die Bergwelt schon sehr toll.

 

 

 

 

 

 

 

Diesmal waren wir nicht alleine. Wir trafen auf ziemlich viele Gruppen von Kindern und Jugendlichen, hauptsächlich aus Gujarat. Die entfliehen ihren 40plus Grad und lernen in Zeltcamps das Outdoor und Bergleben kennen. Das fand ich total schön zu sehen. Und sie sind sehr freundlich. Der eine rief mir zu „I like your spirit!“ und der nächste „You are an inspiration!“. Natürlich waren die meisten neugierig – ich war – soweit ich sehen konnte – die einzige Westlerin hier unterwegs. Aber sie waren null aufdringlich und niemand wollte ein Selfie. Ich war ja auch neugierig und fragte was.

 

 

Dann gab es an einem Ort ein Teezelt, welches auch Maggi-Nudeln (angereichert mit Tomaten, Kohl und Zwiebeln)  anbot. Das betrieben 3 Frauen, die täglich aus ihrem Dorf unten nach oben laufen und wieder zurück. Wir kehrten ein. Auch das hat mir total gut gefallen.

 

 

 

 

Es war ein toller Höhenweg mit unterschiedlicher Vegetation. Nachdem Raju am Vortag kein Foto von mir gemacht hatte, hat er jetzt doppelt nachgelegt und es gibt viele Bilder von mir, worüber ich mich sehr freue.

 

 

 

Unterwegs trafen wir nicht nur die ganzen Kinder sondern auch Schafe und paar Leute, die Raju kannte.

 

 

 

Ich hatte mir morgens blöd den Rücken verrenkt und hoffte, dass es sich durch die Bewegung wieder einrenken würde, aber nix da. Ich bin dann nach dem Mittag Rajus Angebot, meinen Rucksack zu tragen, erlegen. Der sieht übrigens nur so voll und schwer aus. Also voll war er schon, aber eher leichte warme Sachen drin. Man weiß ja nie.

 

 

Und dann kam der harte Abstieg. Ich wusste es schon vorher und dachte, dass ich ja sowieso trainieren müsse. Mit den Stöcken und ohne Rucksack ging es auch – aber ich war doch ganz schön kaputt danach.  Ein letztes Bild fast unten.

 

 

Zwischendrin hatten wir noch einen flachen Felsen gefunden, auf den ich mich legte und streckte. Das hat tatsächlich Wunder gewirkt! Rücken wieder OK! Diese Tour fand ich trotz des harten Abstiegs sehr toll und empfehlenswert!

 

 

Dhundi-Valley

Für den letzten Tag habe ich ziemlich hin und her überlegt. Meine Beine wollten nicht mehr so viel runtergehen, die Temperaturen waren hoch, ich wollte im oberen Teil wandern und es sollte per Bus erreichbar sein. Da gab es eigentlich kaum Auswahl. Gelandet sind wir dann in dem Tal, wo man zum Friendship Peak startet (5.289 m) oder zum Gletschersee Beas Kund. Man kann auch eine Runde drehen zum Base Camp (genannt Ladys Leg) und dann zum Beas Kund – aber da wusste ich gleich, dass es mir zu viel ist. Aber einfach nur das Tal rein und wieder raus, das wäre vielleicht ganz gut.

 

 

Manchmal sind weiße Haare übrigens toll: ich bekam im überfüllten Bus gleich einen Sitz angeboten!

 

Der Startpunkt ist nicht so schön. Es ist kurz vor dem großen Tunnel und man hatte gedacht, dass man hier ein Wasserkraftwerk errichten könnte. Aber die Natur ist zu gewaltig und hat immer alles gleich wieder kaputt gemacht. Es wird hier weiterhin rumgewühlt, aber was genau, weiß ich gar nicht.

 

 

 

 

Auch hier hat es sehr viele Camps und Kinder/Jugendliche aus Gujarat. Aber es gab auch Erwachsene, die die Zeltlager buchten und eine Runde mit Übernachtung/en drehten. Eignet sich auch wirklich prima dazu! Richtig tolle Landschaft!

 

 

 

 

 

 

Wir trödelten also herum und genossen alles! Bei einem rastenden deutsch-schweizer Paar verweilte ich länger zum Plaudern. War zwischendrin ganz nett, doch mal wieder mit Leuten von daheim zu reden. Sie ruckeln sich gerade sehr zurecht – er war schon öfters hier und liebt die Wildnis und das Abenteuer, für sie ist es das erste Mal auch mit Zelt und sie weiß noch nicht so recht. Sie haben noch 5 Wochen und sind auch eher auf dem Weg in den Norden – mal schauen, ob wir uns nochmal begegnen.

 

 

Es war jedenfalls toll, viel rumzusitzen, Landschaft, andere Leute und Schafe und Ziegen zu gucken und Mittagessen hatten wir auch. Die Käsestangen waren nicht so lecker, aber praktisch. Die Samosas waren gut. Am Vortag hatte ich unfotografiertes kaltes Alu Jeera (also Kartoffeln mit Kreuzkümmel), das war eine sehr gute Wahl. Ich probiere gerade aus, was man so alles gut als Lunchpaket hier mitnehmen kann.

 

 

 

 

 

 

 

Zurück und weiter unten wurde es nochmal aufregend. Es gab eine Flussquerung, die ich nur mit Handhalten schaffte. Außerdem konnten wir Leute sehen, die auf der anderen Flussseite des großen Flusses standen und eigentlich rüber wollten. Aber das ging nicht mehr – der Fluss war zu stark angeschwollen und zu tief und reißend. Es war eine jugendliche Gujarati-Gruppe und Raju schimpfte über die Begleiter, die das doch hätten wissen müssen, dass man früher losgehen muss. Jetzt mussten sie wieder zurück und eine Zusatznacht in ihrem Camp verbringen.

 

Das hier ist die kleine Flussquerung:

 

 

An der Straße wurde es auch nochmal aufregend und zäh. Es fahren total selten Busse. Und die Haltestelle war schon ziemlich voll mit Leuten. Raju befürchtete einen Stehplatz und drängte mich, dem Bus entgegen zu gehen. Ich hoffte eher auf Trampen. Es fuhren Unmengen Autos vorbei. Entweder voll – oder leer, aber die hielten auch nicht. Sogar welche, die eigentlich Taxis waren. Der Bus ließ total lange auf sich warten. Aber alle herumspazierenden waren immer noch hoffnungsvoll, dass einer kommt. Ein Tourist aus Jaisalmer nutzte einen Stopp um mit uns zu plauschen (Auto war aber wirklich zu voll). Bei ihm sind schon 50plus Grad daheim. 17:30 wollte ich ungefähr aufgeben und ggf. ein Taxi rufen. Aber yeah, wir hatten dann doch Glück! Ein Einheimischer, das bei der Polizei in Koksar (hinter dem großen Tunnel) arbeitet! So fuhren wir voll bequem und schnell zurück – und mussten nichtmal was zahlen! Weil – einem Polizisten, der einen mitnimmt, dem gibt man nichts.

 

Für mich war diese Art Teaser-Wanderung perfekt! Ich war in der Höhe (3.300 m) und hatte einen tollen Überblick, wie das Gebiet so ausschaut und wie man es da noch gestalten könnte.

 

 

Mein Fazit

  • Trotz der schönen Wanderungen lohnt Manali eigentlich kaum noch für längeres Verweilen
  • Die Wanderungen an sich haben mir Freude gemacht, auch wenn mein Körper noch bisschen zu schlappi war
  • Ein ganz kleines bisschen Höhe war auch schon mal dabei
  • Auch wenn man die Wege allein finden kann, ist es nett, Begleitung zu haben, die einem aus dem Leben erzählt, bisschen mehr über die Gegend und auf einen aufpasst.
  • Raju ist ein prima Kumpel, man kann ihn gut um sich haben. Er weiß jetzt nicht sooo viel über die Botanik und so, aber das machte gerade mir nichts
  • Ich war zufrieden mit meiner Planung, bedauerte es dann aber auch nicht, die Gegend zu verlassen

Ein bisschen was schreibe ich im nächsten Blogpost noch über Manali und sonstige Beobachtungen.