
Ich habe hier eine unerledigte Geschichte. Man kann von Leh nach Phiyang über einen Pass wandern. Das hab ich ca. 2011 mit einem Guide gemacht. Und großspurig einige Jahre später das mit einer Reisenden gehen wollen. Wir kamen wieder in Leh bei der Armee raus…. Dann hab ich das nochmal mit Tundup probiert -> schon wieder den Weg nicht gefunden! Aber jetzt gibt es ja Mapy und da ist ein Weg deutlich eingezeichnet und damit sollte er doch zu finden sein!
Spalgon, ein Kollege von Overland Escape, mit dem ich früher einige Zeit in Delhi verbrachte, fuhr mich zum Startpunkt bzw. Überraschung: dort wird (auch Sonntags) wie verrückt gebaut und man konnte nicht hin. Also eher aussteigen und über Felder. Spalgon ging noch ein kleines Stück mit, aber dann hatte ich leichte Darmkrämpfe, schickte ihn zurück und hockte mich hinter eine Mauer. Nervig. Und kenne ich, hab ich nicht oft, aber manchmal. Leider dauerte das dann alles etwas bis nach 4 x erstmal Schluss war. Ich hockte mich auf einen Stein für Trinken usw. – und kam nicht mehr hoch! Der gesamte Hüftbereich war blockiert und schmerzte. War das ein Hexenschuss? Durch’s Scheißen ausgelöst? Ich schaffte es, mich hinzulegen und dachte, das könnte helfen. Leider Irrtum. Auch weiteres Warten brachte nix – ich kam nicht von der Stelle.

Zum Glück hatte mein Handy noch Empfang und ich konnte Spalgon um Hilfe rufen, der mit seinem kleinen Sohn kam. Mich auf Trekkingstöcke aufrichten und Minischrittchen gehen ging irgendwie, aber das Auto war echt weit weg und wir ja im unwegsamen Berggelände. Also haben wir den Krankenwagen gerufen mit der Bitte um eine Trage. Der kam auch, aber nur mit einer Trage auf Rollen. Das klappte nicht am Berg – ich musste irgendwie doch hin. Spalgon guckte, ob es nicht eine günstigere Stelle zum Parken gäbe und wurde fündig. Aber ich musste schon noch ein ganzes Stück gehen, was sehr sehr langsam voran ging. Der Krankenwagen kam zur neuen Stelle hin – und stellte fest, dass der eine Reifen Luft verlor. Er hatte zwar einen Reservereifen, aber kein Werkzeug dabei. Es würde irgendwie schon gehen müssen. Im Ruhezustand hatte ich keine Schmerzen, aber jede falsche Bewegung oder Belastung schoss mir durch den Körper und manchmal auch Tränen in die Augen.

Wir kamen bis kurz vor das Krankenhaus, dann war der Reifen viel zu platt. Spalgon und Sohn waren zu seinem Auto geeilt und kamen schnell hinterher gefahren und ich konnte umsteigen und zur Notaufnahme gelangen. Es war Sonntag, ich nicht die Einzige und es gab Papierkram zu machen, bevor man Hilfe bekam. Es drängelten sich lauter Leute herum – soweit ich es ausmachen konnte waren es einige Verletzungen und höhenkranke InderInnen und dem Rest sah man nicht an, was er hatte. Spalgon war irgendwann erfolgreich und bekam ein Blatt Papier und mit dem musste man dann anstehen. Ich wurde auf eine Bank verfrachtet und mir schien, es wurde eher schlimmer. Spalgon stand und stand und die Schlange wurde kaum kürzer. Irgendwann war ich an der Reihe, aber ich konnte gar nicht mehr gehen. Also einen der herumstehenden Rollstühle geschnappt. Aber ich sollte dann doch noch auf einen Schemel, aber das war alles wahsinnig schmerzhaft und ich weinte viel. In einem sehr kleinen Raum saßen 2 DoktorInnen und es drängelten sich PatientInnen mit jeweils mind. 3 Angehörigen herum. Es war furchtbar. Ich keuchte kurz meine Geschichte raus, irgendwas wurde gemessen, wie es mit Allergien bei Schmerzmitteln aussah – und dann wurde ich wieder im Rollstuhl von Spalgon rausgefahren. Er lief los und holte Zeugs, dass man mir injizieren sollte. Alles dauerte lange und man wusste nie, wohin und musste auch rumdrängeln, dass man dran kam.
Irgendwann war es geschafft und ich bekam eine Spritze Diclofenac in die Hüfte. Die am Arm gestaltete sich dagegen als zu schwierig – die beiden netten Krankenschwestern waren nicht erfolgreich mit einer Vene und musste Hilfe holen. Diese band mit einem Gummihandschuh meinen Arm ab und konnte dann erfolgreich Zeugs in mich rein tun. Nächste Station: röntgen. Spritzenwirkung war nicht so zu spüren und es war ein wahnsinniger Akt mit viel Tränen und vergeblichen Versuchen, mich auf die Liege zu bringen. Am Ende haben wir es irgendwie im Stehen hinbekommen.
Dann wieder zurück in das zu kleine Ärztezimmer, wo die Schlange zwar kürzer war, aber sich drinnen immer noch viel zu viele Leute drängelten. Die Ärztin diagnostizierte “Muscular Spasm” oder so, fragte, ob ich im Hospital bleiben wolle (nein) und schrieb mir einige Medikamente für 3 Tage auf. Aber wenn was sei: unbedingt wieder kommen!
Bis hierhin war tatsächlich alles umsonst! Es ist ein staatliches Krankenhaus. Prima Sache. Spalgon besorgte die Medikamente (3 Euro), hatte noch 2 zahlende alte Männer, die er kurz an ihr Ziel fuhr und dann waren wir wieder “daheim”. Zum Glück fährt ein Fahrstuhl in meinen 3. Stock. Es war 14:00 – angerufen hatte ich Spalgon gegen 9:00. Wie hätte ich das nur alles ohne ihn bewältigt?
In meinem Zimmer gibt es viele Möbel zum festhalten, ich aß mein Lunchpaket und schlief ein. 2 Stunden später wachte ich wieder auf: Hüftschmerzen etwas weniger, dafür voll die Kopfweh.
Was für eine Geschichte: “Hexenschuss” vom Scheißen und eine Ambulanz mit Platten. Es entbehrt alles nicht einer gewissen Komik.
Und so gestalteten sich die nächsten Tage anders als gedacht. Unruhige Ruhe und leichte Spaziergänge. Und ich war froh in Overland Heights zu sein, da zumindest der Koch und der Caretaker immer da sind. Sollte es also einen Notfall geben, hätte ich hier Hilfe. And das weiche Bett ist ebenfalls ein Pluspunkt.

Die Gegend, wo ich hier wohne, ist tatsächlich bisschen öde, Häuser hinter Mauern, mehr Autos als Leute auf der Straße – und natürlich auch hier viele Hunde.



Ich versuchte, meine ganzen Nerven und Muskeln und Knochen im Hüftbereich kennenzulernen und Haltungen und Übungen zu finden, die Erleichterung verschaften. Und es ging tatsächlich gut aufwärts! Ich schlurfte hierhin und dorthin, Treppensteigen war gar nicht schlimm, wir fanden eine sehr hilfreiche Wärmflasche, der Darm nahm seine übliche Tätigkeit wieder auf und ich war hoffnungsvoll. Nur das Niesen – und ich scheine hier gegen irgendwas allergisch zu sein, jedenfalls nieste ich sehr oft – fuhr immer schmerzhaft durch den Hüftbereich. Ich fuhr sogar ins Zentrum, holte dort meine Wäsche, kaufte Sachen ein, schlurfte herum und fand einen Bekannten, der mich wieder nach unten fuhr. Tolle Heilung!

Bis es an Tag 4 doch wieder leichte Darmkrämpfe gab (aber immerhin eine Sitztoilette) und irgendwas anderes in meiner Hüfte beschloss wehzutun. Vielleicht Ischias?
Trotzdem: ich hätte eigentlich unterwegs sein wollen und dafür auch schon ein Permit. Und nun wollte ich nicht länger warten. Immerhin sollen ja Spaziergänge gut tun und vielleicht könnte ich schlurfend eine für mich neue Gegend doch ein wenig erkunden? Ohne Tageswanderungen und dafür vielleicht mit mehr Gesprächen? Und etwas mehr Unterstützung.
Ich verabredete mich für den nächsten Tag mit einem Guide, der mich abholen und mit dem ich mit dem Bus in das Aryan Valley fahren wollte. Die Straße ist ja richtig gut und die 160 km würde ich schon packen. Und wenn nicht – kann ich ja wieder aussteigen und umkehren.