
Am Anfang habe ich gar keine Fotos gemacht, aber über den muss ich erzählen. Mein Shared Taxi sollte mich 7:30 Uhr oben in Old Manali abholen. Da waren noch nicht viele Menschen unterwegs, aber Hunde. Ich hatte Stress, obwohl sie eher freundlich waren. Eine Wäscherei hatte schon offen, weil ein Kunde sehr früh etwas abholen wollte. Da hab ich mich hingeflüchtet und der Mann hat mit meinem Fahrer telefoniert und dann kam er sehr pünktlich. Nur ein weiterer Fahrgast aus Tamil Nadu, der aber schon seit 10 Jahren in Qatar im Büro arbeitet. Blödes Leben, nur Office und Zimmer. Aber er kann gut Geld ansparen und nächstes Jahr, wo es auch mit Visa schwierig wird (Qatar will nur noch Moslems sagte er), wird er aufhören und heimkehren und träumt von einem Farmer-Leben. Frau und Sohn hat er auch schon seit 4 Jahren, aber die wollen nicht bei ihm in Qatar sein (zu langweilig) und auf seine Reisen wollen sie auch nicht. Wie schon mal woanders erwähnt: die Ehen und das Familienleben laufen hier oftmals ziemlich anders ab. Er reist jedenfalls eher günstig und wollte nach Ladakh. Nur groß trekken oder wandern kann er nicht, sein Körper ist zu schlaff dafür.
Der Fahrer dagegen war agil und wir fuhren erstmal wieder nach unten nach Haupt-Manali, 20 min sollten wir warten. Irgendwie war viel Warterei angesagt – udn dann klärte er uns auf: 2 Leute hätten gestern die 2 Sitze gebucht, aber nix angezahlt und jetzt wären sie weder hier noch würden sie ans Telefon gehen. Er ärgerte sich, dass ihm nun dieses Geld fehlte, wollte aber trotzdem fahren. Er bemühte sich noch sehr, weitere Passagiere zu finden, war aber nicht erfolgreich. Immerhin konnte er ein paar Gepäckstücke gegen Geld mitnehmen. Er hatte den beiden geglaubt, dass sie wirklich verlässlich seien. Aber wahrscheinlich müsse er doch immer auf die 50:50-Methode bestehen.
Wir starteten also ca. 2 Stunden später als gedacht, waren aber entspannt. Es ging nach oben, durch den Tunnel durch und nach Lahaul hinein. Einige ganz schön große Schafherden wanderten die Straße entlang. Das Verkehrsaufkommen war nicht hoch und der Himmel bewölkt.


In Keylong hoffte er nochmal auf weitere Passagiere, war aber erfolglos. Er ist ursprünglich aus Dharamshala, aber seine Eltern sind nach Manali gezogen, wo sie besseres Geschäft witterten. Sein Vater ist ebenfalls Taxifahrer und er selber fährt auch schon sehr lange. Blöderweise geht das Geschäft nicht ganz so gut, es sind zwar massig Inder-Touris da, aber die meisten kommen mit dem eigenen Auto. Shared Taxi geht noch, aber da würden auch schon ziemlich viele ausländische Reisende fehlen. Das waren früher mehr.
Spätes Frühstück gab es in Jispa. Mein tamilischer Mitreisender spricht kaum Hindi und hier erlebte ich, wie auch er „übersehen“ wurde – sie haben seinen Frühstückswunsch überhört. Dabei waren ja nur wir 3 als Gäste da. Ich hatte vorgesorgt und was mitgenommen.



Das hier ist der Dhaba nebenan, der gefiel mir fotografisch besser. Weiter ging es sanft rollend über exzellente Straße.



Ich habe wirklich gestaunt. In Sarchu wechselten wir den Bundesstaat von Himachal Pradesh nach Ladakh Union Territory und machten eine kleine Snackpause.



Optisch schön sind diese Rastorte nicht, aber immer willkommen für ein Päuschen. Danach ging es zu den 21 Gata Loops, beeindruckende Kurven, die sich nach oben schrauben. Ich hatte Erinnerungen und einen Blick in das Tal, wo ich 2024 von Zanskar aus rausgetrekkt war.


Und dann lockerte der Himmel auf und tauchte alles in tolles Licht. Ich kannte die Strecke noch von vielen Malen früher und war froh darüber, weil ich sonst gerne andauernd für ein Foto und Genuss hätte halten wollen. So sind wir aber einfach durchgesaust, weil wir auch nicht zu spät ankommen wollten. Im Prinzip bemühte der Fahrer sich, 1 Stunde wieder gut zu machen und schaffte es auch. Allerdings litt er tatsächlich unter Höhenproblemen und musste mehr rasten als gedacht. Und trotzdem: er ist sehr konzentriert und ruhig gefahren und es gab null Momente, wo mir mulmig wurde. Nur einmal fuhr er für ein Foto langsamer. Da waren nämlich lauter Blauschafe direkt neben der Straße.





Man hatte sich mit der Straße wirklich viel Mühe gegeben – und in viele Verkehrsschilder investiert. So leer wie es auf den Bildern ausschaut, war es auch. Paar Motorradgruppen, einige Trucks und wenige weitere kleinere Autos.







Als wir über die Mor-Hochebene rollten, hoffte ich ganz doll, dass es mit mir und der Höhe so klappt, dass ich noch ins Changthang kann. Mir geht das Herz bei der Weite so auf. Und schon im Auto war ich ganz landschaftsverliebt. Man ist hier ca. 4-5 Stunden über 4.000 m unterwegs, das ist schon bisschen heftig. Ich hatte Höhendaddeligkeit, aber nicht schlimm. Mit Akklimatisierungszeit in Keylong würde ich unbedingt diese Strecke empfehlen, sie ist wirklich nur zum staunen und freuen.
Hinter dem Taglang-la ging es nach unten und leider war hier die Straße nicht mehr ganz so toll. Aber ich vermute, dass es nächstes oder übernächstes Jahr durchgehend asphaltiert ist und dann gewinnt man nochmal 1-2 Fahrstunden.


Dann fing es an zu dämmern. Wir waren tatsächlich nur 1 Stunde später als geplant da. Leider konnte der Fahrer uns nicht ins Zentrum fahren, das ist für Taxis aus Himachal Pradesh (erkennbar am Kennzeichen) strengstens verboten und wird auch kontrolliert. Er ließ uns beim Bushof raus, wo es lokale Taxen gibt. Und dann muss er 5 km weiter unten mit den anderen Himachal-Autos nächtigen. Alle schlafen in ihren Autos, haben aber vorher noch Zeit zum Kochen, Essen und Schwätzen. Am nächsten morgen wollte er schon wieder zurück. Anstrengendes Fahrerleben.
Und ich wurde wieder herzlich bei Sonam aufgenommen.
Ich muss hier schon die Geschichte erzählen, wie es mit meiner SIM weiterging. Man hatte mir ja gesagt, dass sie am 24. beendet sei. Da kamen auch tatsächlich keine Daten mehr durch. Bin ich zum Airtel-Shop und wollte eine neue erstehen. Oh nein, das sei leider noch nicht möglich, erst am 1.9. Hä? In Indien sind die SIMs zweigeteilt: es gibt „Validity“ und „Packages“, die man bucht. Meine Validity war automatisch für 90 Tage festgesetzt. Die Packages sind aber immer nur für 28 Tage, also 82 Tage. Ich kann erst eine neue SIM erstehen, wenn die Validity meiner jetzigen beendet ist. Also am 1.9. Bis dahin habe ich entweder keine Daten oder kaufe mir noch ein Package dazu. Finanziell ist das jetzt nicht so das Ding (kostet 3,50 Euro), aber diese Umstände und dass es so kompliziert ist, das ist etwas, was ich an Indien einfach nicht leiden kann und wo schnell Rumpelstilzchen-Ärger bei mir hoch kommt.
Aber ansonsten ist alles gut – feines sonniges Wetter mit angenehmen Temperaturen und überschaubarere Touri-Mengen. Ich bleib jetzt erstmal hier und schaue, wie es so geht.