Leh – 9 Inder machen 1 Ausflug

30. + 31. August 2026

 

 

Die 9 Herren vom Vortag waren so nett, mich zu einem Ausflug auf den Wari-la mitzunehmen. Da wollte ich sowieso nochmal hin und gucken. Eigentlich hätte ich dafür ein Permit gebraucht, aber das war mir a) zu doof und b) zu kurzfristig. Ich dachte dann, dass wenn ich wirklich herausgefischt werde, ich eben entweder mit einem Bus zurückfahre oder sonstwie spazieren gehe. Aber ich war nun auch zusätzlich neugierig, ob es klappen würde. Wie ich vermutete, tat es das. Es ist sowieso ein bisschen merkwürdig – der Checkpost befindet sich am Taleingang. Von dort kann man a) die Dörfer mit Klöstern Chemre und Sakti besuchen, wofür es kein Permit braucht b) in das Nubratal fahren, wofür es ein Permit braucht oder c) einen anderen Abzweig nehmen und zum Pangong-See fahren, wofür es ebenfalls ein Permit braucht. Die beiden Dörfer mit Klöstern sind ein beliebter Tagesausflug von Leh entfernt – es sind also immer so einige Leute auf dieser Straße dabei, die gar kein Permit brauchen.

 

Im Dorf Sakti war die Straße wegen Bauarbeiten für einige Zeit gesperrt. Statt eine alternative Strecke durch das Dorf zu fahren, fuhren wir zum Kloster Chemre, welches die Herren besichtigten. Ich hatte dazu keine Lust, da ich in der letzten Zeit zu oft im Kloster war. Statt dessen beguckte ich mir das Kloster von den Mönchswohnungen aus.

 

 

 

 

Im Kloster waren nur wenige Mönche, da für den Dalai Lama eine Abschiedszeremonie zelebriert wurde, wo alles hin strömte, was Gelegenheit dazu hatte. Ein Mönch unterhielt sich mit mir. Er ist mit 11 Jahren aus dem Nubratal in dieses Kloster geschickt worden. Er fand es gleich prima. Es gibt eine Mönchsschule und somit hatte er gleich viele Kameraden, viele ebenfalls aus dem Nubratal. Er meinte, alle seien Mönche geblieben. Ich bin mir da nicht sicher.

 

Insgesamt hat Ladakh absoluten Nachwuchsmangel an Mönchen (an Nonnen dagegen nicht). Die Tradition, den 2. Sohn ins Kloster zu geben, hat sich aufgewichen insbesondere da es nicht mehr so viele Kinder gibt und die weltlichen Möglichkeiten wesentlich größer geworden sind. Die buddhistische Struktur, die die Gesellschaft eingerahmt hat, ist inzwischen schwierig, aufrecht zu erhalten.

 

Ich habe früher immer die Mönche und Nonnen beneidet um ihre Zufriedenheit immer an einem Ort zu sein und tagein tagaus dieselben Dinge zu tun. Inzwischen bin ich mir nicht ganz so sicher, wie es mit der Zufriedenheit tatsächlich ausschaut. Manche wirken mir eher gelangweilt als eifrig dabei, im buddhistischen Sinne weiter zu kommen. Aber wer weiß.

 

Dann fuhren wir den Pass nach oben. Dabei habe ich keine Bilder gemacht, da ich auch nicht am Fenster saß. Aber oben war ausgiebig Zeit dazu.

 

 

 

 

 

 

 

Was an dem Pass doof ist: man kann beidseitig gar nicht richtig toll runtergucken. Was an dem Pass toll ist: die Landschaft an sich ist so schön weit, hoch und staunenswert. Es war extrem wenig Verkehr, das hat mir sehr gut gefallen. Und die Wiesen eignen sich sehr gut für ein prima Picknick. Der Pass ist ziemlich genau 5.300 m hoch.

 

 

 

 

 

Was mir neben dem Pass gut gefallen hat war die Stimmung der Herren untereinander. Sie machen diese jährlichen Trekkingtouren jetzt schon ein bisschen länger und wirken total freudig über ihre gemeinsame Zeit. Es wird geschwätzt, geschwiegen und gerne Witze miteinander gemacht. Auch wenn ich sie meistens nicht verstehen konnte (sie haben nur manchmal englisch gesprochen), meinte ich wahrzunehmen, dass es sehr wenig maskulines Gockelgehabe gab. Auch wenn sie verschiedene Ansichten hatten (Politik kam dabei auch sehr gerne auf den Tisch), konnten sie sich gut so sein lassen. Mir war es jedenfalls eine große Freude, dieses ein bisschen mitzuerleben. Und ein bisschen beneidet habe ich sie auch darum.

 

Auf dem Rückweg kehrten wir noch in ein bemerkenswertes modernes Lokal in Kharu ein, wo mit einer großen Schnelligkeit leckere Gerichte serviert wurden. Schön.

 

Am Abend traf ich Kundschaft von mir, die recht zufrieden wirkte. Das hat mich gefreut.

 

Und dann habe ich endlich eine Mini-Einführung in tibetischen Tanz gehabt bzw. einen Schritt gelernt. Dazu musste ich mich natürlich tibetisch kleiden. Ein Haken: meine sehr kurzen Haaren sehen dabei ziemlich doof aus. Und wir haben keinen anderen Kopfputz gefunden als dieses Tuch. Ein anderer Haken: als unverheiratete Frau sollte ich diese Schürze eigentlich nicht tragen. Aber wir haben geschummelt, weil es einfach besser aussah.

 

 

 

Dolma freute sich riesig über meine neu entdeckten weiblichen Formen, die ihr ungemein gefielen. Quasi eine Frau in dem burschikosen Wesen! Das solle ich doch bitte viel viel öfter hervor kehren! Die Tracht trägt sich recht bequem und man hat keine Angst, dass was verrutscht oder sonstwie durcheinander kommt. Meine Tanzlehrerin war die Schwester von Dolma, eine ebenfalls sehr nette Frau.

 

 

Meine SIM-Karte war nun nicht mehr gültig und ich ging zum Airtel-Shop um eine neue zu erwerben. Zuerst wollte mich die Dame abwimmeln mit meinem Anliegen, aber dann musste sie doch einsehen, dass es keine andere Lösung gab. Allerdings gestaltete sich das Ganze als wahnsinnig schwierig. Das System wollte die Fotos von mir und meinem Visum nicht akzeptieren. Es wurde wieder und wieder mit neuen Bildern probiert. Bei dieser Holländerin dasselbe Problem.

 

 

Aber im Juni wäre das doch alles kein Problem gewesen! Könnten sie nicht meine alten Daten nehmen? Die werden tatsächlich vernichtet. Dabei bewahrt Indien doch ansonsten allen Scheiß auf. Eine Fage an die KI ergab: „Bei der Meldung liegt das Problem nicht an deiner Identität oder deinen Dokumenten, sondern rein an der automatischen Bilderkennung des DoT-Systems (Department of Telecommunications). Das System prüft Live-Fotos nach extrem rigiden, KI-gestützten Vorgaben.“ Und da führen Schatten und Lichter und was weiß ich nicht zu Fehler-Ergebnissen. Nach 2,5 Stunden war man selber so gestresst davon, dass man mir die neue SIM einer Mitarbeiterin gab.

 

Für den Tag war es aber noch nicht genug mit „Indienärgernissen“. Ich habe eine Reiseanfrage für den Oktober. In den sozialen Medien stolperte ich über eine Notiz über neue Vorschriften in Ladakh. Es wird immer komplizierter und man verlangt Dinge im Tourismus, die nicht durchdacht und gut praktikabel sind. Es sollen jetzt alle Unterkünfte (auch die Homestays) die Daten der Reisenden innerhalb von 24 Std. digital übermitteln. Das ist in entlegeneren Gebieten vielfach nicht möglich. Auch gibt es weitere Auflagen, die zT nicht einfach zu erfüllen sind. ZB sollen alle Unterkünfte aus vorgeschobenen Hygienegründen Wassertoiletten anbieten. Traditionelle Homestays haben viel ökologischere Trockenklos. Die müssen umrüsten sonst dürfen sie nicht mehr Gäste empfangen. Jetzt befinden sie sich noch in einer Übergangsphase, die aber am 1.10. abgeschlossen sein sollte. Für viele Anbieter sind diese und andere Auflagen nicht praktikabel oder rentabel. In Ladakh sieht man dem erstmal etwas gelassener entgegen. Indien hat sich zu oft als voreilig erwiesen mit „Schnellschüssen“ in Planungen, die einfach in der Form nicht durchführbar sind und entweder nachgebessert oder verworfen werden müssen. Es bleibt anstrengend mit Indien ….

 

Einerseits ist es ja spannend zu sehen, was sich alles so wandelt in Indien. Allerdings fällt mir aus der letzten Zeit den Tourismus betreffend gerade nichts ein, was ich wirklich positiv finde. Grmpf.