Assam: Majuli -> Kimin – ein neuer PAP-Thriller

27. + 28. November 2025

 

 

Für Arunachal Pradesh braucht es ebenfalls ein PAP-Permit. Das ist schon seit vielen vielen Jahren so – und eigentlich viel einfacher als das neue PAP Nagaland. Die Agentur füllt die Anträge selbständig aus und schwupp sind die Permits da. Dieses Jahr schien sich etwas geändert zu haben. Der Erstantrag wurde nicht genehmigt, manche Dokumente hätten keine gute Qualität und die Agentur müsste nachbessern. Da die Dokumente von den Reisenden selber an Diamir geschickt wurden und diese die dann weiterleiteten, hatten wir erstmal keinen Zugriff darauf (es geht um Reisepass und Visum). Ich hatte die abgelehnten Dokumente angeschaut und keinen wirklichen Unterschied gesehen zu den genehmigten. Von daher fühlte ich mich etwas hilflos, wie wir nun zu „besseren“ Dokumenten kommen könnten. Aber insgesamt hieß es von Azos Seite eher: ach kein Problem. Unsere Zusammenarbeit zeichnete sich leider am Anfang dadurch aus, dass er eigentlich nie greifbar war und mich mit der Gruppe und Unwissenheit allein ließ. An Reisetag 2 bat er mich, die fehlenden Dokumente einzusammeln und für bessere Ergebnisse zu sorgen. Wie? Mein Problem….

 

Ich hatte keine Ahnung, wie ich das bewerkstelligen sollte, ich saß in der Rezeption und suchte irgendwelche besseren Lichtquellen, um die Pässe usw. zu fotografieren. Der Rezeptionist bekam mein Problem mit – und wurde meine Rettung! Er hat auch ein iPhone und konnte mir dort die Funktion „Scan ein Dokument“ zeigen. Es ist umständlich, aber wir waren erfolgreich! Ich hatte perfekte Scans! Wäre er mir nicht zur Hilfe gekommen, hätte ich nicht gewusst, wie wir die Anträge erfolgreich hätten einreichen können. Azo hatte sich zurück gezogen und war nicht greifbar. Ich schickte ihm die tollen Scans.

 

An Reisetag 3 am Abend bat er die Gruppe um Unterschriften und Fotos für den PAP-Antrag. Und an Reisetag 4 am Abend gestand er (auch vor der Gruppe), dass die PAPs nicht da seien. An Reisetag 5 sollten wir die Grenze überqueren. Ohne PAP keine Chance. Und auch „Mauschelei“ wäre nicht gegangen, da man dieses PAP in den Hotels zeigen muss. Aber er hatte noch Hoffnung, dass es während unserer Fahrt zur Grenze an Reisetag 5 noch kommen könnte. Also fuhren wir los.

 

Wir mussten mit einer anderen Fähre den Fluss an einer anderen Stelle queren und das war ein Erlebnis! Diesmal war es eine sehr kleine Fähre mit sehr wenig Platz – und eine Show, wie die 2 Fährjungs sämtliche Motorräder hin und her bewegten und die Autos über die Planken bugsierten. Da standen sie dann auf knappstem Raum und wir wunderten uns, dass nix ins Wasser gefallen war. Wir mussten eine Fähre warten und konnten viel gucken.

 

Guckende

 

Wartender

 

ankommende Fähre

 

Während des Guckens konnten wir an einem Stand sehen, wie das Reisbier trinkfertig gemacht wird – und einen Schluck probieren.

 

Reisbier

 

Die Überfahrt war kurz und schön.

 

Fährfahrt

 

Lange wird es diese Möglichkeit aber nicht mehr geben, hier entsteht eine sehr lange Brücke, die in wenigen Jahren fertig sein wird.

 

Brückenpfeiler

 

Fahrt unter Baustelle

 

Brückenbau

 

Und dann waren wir an der Grenze. Ohne PAP. Aber es war ja noch kein Feierabend und wir warteten. Konkret schickt Azo alle Unterlagen an eine Agentur in Arunachal, die direkt persönlich in das Antragsbüro geht und dort beantragt. Man kennt die Mitarbeitenden gut und es funktioniert. Bei unseren PAPs fehlte allerdings noch die Unterschrift vom Oberchef. Den kannten sie offensichtlich nicht gut – und wir mussten uns gedulden. Und aßen erstmal Mittag mit Blick auf die Grenze.

 

Grenze

 

Da es ja noch kein Feierabend war, hatten wir noch Zeit. Der Grenzbeamte war nett und erlaubte uns, direkt hinter der Grenze zum Fußballfeld zu gehen. Da fand ein Fußballturnier statt. Man freute sich über ausländische Zuschauende, wir freuten uns über ein Erlebnis abseits des üblichen Tourismus.

 

Stadion

 

Fußballspiel 1

 

Fußballspiel 2

 

Publikum

 

Dann nahte der Feierabend und es war klar, dass die Leute vor Ort den großen Chef und seine Unterschrift nicht ergattern konnten. Ich telefonierte mit Diamir, was nun meine Pflichten seien, bekam eine gute Unterstützung – und Azo suchte eine Unterkunft in Assam zu der wir fuhren.

 

Die Gruppe war nicht freudig. Ersatzunterkunft war immerhin toll. In einem Ort ohne Tourismus war sie noch recht neu und der Manager und der Kellner und der Koch einsame Spitze in ihren Bemühungen um unser Wohlergehen. Das besänftigte etwas. Aber trotzdem: was nun? Große Beratschlagungsrunde. Wir versuchten sämtliche Beziehungen und Möglichkeiten zu eruieren, wie man die Unterschrift des Chefs am nächsten Tag frühzeitig ergattern könnte. Und welchen Plan B man verfolgen würde. Und am Ende dieser Besprechung kam die erlösende Nachricht: kein Plan B nötig, wir würden die Unterschrift am Morgen bekommen!

 

Mein Fehler an der Geschichte: ich hätte den Ernst der Lage eher erkennen und zeitig auf tolle Dokumente drängen müssen. Aber durch die eher beschwichtigenden Ansagen „kein Problem, kein Problem“ war mir die Eile und die Dringlichkeit nicht wirklich bewusst. Und ich beschäftigte mich innerlich auch damit, wie ich eine Reisegruppe quasi ohne lokalen Guide (der sich ja völlig zurück gezogen hatte) leiten sollte in einer Gegend, wo ich noch nie war, es nicht wirklich gut kannte und nicht mit den Menschen kommunizieren konnte. Und währenddessen ja „ständig“ bei der Gruppe war und versuchte, mich irgendwie „über Wasser“ zu halten. So war ich das nicht gewohnt in Indien. Und die Reise lag ja noch vor mir. Meine erste richtige Diamir-Reiseleitung! Ich hatte Stress…..

 

Wir schlugen uns die Bäuche voll. Immerhin nur ein bisschen Zeit verloren.

 

Ich will es jetzt hier nicht zu spannend machen und auch nicht in Details gehen – von daher eine kleine Zusammenfassung:

  • die PAPs kamen rechtzeitig und wir konnten am nächsten Vormittag einreisen
  • Teile des Diamir-Büros haben mich gut unterstützt
  • Mit der Gruppe hatte ich richtig Glück. Überwiegend erfahrene Reisende, die sich bemühten, gut mit den Gegebenheiten umzugehen
  • Azo brachte sich mehr ein, aber nie so, wie ich es mir erwünscht hätte

Im Prinzip war es eigentlich ziemlich „indisch“ – es gibt ein Problem, aber es löst sich irgendwie dann doch. Im Prinzip hatten wir tatsächlich „nur“ 1/2 Tag verloren und konnten noch ausreichend Dörfer besuchen.

 

Ich freute mich nun, Arunachal Pradesh ein wenig kennenzulernen. Wir kamen nochmal an dieser Pferdestatue vorbei, die ich nun knipsen konnte – das hatte ich am Vortag verpasst.

 

Pferd mit interessant gestalteten Detail

 

Ist es nicht toll, dass man in so doofen Umständen doch noch auf so super Leute wie den Rezeptionisten und die Hotelleute trifft?

 

Und PAP Nagaland? Da hatte Azo inzwischen doch eine Methode gefunden, wie er alle alleine beantragen konnte. Und der Chiefminister war eifrig in Delhi dabei, eine Ausnahmegenehmigung zum Hornbill Festival zu ergattern. Wie zu erwarten benahm sich Delhi sperrig, aber hoffnungslos war niemand. Um auch dem vorzugreifen:

  • wir erhielten unsere genehmigten PAPs
  • wir brauchten sie nicht, da die Ausnahmeregelung gestattet wurde. Kein PAP während Hornbill.

Ich kann schon mal eines versprechen: das war es mit dem Thema PAP in diesem Blog! Aber es lauerten weitere Herausforderungen.