Delhi – Apollo, Walking Wallet und Diagnose

27. – 29. Juli 2026

 

 

Die Zeit in Delhi hat mich ziemlich durchgenudelt. Es fing damit an, dass das mit dem Flieger alles super klappte. Allerdings kam eine Ansage bzgl. zu erwartender Turbulenzen. Der Himmel sah ja auch nicht klar und rosig bzw. blau aus. Und in mir brach wieder voll meine Flugangst durch und ich fragte mich, warum ich nur schon wieder in einem Flieger sitze und ob es das letzte Mal sei, weil wir nun als erster Flug zwischen Delhi und Leh abstürzen würden und wenn nicht, dieses Angstgefühl aber so anstrengend ist, dass es sich einfach nicht lohnt, sich dem immer wieder auszusetzen.

 

Und dann kam gar nix! Keine Absacker, keine großen Rüttler, alles gut! Auf dieser Strecke hab ich aber auch sowieso die meiste Angst, weil 2 x schon Sachen passiert sind:
– Einmal startete ein Flugzeug in Leh voll durch – und bremste knallhart wieder ab. Irgendwas war mit der Technik. Das ist einerseits sehr toll und vertrauenserweckend, dass man das noch vor Abheben bemerkt und gut reagiert, andererseits jagt es einem schon einen Schrecken in den Körper.

  • Einmal sackte ein Flugzeug einige Male in heftige Luftlöcher ab und zwar ziemlich knapp über den Bergspitzen. Da haben ziemlich viele Leute geschrien und wir haben gedacht, dass nun wirklich unser letztes Minütlein geschlagen hat. Dieses Gefühl ist nicht schön.

In Delhi war es heiß und schwül und die Straßen voll und die Uber-Taxi-App wollte meine Destination nicht so richtig annehmen, aber sie haben einen Hilfeschalter und da hat mir eine Frau alles gut angewiesen und das Taxi war etwas günstiger als ich dachte. Der Fahrer fuhr auch gut – nur etwas vor der Destination war er verwirrend und bog in kleine Straßen zwischen unschöner Industrie ab und ich staunte wieder über einen neuen Aspekt von Delhi, den ich noch nicht kannte. Und dann bedurfte es doch wieder einiger Telefonate mit meinem Gastgeber und der Fahrer wollte nicht so auf mich und meine Verfolgung auf google maps hören – dabei wurde dort der Weg perfekt aufgezeigt. Am Ende kam ich aber doch wohlbehalten an und auch der Preis blieb gleich.

 

 

 

Ich lernte dann meinen Gastgeber Abhi kennen. Er hat sein Elternhaus so umgebaut, dass er dort Zimmer vermieten kann. Und er war längere Zeit selber auf Reisen in Europa. Wir plauderten nett. Ich hatte für den Folgetag einen Termin im Apollo Krankenhaus wegen meines Nasenblutens. Die Lungen/Bronchienproblematik wollte ich eigentlich nach Nepal angehen (mir schien die Zeit zu knapp), aber entschied mich, es doch jetzt schon zu versuchen bzw. mindestens einen Termin zu ergattern. Ich hatte mich für das Apollo Hospital entschieden, da ich irgendwo Gutes darüber gehört hatte. Es war mir irgendwie ein Begriff, die anderen Kliniken nicht. Und mehr habe ich dazu weder erfragt noch recherchiert. Hätte ich aber tun sollen.

 

Ich ging also zu Fuß zum Krankenhaus und schwitzte ziemlich dabei. Fotos habe ich insgesamt viel zu wenige gemacht.

 

 

Im Krankenhaus staunte ich nicht schlecht: es war auch hier proppenvoll. Aber im Gegensatz zu Ladakh war es sehr gut organisiert und sauber. Es gilt als eines der besten Krankenhäuser und spielt eine große Rolle im Medizintourismus. Ich zitiere: „Indraprastha Apollo war das erste Krankenhaus in Indien, das international durch die JCI (Joint Commission International) zertifiziert wurde. Es betreibt eigene internationale Abteilungen mit Dolmetschern, Visa-Service und Betreuungsteams, weshalb es im Ausland gezielt für medizinisches Reisen vermarktet wird.“ Ich habe tatsächlich sehr viele Leute aus afrikanischen Ländern gesehen, Westler eher weniger. Und ich bekam auch gleich einen Helfer an meine Seite: Prashant. Der hat französisch gelernt, im Tourismus als Guide gearbeitet und ist nun hier gelandet. Allerdings hört er bald wieder auf, da er ein Stipendium für Frankreich hat. Ich habe mich mit ihm sehr wohl gefühlt, alleine kommt man in diesem Gewusel nicht gut zurecht.

 

 

Ich wackelte also immer hinter ihm her, bekam Frau Dr. zu Gesicht und dann viele Anweisungen für Tests und viele Anweisungen für viele und hohe Geldzahlungen. Dass ich für die Prashant-Hilfe zahle: OK. Aber dann lernte ich, dass es auch hier ein Zwei-Klassen-System gibt so wie bei den Eintrittskosten: AusländerInnen zahlen viel mehr. Das Krankenhaus hat zwar wirklich beste Analysetechniken und Geräte, aber es arbeitet auch wirtschaftlich und muss zusehen, dass es gut verdient. Und weist vielleicht ein bisschen zu viele und zu teure Untersuchungen an während die Arztgesprächszeit zu knapp ist. Und damit fühlt man sich doch ein wenig zu sehr als „Walking Wallet“ als als hochgeschätzte Patientin. Meine Doktorenzeiten waren zwar länger als in Leh, aber doch viel zu kurz für eigentlich von mir gewünschte Gespräche. Meine Körperveränderungen mit dem „Höhepunkt“ von nicht abheilender Kurzatmigkeit nach dem Nasenbluten sind mir ein ziemliches Rätsel, wo ich gerne eine sehr gute Beratung zu gehabt hätte. Mir ging es übrigens etwas besser als in Ladakh, aber auch nicht hervorragend. und insbesondere schmerzten meine Bronchien.

 

Aber erst einmal der Reihe nach.
Tag 1
– ich sah Frau Doktor (Atemprobleme)

  • ich bekam eine Herzanalyse
  • mein Blut wurde getestet

Tag 2

  • Lungentest
  • Testergebnisse vom Vortag einsammeln
  • Herrn Doktor für Nase sehen
  • lange auf Fr. Doktor warten
  • Diagnose und Medikamentenanweisung
  • CT für Nase, wofür ich woanders hin musste, da vor Ort keine Zeit mehr war
  • Medikamentenübergabe gegen 20:30 von Prashant

Ich habe es noch nicht zusammen gerechnet, aber ich bin um die 400 Euro losgeworden. Und hoffe, die von meiner Auslandskrankenversicherung wieder zu bekommen. Aber ich fürchte, da muss ich sehr gut argumentieren und einreichen. Wir werden sehen.

 

Mir ging das alles ein bisschen zu schnell mit der Diagnose und so ganz kapierte ich sie auch nicht. Fr. Doktor sprach von hauptsächlich Bronchitis und verschrieb mir Asthmaspray. So ganz scheint mir das als Erklärung „zu dünn“ und ich bin ratlos, was meine Höhenzukunft angeht. Aber ich werde erstmal die Medikamente nach Anweisung nehmen und nach Nepal weiß ich dann schon etwas mehr.

 

Dann habe ich meine Testergebnisse mit Gemini analysieren lassen und das scheint mir recht hilfreich. Mein Herz ist in Ordnung, mein Blut ebenfalls (abweichende Werte können von Trinkmangel herrühren – ich habe tatsächlich zu viel geschwitzt und zu wenig getrunken) und meine Lunge reagiert positiv auf Asthmamedizin.

 

Nasenbluten: Herr Doktor hat bisschen was gefunden an Auffälligkeiten, fand es nicht so behandlungsbedürftig. Aber dann habe ich ihm das Foto vom Blutverlust gezeigt und da wurde er dann doch etwas ernster. Aber auf die CT-Ergebnisse warte ich noch. Zuerst einmal soll ich auf jeden Fall mehr Nasenfeuchtzeugs in der Höhe nehmen. Und da ich bisher kein weiteres Nasenbluten hatte, erscheint mir dieses Problem auch nicht so dringend.

 

Auch wenn die Analyseergebnisse beruhigend sind, ich also kein dringendes furchtbares Problem habe, erscheint es mir alles ein wenig dünn und ich fühlte mich tatsächlich eher geschröpft als umsorgt.

 

Und ich war insgesamt gestresst. In meiner Unterkunft habe ich ein Essensproblem: Frühstück gibt es nur für 17 Euro oder gar nicht. Man würde extra einen Koch kommen lassen müssen und der kostet. Ich beschwere mich ja schon über das teure Buffetüberangebot von rund 14,- bei den Alpenhütten, weil ich zwar gerne frühstücke, aber niemals so viel. Es gibt hier eine Küche mit tollem Geschirr, aber kein Öl, kein Salz, man kann sich also nicht einmal gekaufte Eier braten ohne noch mehr dafür einzukaufen. Müsli/Milchpulver ist mir auch bisschen viel für 2 x frühstücken und außerdem war es mir auch zu spät um nochmal raus und dazugehörige Einkäufe zu tätigen. Abhi drängte immer auf Lieferdienste, aber ich seh nicht wirklich ein, mich mit den Apps und diesem Zeugs zu beschäftigen. Und so wirklich habe ich nicht kapiert, warum es keine einfache Lösung für mein Frühstück gibt. Das war mir dann ein Zusatzstress mit dem Ergebnis, dass ich am nächsten Tag nur ein paar Kekse zum Frühstück hatte und ein frühes Mittagessen.

 

Ich war zu Fuß aufgebrochen und bei einer Mall rettete ich mich hinein, da ein großer Monsunregen niederging. Dort fand ich ein eher westlich aussehendes nettes Lokal und hatte Pizza, Salzkaramel-Popcorn-Shake und ein interessantes Gespräch. Der Typ war Zahnarzt und half nur ausnahmsweise in dem Lokal aus, welches seinem Bruder gehört. Er war auch mal auf einem Zahnarztkongress in Bonn gewesen und zeigte mir Bilder. Das war eine sehr nette Plauderei.

 

 

 

 

Dann musste ich wieder in das Krankenhaus durch den vielen Regen, aber mit einer Rikshaw.

 

 

Gegen Ende wurde es zeitlich sehr stressig und Prashant war aber sehr hilfreich und sparte mir auch noch etwas Geld. Er wies mich zu einem anderen Ort für den CT, wo es günstiger war, ich aber ewig im Auto saß wegen viel Verkehr. Und da es auch schon später war und ich seit dem frühen Mittag nichts mehr gegessen und zu wenig getrunken hatte, wurde mir schon wieder sehr daddelig und ich bekam sehr schlechte Laune über alles.

 

Zurück habe ich in der Mall in einem anderen Lokal etwas gegessen (das vom Mittag hatte nur Pizza im Angebot, die wollte ich nicht schon wieder) und dann kam Prashant mit den Medikamenten. Er hatte sie außerhalb des Krankenhauses für mich besorgt und da kosteten sie nur die Hälfte. Keine Ausländerpreise. Außerdem hat er sich meine ganze Jammerei angehört und mir eine Süßspeise spendiert. Und vielleicht hofft er auch etwas auf meine Hilfe in Europa – das finde ich aber völlig gerechtfertigt und OK. Und wir haben wenigstens noch einen Joghurt für mein nächstes Frühstück gefunden (aber keinen Obststand). So kam ich erst gegen 21:30 wieder vollkommen schlapp aber bisschen ausgesöhnter in meiner Unterkunft an.

 

Fazit:

Soviel Stress ist nicht gut. Und ich weiß nicht, ob ich noch einmal Apollo wählen würde. Auch wenn die Testmöglichkeiten und die interne Krankenhausorga gut sind und einzelne Menschen wirklich nett (die Lungentestdame fragte, ob ich mit zum Mittagessen kommen wolle, der Nasendoktor ist aus Kaschmir und freute sich riesig, dass ich da noch hinreisen will), wurde ich einfach den Eindruck der walking wallet nicht los und das ist kein gutes Gefühl. Ich denke, ich hätte mich vorher besser informieren und mich nicht einfach so auf blauen Dunst in dieses System begeben sollen. So klafften Erwartungen und Realität wieder auseinander.

 

Übrigens wurde mir vom Zahnarzt und auch Prashant vorgeschlagen, mich doch unbedingt in Medizintourismus zu engagieren. Da könnte ich richtig gut massig Geld verdienen. Und mir sämtliche Apollo-Leistungen locker leisten – hahaha.