Himalaya-Sommer-2026 – Vor der Reise

02. Mai 2026

 

 

Bald geht es los! Eigentlich sollte ich es ja schon gewöhnt sein: Packen, Flughafen, fliegen, lange fort sein. Aber nix da, Vorfreude auf Reiserlebnisse springt durcheinander mit Befürchtungen, was alles sein könnte.

 

Am 12.5.26 sollte ich im Flugzeug nach Delhi sitzen – und 5,5 Monate später wieder im Flugzeug zurück. Das ist lange, aber eigentlich auch nicht sooo außergewöhnlich, wenn ich mir mein Reiseverhalten in den letzten 16 Jahren anschaue. Wieso 16? Weil ich Ende April 2010 für 9 Monate nach Indien und Nepal reiste und seitdem oft lange fort blieb – und ich muss jetzt manchmal an diese erste Zeit denken. Seitdem hat sich ein bisschen was geändert, z.B. dass das so nicht mehr geht. Ich hatte damals auch ein 5-Jahres-Visum, mit dem durfte ich aber 180 Tage am Stück in Indien sein und es gab keine Tagesbeschränkung für das ganze Jahr. Jetzt darf ich nur 90 Tage am Stück in Indien sein und 180 Tage gesamt in einem Kalenderjahr. D.h. danach ist definitiv Schluss für 2026. Und für diese 90-Tage-Regel muss ich zwischendrin raus – und wieder rein. Da ist – wie meistens – Nepal das naheliegendste.

 

Was will ich denn da eigentlich und wieso so lange? Die letzten Jahre war ich immer nur kürzer in Ladakh und überwiegend im Winter – und hatte a) immer dringender den Wunsch, dort wieder mehr trekken zu gehen, b) mich über die ganzen Veränderungen wieder neu zu informieren, c) Leute mit Zeit zu treffen d) neu eröffnete Gegenden im Changthang entdecken und e) mich mehr in Tundups Büro herumzutummeln. Da ich aber auch gerne Lücken in anderen Gegenden weiter füllen möchte und der Oktober auch schon arg kalt ist, stehen sowieso auch noch Himachal Pradesh und Kaschmir auf dem Plan. Plan? Einen ausgeklügelten Plan habe ich nicht. Dafür massig Wünsche und Ideen – und dann mal schauen, was ich davon wann machen kann oder was sich statt dessen auftut!

 

Nur zwischendrin, da ist ein Nepalabstecher nach Mustang ganz fest. Damit das mit den Tagen hin haut und damit ich 2 Freundinnen treffen kann zum gemeinsamen reisen!

 

Auf jeden Fall möchte ich viel von dem tun, was ich so gerne tu: Tageswanderungen, Trekken und Erkunden. Und dabei Material zusammen sammeln und Kenntnisse erweitern. Je älter ich werde, desto dringender habe ich auch das Bedürfnis, mehr sehen und machen zu wollen. Damit ich in schlechten Zeiten davon zehren kann. Und meine Reiseanfragen besser beraten kann. Und eben – die Sonne auf mich scheinen lassen (s.o.).

 

Leider war ich im Winter etwas bewegungsunfreudiger und wettermuffelig. Aber seit 4 Wochen geht es wieder aufwärts! Ich bin in die hiesigen Berge gewandert, die Traun rauf und runter gejoggt und habe im Wohnzimmer den Körper yogagebogen. Und es klappt! Es wird langsam wieder. Deutlich langsamer als früher, aber es wird!

 

 

 

Zwischendrin habe ich ein wenig in der Vergangenheit gestöbert und diesen Text gefunden:

Erschöpft tappe ich in den Tea-Shop. Meine braungebrannten Arme überzieht ein zusätzlicher Sonnenbrand. Meine Füße sind ausgelatscht. Meine Schultern schmerzen vom Rucksacktragen. Ich bin bis oben randvoll mit Glück abgefüllt. Wohlig ziehe ich die Wanderstiefel von den Füßen und zappel mit den Zehen herum. Die Tea-Shop-Leute kommen mit einer köstlichen Linsensuppe angewieselt. Es ist ganz leise und kalt und klar draußen. 

 

 

Meine Gedanken wandern 24 Stunden zurück. Da bin ich mit Therese, einer nuschelnden freigiebigen Irin, am Chandertal-See angekommen. Wir sind 16 km auf dem Mond spaziert, um ihn zu finden. Da war nichts. Nur Steine, Geröll, aufgetürmt zu wolkenberührenden Gipfeln, lose herumliegend wie aus einem Rieseneimer ausgekippt. Sonst nichts. Nur Stille. Und mitten im Nirgendwo ein türkiser See. Und wir zwei Minimenschlein mit unseren Rucksäcken und dem Minizelt von Therese, wo eigentlich nur sie allein reinpasst. Wir haben uns im Bus nach Manali im indischen Himalaya kennengelernt. Zwei individualistische Alleinreisende. Die jetzt aber immer noch beisammen sind, weil es manchmal gut ist, jemanden neben sich zu haben. Z.B. in eiskalten Himalayanächten im Minizelt. Wenn um einen herum die große Leere ist und die Mondlandschaft so aussieht, als wollte sie nie enden. Mit einem See und einem Tea-Shop zum Festhalten. Wenn alles ganz ganz anders ist, als was man kennt. Aber so überwältigend, dass Worte dafür nicht ausreichen. Dann ist es gut, mit jemandem zusammen zu schweigen und zu staunen. Und manchmal ein bisschen dummes Zeugs zu plappern.

 

 

 

Die Linsensuppe wärmt. Der süße Milchtee füllt den Bauch mit weiterem Glück. Die Sonne verabschiedet sich hinter den Berggipfeln und es wird wieder dunkel und eisig. Wir dürfen im Hinterraum schlafen. Vorne kruscheln die Wirtsleute im rauchgeschwängerten Gastraum herum. Mit einer funzeligen Taschenlampe kruscheln wir uns Schlafplätze zurecht. Die Lagerstätte ist hart, nur ein dünner Teppich auf einer Steinbank. Die Linsen zeigen Wirkung. Ich bin unruhig. Ich denke an mein gewohntes Bett daheim. Vielleicht ist das jetzt gerade doch ein kleines bisschen viel „fremdes Glück“ auf einmal? Ich döse, träume, wache, wälze, versinke, schrecke hoch, es wird hell. Die Augen gewöhnen sich an das Dämmerlicht und können den Raum erstmals inspizieren. Ich schrecke hoch: Überall sind quer Schnüre gespannt, über denen Fleisch zum Trocknen hängt. Über den rohen Mauerwänden sind größere Fleischlappen ausgebreitet. Der ganze Raum ist voll von Fleisch, Fleisch, Fleisch.
Spiti, 1992

 

 

Ich finde, ich sollte wieder mehr wie früher schreiben. Und wünsche mir ein paar von so speziellen Erlebnissen.

 

 

Zum Fremd-Fühlen ist diese Zeit vielleicht nicht so geeignet. Aber ich werde hoffentlich viel für mich entdecken. Die ersten 3 Nächte sind jedenfalls gebucht. Erinnert sich wer aus meinem letzten Blog aus Madhya Pradesh, da war ein Hotel, welches mich beeindruckte mit zig Regeln, die an der Rezeption angetackert waren. Diesmal habe ich sie schon als Nachricht erhalten:

  • Unmarried couples are not permitted as per house rules.
  • *Quiet Hours / No Parties*: Please keep noise down from 10:00 PM – 7:30 AM.No parties are allowed without prior approval from managment.
  •  *Visitor/Occupancy*: Only registered guests may stay overnight. Day visitors (10:00 AM – 8:00 PM) are welcome in shared/common areas only and are not allowed in rooms.
  • *Smoking*: Strictly prohibited inside rooms. Please smoke only on the balcony or outside veranda.
  • *Pet Policy*: Pets are welcome! Please keep them off furniture and bedsheets.

Und die Mitnehmhaufen in meinem Zimmer werden langsam größer. Bis dahin genieße ich noch ein bisschen mehr die hiesige Bergwelt. Und zappel ungeduldig herum.