
Ich war freudig aufgeregt, weil wir endlich nach Upper Mustang kommen würden, dh in eine Region, die mir neu ist! Immer dabei ist dieser kleine Beschützer im Auto. Außerdem murmelt Fahrer Shankar auch noch ein kleines Gebet vor dem Start.

Wir verließen Kagbeni und erspähten hoffnungsvolle blaue Flecken am Himmel! Die Straße war noch kurz asphaltiert, dann hörte das auf.


Dafür gab es links und rechts tolle Blicke auf Fluss und Berge und Felsformationen.









Es hat schon Ähnlichkeiten mit Ladakh, Zanskar und Spiti. Allerdings gab es In der Ferne hohe Berggipfel zu sehen. Die sind nur hier.



Im Fluss waren paar kleine Menschen, die Steine sammelten, die sie dann in Muktinath an die Reisenden verkaufen. Der Fluss war sehr schlammig und unterschied sich farblich kaum von trockenen Flussbetteilen.

Wir hielten andauernd an, sprangen heraus und guckten und zückten die Handykameras. In der Ferne gab es Apfelplantagen zu sehen und direkt an der Straße war auch ein großes Gelände eingemauert und mit einem Schild versehen. Allerdings war dahinter kein Apfelbaum zu sehen und nicht klar, ob das noch was werden sollte oder sämtliche Pläne aufgegeben waren. In den Hütten lebten Straßenarbeiter. Das mit den Äpfeln war eine Überraschung für mich, die habe ich hier nicht vermutet.




Unser erster richtiger Stopp war der Ort Tangbe, der als hübsch beschrieben wurde – und das fanden wir auch. Man kann eine Gasse zwischen alten Häusern entlang gehen. Auch wenn einem manchmal herumliegender Müll in die Augen fällt: kein Vergleich mit Indien. Es ist alles viel ordentlicher gehalten.







Auffällig ist ja diese Drei-Farb-Bemalung. Lustigerweise sind die Farbennamen dieselben wie in Ladakh: nakpo, karpo und marpo. Dabei sprechen die Leute allerdings eine andere Sprache und sooo viel mehr Gleichheiten habe ich noch nicht gefunden. Und man begrüßt sich überwiegend mit Tashi Delek. Zurück zu den Farben. Diese gehören zum Sakya-Orden des Buddhismus und repräsentieren weiß = Avalokiteshvara = Mitgefühl, rot = Manjushri = Weisheit und schwarz/blau = Vajrapani = spirituelle Kraft/Schutz vor Bösem.
An anderen Orten fehlt das schwarz/dunkelblau. Da merkt man dann, dass die Leute dem Nyingma- oder Kagyü-Buddhismus folgen. Ich finde die Hervorhebung der Aspekte Mitgefühl und Weisheit eine schöne Zusammenfassung als Richtungsweiser für das Leben.
Leider funktioniert es bei mir in einem Reiseaspekt nicht sonderlich gut. Unsere Guide Laxmi entspricht so gar nicht in dem, was ich mir von einer Guide erhofft habe. Dass sie nicht viel weiß trotz 12 Jahren Guide-Dasein ist eigentlich nicht schlimm. Sie könnte fragen, neugierig sein, mit Leuten sprechen und übersetzen, gemeinsam entdecken – oder sich auch vorher im Internet erkundigen. Tut sie aber nicht. Auch spricht sie nicht sehr viel mit uns, fragt uns nichts, überlegt, wie wir die Tage gestalten können usw. Das ist anstrengend und ich weiß nicht, wie damit umgehen. Sie hat ihren Sohn nach einer frühen Scheidung allein groß gezogen und tapfer aus einfachen Verhältnissen stammend den Tourismus-Pfad betreten. Das finde ich toll, aber dass da nicht mehr draus geworden ist, ist traurig. An dem Tag waren wir besonders unzufrieden und redeten und diskutierten und fanden keine rechte Lösung. Im Prinzip brauchen wir auch gar keine Guide (nur für Übersetzungsgespräche ist es eigentlich prima) und könnten uns auch selber durchlavieren und das tun wir auch mehr oder weniger. Ich habe mich als „Halbreiseleiterin“ aufgeschwungen, weil ich mich sowieso schon mehr mit der Region beschäftigt habe und mir auch einiges geläufiger ist. KI ist mir dabei eine gute Freundin geworden insbesondere wenn es um Wissenswertes geht. Wir bestimmen nun, was wir wann machen und finden mit Hilfe von Mapy und Komoot auch gut die Wege. Laxmi wohnt in Pokhara, war bisher allerdings nur 2 x je für 3 Tage in Upper Mustang, wo die Reisenden nur Lo Manthang und Umgebung sehen wollten. Mich macht die Situation grummelig, da ich nicht weiß, wie damit umgehen. Da ich das jetzt einen Tag später schreibe, kann ich schon etwas „Entwarnung“ geben – Ute hat da besseres Geschick mit und der Folgetag wurde nicht so gruselig wie befürchtet. Dazu aber später.
Hier schaut es fast so aus wie von mir gewünscht, dh sie spricht auch mit Leuten, aber gestaltet keine angenehmen Unterhaltungen für alle. Die Frau war gerade dabei, Buchweizen zu waschen. Der wächst hier nämlich auch ganz gut.



Tangbe ist also sehr hübsch und einen Dorfspaziergang wert. Unser nächstes Ziel war Chhusang mit einer kleinen Wanderung zur verlassenen Göngma Gang. Göngma Gang wurde Ende des 17. Jahrhundert als großes Nonnenkloster gebaut. Es liegt gegenüber dem Dorf auf einer Art exponierten Felsvorsprung. Dem Glauben nach sind solche Landschaftspunkte energetisch aufgeladen oder von unruhigen Lokalgeistern besetzt. Eine gute Idee, dort einen spirituellen Rückzugsort zu errichten. Damals gab es eine reiche Adelsfamilie im Dorf, die das initiierte. Dabei wollten sie auch gerade den weiblichen Familienmitgliedern innere Einkehr und Lehre ermöglichen.
Der Ort ist nur über den Fluss erreichbar. Man baute leichte Brücken, die man je nach Flusslauf verändern oder neu bauen konnte und Seilübergänge. Dadurch wurden die Nonnen versorgt. Das war arbeitsintensiv, aber man hatte damals genügend Geld und Personal. Im Laufe des 18./19. Jahrhunderts klappte das aber nicht mehr so, die Versorgung wurde zu schwierig und das Kloster wurde wieder aufgegeben.
Seit ca. 2018 wird hier nun mit Spenden und viel Arbeit eine enorme Restaurierungsarbeit geleistet. Mehr kann darüber bei der Norbusum Foundation lesen.

Zuerst baute man eine recht feste Hängebrücke 2018. Angstfaktor für mich, aber bewältigbar.


Dann sind wir zum Tempel hin, wo wir gucken konnten. Herzstück ist eine große Maitreya-Statue, den man hier Jampa nennt. Außerdem gibt es sehr viele Malereien von sich vereinigenden Gottheiten.








Ich mag gerade diese Farbgebungen total gerne. Wir spazierten dann zurück und Laxmi hat einen tollen Ammoniten gefunden. Der lag da einfach so herum. Mittagessen war prima.



Danach waren wir wieder etwas fitter für weitere Felsformationenbewunderungen. Eigentlich haben wir den ganzen Tag nur gestaunt. Als Dreiergruppe geht es uns übrigens gut miteinander. Ute kenne ich schon länger als angenehme Reisegefährtin und prima Freundin, aber auch mit Beate ist es nett und wir sind uns überwiegend einig miteinander.




Wir fuhren noch weiter nach Samar mit kurzen Guckstopps.




Leider hat es sich wieder gut eingewölkt, aber immerhin haben wir uns den Tag über vermehrt an der Sonne erfreuen können. In Samar fanden wir eine angenehme schöne Unterkunft mit besten Zimmern, die wir runterhandeln konnten. Wir sind einzige Gäste. Dabei hatten wir den Tag 2 kleine Trekkinggruppen entdeckt, eine Alleinwandernde mit Guide und Porter sowie ein Paar. Die sind sehr viel Straße gelaufen. Die war zwar wenig befahren, aber so wirklich attraktiv sah es uns nicht aus.
Apropos befahren und Guide-Probleme: unser Fahrer Shankar ist super, kommunikativer und hat auch öfters bessere Tipps für uns. ZB hat er diese Unterkunft vorgeschlagen. Wir buchten uns für 2 Nächte ein, da wir die Landschaft nicht nur vom Auto aus gucken wollten sondern mehr darin verweilen. Dazu dann mehr im nächsten Blogpost.