Karakol – Bishkek – Germania – Reiserest

17. – 19.04.2022

 

Nach dem Tiermarkt und einem letzten leckeren Frühstück fuhr ich zum Marshrutka-Terminal und dort fuhr auch sofort eine los nach Bishkek. Dort machte ich große Augen: nur 3 Wochen waren vergangen und die Stadt erstrahlte in frischem grün! Das machte einen enormen Unterschied zum ersten Besuch.

 

grünes  Bishkek

 

Grüppchen

Viel gibt es eigentlich nicht zu erzählen. Priorität war ein PCR-Test und Informationen zu beschaffen, was ich für die Rückreise brauchen würde. Wirklich klar war es mir nicht. Ich fand ein Labor und für 24,- € wurde ich getestet und hatte das Ergebnis 5 Std. später. Dann startete ich eine Suche nach einem Stoffgeschäft. Eine Freundin von mir näht wie verrückt und mein Ehrgeiz ist es, ihr aus anderen Ländern Stoffe mitzubringen. Mein Problem: ich raff nicht so gut ab, wie das nun ist mit der Qualität usw. Im Internet wurde ein Stoffgeschäft angepriesen, aber es war richtig schwer, es zu finden und ich lief hin und her und her und hin bis ich es versteckt im 1. Stock eines großen Hauses fand. Dort befanden sich viele Stoffballen – und ich ratlos mittendrin.

 

Stoffe

 

Eine angesprochene Verkäuferin sprach kein englisch, wollte mir aber eine Kollegin holen. Die kam und nach einigen Worten englisch fragte sie, ob ich aus Deutschland käme.Ja. Oh was für ein Glück, redete sie auf deutsch weiter, sie würde an der Uni auch deutsch lernen und hätte eine Lehrerin aus Leipzig und nicht so viel Gelegenheit, die Sprache zu praktizieren. Mit mir wäre es prima, sie würde mich sehr gut verstehen, das hätte man nicht bei allen deutschsprachigen Menschen. Ich fühlte mich geschmeichelt. Und dann schauten wir die Stoffe und überlegten ob diesen oder jenen. Was für Zufälle es gibt! In einem Stoffgeschäft einer deutschlernenden Studentin zu begegnen! Auch sie äußerte den Wunsch, nach Deutschland zu kommen.

 

Ich fand es auffällig, wieviele (junge) Menschen mich fragten, wie es mit Arbeitsgelegenheiten in Deutschland aussähe, wie mit Studiermöglichkeiten in Europa usw. Ein großer Teil des kirgisischen Geldes (25% des BIP) stammt von KirgisInnen im Ausland. Die postsowjetische Wirtschaft will nicht so wirklich auf die Beine kommen. Als Handelspartner spielt Russland (neben China und Kasachstan) eine sehr große Rolle. Mit dem Ukraine-Krieg sind dadurch neue Komplikationen entstanden. Die Goldmine Kumtor gehört zu den größten Goldvorkommen der Welt und bringt 8% des BIP. Auch gibt es potentiell noch mehr Gold zu finden und wie ich in einer Doku sah, gibt es tatsächlich noch so richtige Goldsuchende. Ich wurde auch gefragt, ob ich evtl. hinter dem kirgisischen Gold her sei.

 

kein Gold, aber Kindheitserinnerungen

 

Danach traf ich mich mit der Mutter von Rakhat, Mina. Sie hält den Ramadan ein – und blöderweise hing mir aber der Magen in den Knien, weil ich vor lauter Stoffsuche das Mittagessen verzögert hatte. Sie war aber tapfer und begleitete mich in ein Lokal, wo ich ganz schnell alles aufaß damit sie nicht so viel gucken musste.

 

ich und Mina

 

Und dann war es auch schon Abend und ich eilte in meine Unterkunft, packte, schlief und machte mich am nächsten Morgen auf den Weg zum Flughafen. Alle Fahrer, ob Taxi, Sammeltaxi oder Marshrutka, waren nette angenehme Menschen, aber dieser auf dem weiten Weg zum Flughafen war eine Herausforderung. Er litt so stark an Mundgeruch, dass das ganze Auto danach roch. Außerdem redete er wie ein Wasserfall auf mich ein ohne dass ich etwas verstand, gab andauernd eine Art asthmatisches Röcheln von sich und fuhr schneckenlangsam. Puh, das war eine richtige Herausforderung!

 

Ein Bild zur Textauflockerung

 

Im Flughafen wurde weiter an meinen Nerven gezerrt: es waren 4 Schalter zum Einchecken offen und die Reisewilligen ballten sich haufenmäßig davor statt ordentlich Schlange zu stehen. Endlich war auch ich an der Reihe und man wollte weder PCR noch Impfnachweis sehen. Im ganzen Flughafengebäude liefen die Menschen ohne Maske rum. In Kyrgyzstan gibt es so gut wie kein Corona. Erst zum Einsteigen in den Flieger wurden dann die Masken hervorgekramt. Auch ich kramte und fand und fand nix. Dabei hatte ich doch einen kleinen Vorrat in die Rückentasche vom Rucksack gesteckt! Da war aber nichts. In einer Jacke fand ich zum Glück noch eine schäbbig aussehende Maske. Und zuhause entdeckte ich die Masken im großen Rucksack. Jedenfalls stellte ich fest, dass ich mich extrem gut und schnell an ein „Nicht-Corona-Leben“ gewöhnen konnte – und daheim auch gleich wieder umgewöhnte.

 

Daheim überraschte mich die Bahn mit extrem schlechter Verbindung nach Hause und am Bahnhof mein Auto mit leerer Batterie. Und so ging gleich die Rödelei wieder los. Im Zug dachte ich aber sowieso: „War ich wirklich weg?“ Es fühlte sich an, als sei ich erst gestern in einem anderen Zug gesessen und die Reise dazwischen wie ein verblasster Traum. Ich glaube, 3 Wochen sind zu kurz als Reisezeit.