
Kerala und Ladakh – was für eine Kombi! Das schrieb ich schon im Blogpost „Vor der Reise“ – und stelle im Nachhinein fest: ja, das ist wirklich eine spezielle Kombi! Von ganz unten nach ganz oben, von ziemlich warm zu ziemlich kalt, aber auch von lieben Leuten zu lieben Leuten. Aus Kerala hatte ich Neues zu berichten, das erste Mal eine richtige Ayurveda-Kur gemacht, die Bergwelt entdeckt und ein paar andere Orte bei Thiruvanandapuram. Was toll war:
Sreejith + ich
Es waren ja nur 10 Tage, die sich für mich aber gut gelohnt haben. Allerdings wird Kerala trotzdem für mich persönlich keine wirkliche Herzensgegend werden, zu warm, zu grün, zu…. – ach, es ist nicht einfach, das in Worte zu fassen. Es ergreift mich nicht wirklich. Aber für Stippvisiten ist es schon gut, und ich kann auch sehr guten Gewissens meine Kundschaft dorthin empfehlen.
Strand
Und dann ging es ziemlich Holterdipolter nach Ladakh: 3.500 m hoch, Minusgrade, Berge, Ruhe und eine Gruppe dabei. Was ich für den Blog weiterhin schwierig finde: über Gegenden zu schreiben, wo ich schon so oft war. Es gibt so wenig wirklich Neues zu entdecken – und das brauche ich, um wirklich zu berichten. Gar nicht zu schreiben käme mir allerdings auch nicht richtig vor, ich will ja schon gerne erzählen, was wir erlebt haben, meine Bilder zeigen und einen Eindruck vermitteln. Aber im Vergleich zu Blogs aus neuen Gegenden finde ich selber mein Geschreibe nicht ganz so spannend. Ich habe auch weniger Stauneaugen, aber trotzdem viel Freude beim Dasein.
Filmen
Da ich auch schon so viele Photos aus Ladakh habe, habe ich mich eher bemüht, Filmmaterial zusammen zu sammeln. Problem: ich weiß gar nicht genau, was ich damit will. Es hat gebraucht, mir eine „Photosprache“ anzueignen, ich habe irgendwann eine Form des Schreibens gefunden – jetzt gilt es mir Filmen anzueignen. Manche Sequenzen finde ich schon ganz nett, aber mir fehlt, was ich damit eigentlich will. Also was ich wie rüberbringen will. Also filme ich und warte darauf, dass ich eine Eingebung bekomme. Und falls nicht: auch nicht schlimm.
Wandmalerei
Es gäbe ja auch noch weitere Formen des kreativen Ausdrucks. Ich fühle mich etwas auf der Suche. Allerdings ist eine Gruppenreise nicht der geeignete Zeitpunkt dafür 🙂
Also die Gruppenreise. Gegenüber der vorigen war diese ganz anders. Zum einen kenne ich die Gegend gut – und zum anderen hatte ich sie mir ja auch selber ausgedacht. Und somit entsprach sie auch mehr dem, wie ich gerne eine Gegend vermittel, d.h. sie war viel konzentrierter und kein schnelles Gehoppel von einem Eindruck zum nächsten. Ich hatte den Eindruck, es kam nicht so schlecht an.
Eishockey
Was mich dagegen die ganze Zeit stresste: wir konnten das Programm nicht durchführen wie angekündigt, da so einiges ausfiel, was man vorher nicht hätte ahnen können. Und das hat mir irgendwie ständig ein schlechtes Gewissen bereitet und ich war so gar nicht locker damit. Ich fühlte mich in steter Anspannung und wenn ich in den Spiegel schaute oder manche Photos gucke, sehe ich auch meine ständig hochgezogenen Schultern. Außerdem war ich mir unsicher, inwieweit ich Damir-Reiseleitungsansprüchen gerecht wurde oder nicht. Es war zwar „meine Reise“, aber ich war ja doch im Auftrag von wem anderen unterwegs und durch die Kritik der vorherigen Reise und meine Zweifel, wie eine westliche Reiseleitung aussehen „soll“, war ich ständig am Schwimmen. Wieviel Infos gebe ich, wieviel übergebe ich an die lokale Guide. Das konnte ich auf dieser Reise nicht lösen – und bin mir auch nicht sicher, was das für eine Zukunft hat. Vielleicht keine. Ich weiß, wie ich Reisen leiten möchte – aber wenn die Ansprüche an mich anders sind ist es schwierig. Schreibe ich hier in Rätseln? Ganz konkret geht es hauptsächlich darum, wie dominant ich als Reiseleitung bin, d.h. mache ich eher alles alleine (wie offensichtlich mein Vorgänger auf der Nordostindien-Reise), gebe sämtliche Infos, führe hierhin und dorthin und sehe die lokale Guide nur als Unterstützung im Hintergrund. Oder – wie ich es eher machen mag – sehe ich mich eher als Ergänzerin, Einordnerin, Zusatz-Infos-gebende und im Hintergrund Schafferin von Möglichkeiten des Erlebens. Und sehe die Gruppenreise einfach als eine Möglichkeit, gemeinsam zu reisen und gemeinsam zu erleben. In diesem Zwiespalt befand ich mich ständig und war somit nicht so locker, wie ich gerne gewesen wäre.
hoffende Hunde
Es gab aber natürlich auch viele schöne Momente, ich mochte die Gruppe prinzipiell gerne (auch wenn 2 Paare und 5 Alleinreisende keine super einfache Kombi sind) und Ladakh selber finde ich weiterhin toll.
Neu war, dass wir ein so wahnsinnig bequemes warmes Hotel hatten. Die Zentralheizung war wie daheim und mein übliches Wintererlebnis mit ständiger Mütze und langer Unterhose war nicht mehr angesagt. Aber auch tagsüber war es öfters so warm, dass ich weder Mütze noch Daunenjacke brauchte. So bequem hatte ich den Winter hier noch nie erlebt. Früher hab ich mich dann doch immer ein bisschen gefreut, wenn ich wieder im warmen Flieger war – diesmal hätte ich „ewig“ bleiben können.
Zimmerblick im Spiegel
Ladakh verliert einfach nicht seine Faszination auf mich, ich genieße und staune über die Bergwelt, mag die Gesellschaft der Leute total und möchte immer noch mehr dort erleben und da sein. In meinem Kopf hat sich schon wieder so viel aufgetan, was ich in der Zukunft dort noch machen möchte.
Bäume und Leute
Und so verließ ich Ladakh mit dem guten Gefühl, unbedingt bald wieder zurück zu kehren!