
Ich wusste wann der Bus nach Keylong in Manali losfährt – und wie lange er dann ungefähr brauchen könnte. Und bin dann rechtzeitig an die Straße. Hat zwar bisschen länger gedauert, aber egal. Leider war er voll und ich ergatterte nur einen Stehplatz und der war am Anfang voll schwierig, weil der Bus sowas von schwungvoll durch die Kurven rauschte, dass man Mühe hatte, sich und sein Gepäck festzuklammern. Sogar der Schaffner geriet ins Trudeln.
Die Fahrt dauerte nicht so lange und schwupp war ich schon in Keylong. Hier hatte ich nichts vorgebucht, sondern ging erstmal Tee trinken und ließ mein Gepäck dort und ging auf Unterkunftssuche.

Gesucht habe ich Warmherzigkeit und Schönheit. Das Lokal wies mich zu einer Unterkunft, aber die war eher furchtbar und dafür auch noch zu teuer. Ein Homestay mit netten Bewertungen lockte, aber das war auch ein Flop mit hässlichen lieblosen Gängen (und niemand zu sehen). Das Wetter war grau und ich fing schon an, unglücklich zu werden. Und dachte mir: was solls, vielleicht ist hier der Ort, wo ich mir was gönnen sollte – und steuerte eines der 2 besten Häuser am Platz an. Und das war die beste Idee! Mohan hieß mich so herzlich willkommen, ging mit dem Zimmerpreis voll runter (und war damit genau in meinem anvisierten Budget), führte mich in ein nettes Zimmer mit bestem weichem Bett, solargespeistem warmen Wasser, Blick in die Berge, Sauberkeit, Heißwasserkocher – und ging dann noch mit mir zusammen mein Gepäck holen.
Ich war total gerührt. Mohan kommt aus Manali, ist seit 6 Jahren hier Rezeptionist/Manager und die Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft in Person. Außerdem lacht er viel und singt manchmal. Die Atmosphäre unter dem Personal wirkte auf mich auch recht freundlich und positiv. Und auf einmal wurde mir wirklich warm und freudig ums Herz.

Ich habe dann noch ein bisschen nachgedacht über Luxus usw. Als ich im Jahr 2000 meine Firma gründete, war sich ein Berater sicher, dass ich auf Reisen mehr Komfort brauchen würde und ich nicht auf ewig diesen Backpackerstyle leben könnte. Ein bisschen hatte er recht, aber es dauerte doch etwas. Ich bin ja nun diesmal 5,5 Monate unterwegs und kann es mir zwar leisten, aber muss schon mit dem Geld haushalten. Und mir immer überlegen, was es mir wert ist, mehr auszugeben und wo ich sparsam mit bin. Einer der ersten Luxussachen, die ich mir nun schon länger leiste ist das Waschenlassen meiner Wäsche. Das hab ich immer gehasst, aber kam mir früher dekadent damit vor. Und auf dieser Reise ist es nun manchmal ein/e Guide, manchmal eine bessere Unterkunft und manchmal was zu essen/trinken. Also konkret: hier kostet zum Frühstück ein richtiger Americano 2 Euro – ein Nescafe/Chai im Lokal liegt bei 20 Cent. Und was hab ich den Americano zum Frühstück genossen! Mein erster seit Abreise…..

Es ging hier dann ziemlich gut weiter. Ich spazierte durch Keylong. Es gibt den Highway, der ist weiter oben und eine kleinere Hauptstraße etwas weiter unten durch den Ort. Und die ist total nett – ein bisschen wie Fußgängerzone mit kaum Verkehr und kleinen Läden, einfachen Lokalen und Manufakturen links und rechts. Hier spazieren auch indische Touris, aber man bietet ihnen nicht, wonach sie sonst so verlangen. Keine Fastfood-Fancy-Lokale, keine dollen Hotels, keine albernen Aktivitäten – es hat sich seit meinem ersten Besuch 1992 zwar voll weiter entwickelt, aber kein Vergleich mit Manali oder Leh. Das hat mich total gefreut.
Nur ein Café wirkte etwas „westlicher“ – und ich habe es angesteuert in der Hoffnung auf einen Mango-Lassi. Den gab es nicht, aber einen sehr herzlichen lustigen alten Mann und Leere. Nur ein Paar (Chennai/Delhi) waren weitere Gäste. Er kann es sich leisten, manchmal remote zu arbeiten und plant zur heißen Jahreszeit immer 1 Monat in den Bergen ein. Sie waren mit Motorrad unterwegs und wollten noch zum Shinkula-Pass hoch. Statt Mango-Lassi gab es übrigens Mango-Shake – und eines meiner Favoriten-Mittagsmahlzeiten: frische Pommes.


Ich war irgendwie ein wenig schlapp, schaffte es aber noch, in das hiesige Museum zu gehen. Sie hatten ein paar eher etwas durcheinandere Objekte und ich habe gelernt, dass Lahaul „schon immer“ weniger auf Land- und Viehwirtschaft setzte sondern sehr eifrig im Handel war. Die eine Beschriftung fand ich lustig, der linke Schuh wurde angepriesen als besonders geeignet im Schnee.


Apropos Schuhe – ich wollte mir noch Billiglatschen kaufen und wurde hier fündig. Tolle Marke – hahaha 🙂


Der nächste Morgen begrüßte mich mit Regen. Was war ich froh um mein gemütliches Zimmer! Aber nachmittags wurde es weniger und ich konnte draußen rumlaufen. Hier gibt es jetzt erst einmal ein paar viele Bilder aus Keylong – von allen 3 Tagen:












Keylong ist ein bisschen niedriger als Gondhla – ich bin hier auf 3.050 m. Der Tourismus ist ja weniger ausgeprägt und angenehmer. Dafür gibt es aber auch speziellere Sachen – und zwar habe ich einen Skilehrer kennengelernt. Bzw. wie nennt man die Leute, die mit einem auf Skitouren gehen und einem die Hänge zeigen und ggf. bisschen was beibringen und auf einen aufpassen? Skiguide? Sunil ist von hier und hat mit einem Kumpel eine Agentur gegründet und ich fand das irgendwie total nett. Sie fahren mit dem Auto wohin, wo Schnee liegt (momentan Shinkula- und Baralachala-Gegend) und ziehen dann los. Er hatte sogar einen Kunden: einen Inder, der in Kalifornien lebt und der mal in Indien skilaufen wollte. Hab mir natürlich gleich seine Kontaktdaten geben lassen – und finde das auch eine gute Sache. Ich glaube nicht, dass das überlaufen wird, aber so als spezielles Nischenerlebnis finde ich das super.
Das hier ist der Blick aus meinem Fenster am sonnigen 2. Morgen:

Ich hatte mir eine Wanderung vorgenommen, die ich auch genauso machte:

Wenn man von Keylong auf die andere Bergseite will, muss man immer erstmal ordentlich runtersteigen und dann ziemlich viel wieder hoch. Da ist dann der Ort Kardang (mit einem Kloster hoch darüber, da bin ich aber nicht hin, das kannte ich schon). Früher war Kardang ein Dörflein mit vielen alten häusern. Davon war jetzt kaum noch was zu sehen. Man war offensichtlich zu Geld gekommen und hat die alten Häuser durch große neue ersetzt. Mit einem ziemlichen Umweg kann man hier auch mit dem Auto hin.



Der weite Weg zu meinem Ziel war eine kaum befahrene Straße, die oben am Hang entlang führte. Eigentlich sind ja Straßen doof, aber diese Tour finde ich trotzdem genauso empfehlenswert, weil man ein gutes Gefühl für die Gegend bekommt. Es gibt einzelne oder bisschen zusammenstehende Gehöfte mit eher großen Häusern, sieht Menschen auf Feldern und ein paar auch nur so herumstromernd.




Am gegenüber liegenden Hang ist hoch über der Straße eine spektakulär gelegene Kloster-Einsiedelei. Da war ich vor einigen Jahren schon mal und finde es sehr lohnenswert, da mal hochzusteigen. Hab diesmal nicht gesehen, wieviele das so machen. Ich hoffe, dass das noch eher wenige tun.


Mein Ziel war auch eine Art Kloster zu dem man hoch hinaus steigen muss. Es steht bei Mapy drin als Guru Ghantal – aber wenn man danach forscht, ist damit wohl eher ein Kloster weiter unten gemeint, in dem ich nicht drin war. Das oben am Hang ist ein Klostergebäude, aber es war verschlossen und ich habe den Schlüssel nicht gefunden. Im Internet hab ich aber was gefunden, wo welche drin waren. Das war ein bisschen schade, aber der Ort war trotzdem so schön, dass ich verweilt habe und Mittag aß (diesmal hab ich meine Alu Jeera mit lecker Kartoffeln aus dem Hotelgarten fotografiert) und die Landschaft guckte. Wenn man hoch steigt, schaut es fast so aus wie eine kleine Almhütte – allerdings ohne Hollerschorle….


Von außen ist das Haus nicht so klösterlich, aber es gab genügend Gebetsfahnen und Tschörten und Tsatsas so dass man wusste, dass es hier doch besonders ist.




Die Ausblicke waren schon toll. Allerdings irritiert mich die Landschaft doch ein bisschen. Sie ist so „fleckig“. Und leider ist das Wetter meistens auch nicht so klar. Die Berge sind hoch, schneebedeckt, bombastisch, aber die Bilder davon nicht. D.h. man muss es eher selber erleben statt Staunefotos zu gucken. Eine andere Himalayabergwelt. Ich erinner mich noch als ich das erste Mal hier war, dass ich es sehr trocken fand. Nachdem ich Ladakh kennenlernte, bin ich jedesmal, wenn ich hier durchkomme, verwundert, wie grün es doch ist. Bei meinem ersten Besuch 1992 war ich total überwältigt von den hiesigen Bergen, inzwischen hat wohl doch eine Art Berggewöhnung eingesetzt. Und Buddhismus ist mir auch nicht mehr neu.




Dann riss ich mich wieder los und stieg nach unten. Der Plan: die 10 km Straße zurück per Bus oder Trampen. Es war inzwischen ungemütlich windig. Ich stellte mich vor einem Anstieg direkt hinter eine Tankstelle und konnte das Autotreiben lange beobachten – es kam nämlich kein Bus und es hielt auch niemand. Nur ca. 20% Autos mit Bundeslandkennzeichen – die anderen waren alle aus Rajasthan, Punjab, Delhi, Haryana, Uttar Pradesh, Gujarat usw. Und sie eierten total indisch bekloppt herum, dh querten die Fahrbahn zur Tankstelle, wann sie wollten und nicht, wenn die Gegenfahrbahn frei war, knäulten sich da haufenmäßig zusammen, blieben mitten auf der Straße stehen, fuhren rückwärts und machten eben was ihnen gerade in den Sinn kam. Aus schicken SUVs sprangen dicke oder schicke Leute, die nicht nach Bergwelt aussahen und kauften sich Snacks oder liefen nur so herum. Es war schon ein bisschen lustig, dem Treiben zuzuschauen. Aber auch frustrierend, weil eben niemand bei mir hielt, obwohl einige noch guten Platz hatten. Bevor ich so richtig frustriert wurde und mir Plan B überlegen wollte, hielt doch ein schickes Auto. Ein Taxi. Aber der war total nett und wollte nur 100 INR (1 Euro) und hat mich sogar bis kurz vor das Hotel gefahren. Hab ich ihm bisschen mehr gegeben.
Fazit: ich finde Keylong einen mehrtägigen Stopp wert. Es gibt noch weitere Klöster in der nahen Umgebung und man kann weiter auf die Berge hinauf und hinunter spazieren. Für eine bessere Akklimatisierung für Ladakh, Zanskar oder Spiti ist es hier wirklich gut geeignet. Und außer die Autotouristen sind die Leute schon sehr nett und grüßen einen beim herumlaufen. Interessanterweise habe ich kein einziges westliches Gesicht gesehen – bis auf eine holländische Motorradreisegruppe, die die letzte Nacht in meiner Unterkunft abstieg.
Und der nächste Blogpost kommt dann aus Zanskar!