
Um 6:30 startete der Zug und ich war sehr früh am Bahnhof. Zeit, noch einen kleinen Kaffee zu trinken und herum zu gucken. Es warteten einige auf irgendwelche Züge. Und weil es noch so kühl war und so früh, hatten sie sich unter Decken eingemümmelt.
Schlafende
Dieser Bahnhof war nicht in der Renovierung und hatte aber schon ein Wandbild.
Wandbild
Der Zug startete pünktlich und kam sogar vor der Zeit in Indore an.
vor Abfahrt
Ich hatte neben mir einen jungen Mann sitzen, mit dem ich mich unterhielt bis er 3 Std. später ausstieg. Er ist Student (IT Richtung Software Engineering) und auf dem Weg zu seiner Uni, wo er noch ein Semester vor sich hat und dann die Abschlussprüfungen. Die Uni ist ziemlich teuer, aber sein Vater zahlt das. Der muss sich dafür schon ziemlich strecken. Dafür ist er super dankbar und somit können sich seine Eltern gewiss sein, dass er später für sie sorgen wird. So funktioniert das System. Ob ihm das nicht ziemlichen Druck bereitet, die Prüfungen zu bestehen? Nein, das ist normal so. Womit er aber Stress hat ist, einen Job zu finden. Er hat schon festgestellt dass das, was er lernt, nicht unbedingt praxisbezogen ist und die Firmen etwas andere Anforderungen stellen.
Ob er auch ins Ausland gehen wollen würde? Eher nicht, er ist Jain und hält zB auch die Essensvorschriften ein und das stellt er sich woanders als zu schwierig vor. Wir haben noch ein wenig über Politik, das Zusammenleben der Religionen in Indien (er ist auch nicht wirklich moslemfreundlich, aber hetzt nicht rum) usw. geplaudert. So verging die Zeit ganz gut. Danach habe ich etwas gedöst und so und dann war ich in einem neuen Bundesstaat, nämlich in Madhya Pradesh.
Den hatte ich auch ein wenig in der Vorher-Überlegung, wo ich meine letzten 2,5 Wochen hinreisen könnte. Und mich dann ja aber dagegen entschieden. Aber der Tourplan meines Kollegen war so überzeugend, dass dann doch meine Neugier siegte und ich dem nachging. Madhya Pradesh ist ein großer Bundesstaat, der eher viel Verschiedenes zu bieten hat und nicht so „einheitlich“ ist wie zB Rajasthan oder Ladakh. Das Tourismusministerium bemüht sich sehr, Reisende hierher zu locken, das hatte ich bei der ITB mitbekommen, wo ich ziemlich hofiert wurde. Kennen tut man hauptsächlich die Khajurao-Gegend im Norden und in Kreisen auch die Tiger-Nationalparks. Aber der Süden hat auch einiges zu bieten und so hatte ich eine kleine Runde von Indore aus vor mir.
Indore selber hat mich erstmal so gar nicht begeistert. Eine Hauptsehenswürdigkeit ist der Rajwada Palast. In dem gab es allerdings nicht so viel zu sehen, dafür waren die Eintrittspreise (für Ausländer) ganz schön happig.
hohe Kosten
Ich habe für meine Kamera nix gezahlt und sie weggepackt – und innen aber auch gar kein schönes Fotomotiv gefunden. Ich habe nur ein Handybild gemacht:
Palast
Ich finde es wirklich schwierig mit diesen Eintrittskosten – jedes einzelne kann man natürlich zahlen, aber wenn man viel besichtigt, summiert sich das total auf und wird ein ganz schön großer Posten bei einer Reise. Besonders blöd sind dann die Sehenswürdigkeiten, die gar nicht so toll sind – wie dieses hier. Das weiß man ja vorher nicht unbedingt, wie es einen beeindruckt.
Was ich dagegen beeindruckend fand war die Herrschergeschichte, die auf wenigen Tafeln erläutert war. Sehr viele der Holkar-Dynastie starben verfrüht aufgrund schlechter Gesundheit. Manchmal hatten sie noch keinen Thronfolger produziert und mussten schnell noch einen Erben adoptieren. Einmal kam auch eine Mutter an die Macht nachdem ihr Herrschersohn zu früh starb. Sie hielt sich 28 Jahre und galt als sehr gute Herrscherin.
Neben diesem doofen Palast war ein Tempel, der war ganz nett.
Tempel
Und einige hundert Meter weiter wartete ein besonders toller Jain-Tempel voller Spiegel auf. Das war eine Pracht! Und auch voll viele Details. Allerdings – wie in allen Jain-Tempeln – fotografieren verboten. Socken anbehalten war auch verboten. Der Wächter hatte damit immer zu tun (wobei ich die einzige westliche Besucherin war). Auf dem Weg dahin ging es durch engere Straßen mit vielen Geschäften. Das hätte hübsch sein können, wenn es eine Fußgängerzone gewesen wäre. War es aber nicht und zig Motorräder bahnten sich laut hupend ihren Weg durch die Menschenmengen. Ich war vergrätzt.
Es gab noch eine Sache, die ich unbedingt vor Heimreise erledigen wollte: zum Friseur gehen. Und somit suchte ich einen und fand einen und das war dann aber doch der totale Glücksfall. Ich bekam einen der besten Haarschnitte in Indien und dann noch eine Massage, die es total in sich hatte. Sehr kräftig wurde auf meinen Kopf eingewirkt – und ich konnte mich dem total gut hingeben und das hat meine Laune enorm verbessert. Und billig war es auch noch.
Ich vergaß eine Sache: wenn es geht, buche ich in Städten inzwischen am liebsten ein Moped-Taxi. Die schlängeln sich am besten durch den Verkehr und sind auch noch am preisgünstigsten. Üblicherweise haben die Fahrer einen Helm dabei. Hier nicht. Auch der Fahrer hatte keinen. In Indore würde man sowieso kaum Helm tragen. Und das stimmte! Fast alle fuhren helmlos.
Weil das jetzt für einen Blogpost ein bisschen wenig wäre, die nächste Destination aber zu viel, schreibe ich nur noch meine Anreise dahin hier rein. Meine Unterkunft war nicht toll, aber OK und voll vegetarisch. Somit muss man zum Frühstück immer auf ein Ei verzichten, aber hier gab es wenigstens tolle Sprossen. Mit indischen Gerichten, die das Buffet dominieren, kann ich mich dagegen leider so gar nicht anfreunden.
Frühstücksbuffet
Indore scheint mir nicht wirklich eine gute Tourismusdestination zu sein und ich werde es eher nicht in Tourpläne einbauen. Gesehen habe ich auch kein einziges westliches Gesicht. Ich wollte mit dem Bus zum nächsten Ort fahren. Schwierigkeit: es gibt 2 Busstands und das Internet hielt sich vage damit, von welchem ich starten sollte. Also habe ich an der Rezeption gefragt, die Dame hat mir sehr überzeugend den einen genannt, ich fuhr hin – und es war der falsche. Also dann zum nächsten und dort wurde ich sogleich in einen recht bequemen nicht überfüllten Bus gesetzt und bald ging es auch schon los.
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Indien hatte vor einiger Zeit eine Verschönerungskampagne durch Wandmalereien unterstützt. So kann man an vielen Orten tolle Bilder sehen – das gefällt mir sehr gut. Auch hier war viel zu sehen.
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In Dhar musste ich den Bus wechseln. Der Schaffner hat mich total nett direkt in meinen Weiterfahrtsbus geleitet. Dieser war auch bequem, billiger und hielt andauernd.
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Und in meiner Zieldestination – Mandu – habe ich aber endlich so wirklich mein Reiseglück gefunden! Ich hatte vorher noch nie davon gehört und war sehr begeistert. Warum? Das gibt es im nächsten Blogpost!