
Tsering musste den ganzen Tag bei einem Todesereignis Tee kochen, servieren usw. – und so hat sie mich morgens noch runter zum Bus gefahren und ich bin dann mit dem nach Leh. Das war interessant, weil ich das erste Mal hier in einem E-Bus fuhr. Seit Ende 2022 sind diese im Einsatz. Sie wirkten schon ein bisschen gammeliger als erwartet, aber dieser fuhr sanft und flott nach Leh.
In Leh traf ich Eva wieder, die ein 10-Tages-Vipassana-Retreat gemacht hatte. Der konnte ich für die nächsten Tage das Ngari Institut in Saboo empfehlen – und es gefällt ihr tatsächlich!
Optimistisch wollte ich nun für den 12. einen Homestaytrek angehen. Der anvisierte Guide konnte doch nicht, da er daheim zuviel zu arbeiten hatte. Also musste ich einen neuen suchen. Es gibt eine Guide-Whatsapp-Gruppe, da meldete sich gleich einer, der mir unsympathsich war….. Es meldeten sich noch 3 andere (die wirkten netter) und mir fiel noch jemand aus Zanskar ein, dem ich schon manchmal über den Weg gelaufen war. Und ja, er hatte Zeit! Wir trafen uns im Kharlam Cafe. Während meiner Wartezeit tauchte ein anderes bekanntes Gesicht auf: Vanathi! Sie ist aus Tamil Nadu und ich habe sie 2023 bei einer Wanderung in Manali getroffen und etwas kennengelernt. Eine ganz beeindruckende Frau. Und die treffe ich jetzt hier ganz im Norden im kleinen Lokal – ist die indische Welt nicht manchmal klein?

Sie ist mit ihrem Mann und Freunden da und sie wollen tüchtig wandern und Gipfel erklimmen. Mit einem Kumpel unterhielt ich mich etwas länger. Er ist Ultra-Runner, war aber noch nie in der Höhe. Ein netter Mensch.
Hier wimmelt es ja von Leuten für die ganzen Disziplinen, die unter dem Ladakh Marathon aufgeführt werden. Der Silk Route Ultra mit 122 km und dem 5.360 m hohen Khardong la (2.530 m hoch und 2.150 m wieder runter) ist das schwierigste und es dürfen nur 100 Leute mit laufen. Dann gibt es mit 72 km den Khardong-la Challenge, wo man „nur“ 1.430 m hoch muss und 1.890 m runter. Da hört sich der Marathon mit 42 km und 400 Höhenmeter ja schon fast einfach an. Mehr auf der Seite vom Ladakh Marathon.
Silk Route Ultra startete am Abend und Khardong-la Challenge in der Nacht und beide sollten am Vormittag im Main Bazaar einlaufen. Das wollte ich doch gerne sehen – und habe glatt die ersten verpasst, die mit 12:12 und 12:37 Stunden viel schneller waren als gedacht. Ich ging etwas später hin und staunte, wie leichtfüssig weitere Menschen ins Ziel kamen. Ich sah fast nur Männer, aber es waren auch Frauen unterwegs bzw. schon angekommen. Der Gewinner ist aus Zanskar und der Zweite ein ganz beachtlicher Mann aus Jaipur, was total weit unten liegt. Üblicherweise besetzen immer Ladakhis die ersten Plätze und somit war sein Erfolg nochmal besonders beachtlich. Hier sind die beiden bei der Siegerehrung:


Dann habe ich hier die schnellste Frau der Khardong la Challenge, die strahlte, aber humpelte auch ein bisschen. Und den schnellsten Mann, der bei den Ladakhi Scouts ist.


Man konnte nur an den Nummernschildern erkennen, wo die Leute gestartet hatten. Ich hätte jedenfalls nie gedacht, dass man so leichtfüssig die letzten Meter rennt. Manche waren etwas patriotisch unterwegs.









Nach 22 Std. Silk Route Ultra und 14 Std. Khardong la Challenge kam quasi der Besenwagen. Etwas vorher bin ich wieder hin und habe die letzten LäuferInnen geguckt. Über die habe ich genauso gestaunt wie über die ersten. Manche liefen noch ganz schwungvoll, manche kamen über Gehgeschwindigkeit nicht raus, alle wurden beklatscht. Und es hat mich gerührt. Weil sie ja fast 22 bzw. 14 Stunden lang auf der Straße waren und gekämpft haben. Wenn man so lange braucht, kämpft man. Und wenn man das dann schafft, dann finde ich das so rührig und die Unterstützungsstimmung so schön, dass ich fast ein bisschen weinen muss. Besonders mochte ich die, die so gar keine Lauffigur hatten. Und sie sind trotzdem angekommen.
Insider: ich bin 2002 auch mal Marathon gelaufen und habe über 5 Std. gebraucht. Ich war nicht direkt vor dem Besenwagen, aber ich habe gekämpft. Eine Lauftrainerin meinte, sie bewundert uns Langsamen viel mehr, sie könnte keine 5 Std. auf der Straße sein. Deswegen rennt sie lieber schneller. Und jede Laufveranstaltung dieser Art erinnert mich an diesen einen Lauf von mir. Da war ich auch sehr gerührt, hauptsächlich über die unterstützenden Zuschauenden und die begeisterten Kinder. Und dass ich es tatsächlich geschafft hatte.
Die Geschichte vom Marathon ist auch interessant. 2012 fand hier der erste statt. Es wurde als Initiative zur Erholung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft ins Leben gerufen, nachdem die Region im August 2010 von verheerenden Sturzfluten Heimgesucht worden war. Das Ziel war es, der Welt zu signalisieren, dass sich Ladakh im Wiederaufbau befindet, und gleichzeitig die lokale Jugend für den Ausdauersport zu begeistern. Ich war damals auch da und habe gestaunt. Ich hätte nie gedacht, a) dass damals welche mitgemacht haben und b) dass es sich so ausweiten würde. 2012 sind 1.500 Leute gestartet, jetzt sind es mehr als 6.000.
So, jetzt aber die Bilder:







Ich vergaß: ich wurde mir dann am Vortag mit Ringchen aus Zanskar einig und morgen starten wir in die Sham-Region. Ich hoffe so so doll, dass es mit Asthmaspray und Langsamkeit klappt!