
Der Besitzer meiner Unterkunft ist schon eeeewig im Tourismus und führt einen an Orte, die man eher nicht kennt. Früher hat er es erfolgreich geschafft, sie aus Google Maps zu entfernen, heute kennen das trotzdem Leute und berichten davon in mindestens 2 Blogs, die ich gefunden habe. Aber als ich startete, wähnte ich mich noch als ober-exklusiv.
Neben mir war ein anderer Gast da, der war schon früher mal hier gewesen und als der Sohn in Österreich studierte, hat er ihn beherbergt und jetzt kam er als Freund der Familie. Er ist leidenschaftlicher Motorradfahrer und hatte sich eine Enfield Himalayan ausgeliehen. An dem Tag fuhren wir zu viert: Österreicher mit dem Sohn (der übrigens tolles deutsch mit österreichischem Akzent spricht) hinten drauf und der Vater mit einem E-Motorroller mit mir hinten drauf.
Zuerst fuhren wir zu dem Stufenbrunnen Chetan Das Ka Baori. Da hockten nur 2 ältere Damen rum. Es gab ein großes Bienennest oder so und im Wasser war eine Statue. Wenn Statuen kaputt gehen, sind sie nicht mehr wirkvoll und man kann sie fortwerfen. Diese ging ins Wasser. Das war ganz unten. Wenn der Monsun aber so richtig voll dabei ist, geht der Wasserstand bis oben. Das kann man sich kaum vorstellen. Obenrum war der Brunnen recht sauber, untenrum nicht.
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Neben dem Stufenbrunnen war eine Schule, die aber gerade Winterferien hatte. Einige Lehrkräfte waren trotzdem da und empfingen uns (siehe ganz oben). Der Guesthousebesitzer versprach ihnen, Pullover für die Kinder zu spenden. Man zeigte uns die Schößlinge im Schulgarten.
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Unweit davon befand sich der Tempel Surya Kund in Lohargal. Der ist interessant in seiner Verbindung zu Uttarakhand, wo hauptsächlich der Epos Mahabharata angesiedelt ist. Die Pandavas kämpften gegen ihre Cousins und brachten sie um und dann bereuten sie und suchten nach Shiva. Laut der Tempellegende sind sie auch heir vorbei gekommen und als sie (mit ihren Waffen) in das heilige Wasser eintauchten, verschwanden die Waffen! Schwuppdiwupp! Ein Zeichen! Sie hatten Hoffnung auf Sündenvergebung!
Zuerst ein Tee
Tempel von außen
Es gibt noch eine zweite Geschichte hierzu:
Der Fürst von Khandela, Sujansen, besuchte Lohargal und misshandelte die Yogis und Heiligen, die dort religiöse Rituale ausübten. Dadurch wurden die Heiligen zornig und verwandelten den Fürsten sowie die Soldaten seines Gefolges in steinerne Götterbilder. Macht man ja auch nicht! Erst nachdem die Ehefrauen der Soldaten inständig gebeten hatten, verwandelte Lord Maheshwar, also Shiva, sie wieder in Menschen. Er wies die Soldaten an, ein Bad im Surya Kund zu nehmen. Wie durch ein Wunder schmolzen ihre Waffen im Wasser des Beckens. Lord Maheshwar forderte sie daraufhin auf, von nun an kein Soldatenleben mehr zu führen. Diese Männer begannen, Lord Mahesh zu verehren, und wurden als die Maheshwaris bekannt.
Heute nimmt niemand mehr Waffen in den Pool. Sie könnten ja verschwinden! Bzw. ich dachte eigentlich, das macht man sowieso nicht. Es ging an Ziegen vorbei und der Guesthousemann ermahnte mich ganz doll, bloß die Kamera unten zu halten! Die Leute würden intime heilige Handlungen ausführen! Das wäre ein großes No-Go, da ein Bild zu machen.
Ziegen
Aber von wegen heilige Handlung! Im Pool wurde gejuchzt und gejohlt und man hatte einen Riesenspaß und es klang wie im Freibad! Also jedenfalls der männliche Teil. Nur mein Hausherr hatte wohl keinen Spaß. Und ich war noch ganz eingeschüchtert von seinen Ermahnungen und traute mich nicht, fröhliche Bilder zu machen. Nur ein paar Übersichtsbilder.
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Also eigentlich hat es mir da durchaus sehr gut gefallen, aber man wollte nicht so lange bleiben.
Der Ort ist schon auch noch heilig, man streut hier die Asche der Verstorbenen hinein, die man nicht bis Varanasi schafft. Irgendwo unterirdisch sollen Ganges und die Quelle hier verbunden sein, also ein sehr guter Ort für Asche.
Hier kommt die Asche hin
Baumteil
Beim Fortfahren hab ich noch ein Bild gemacht, was mir gefällt:
Stand
Pause bei einem Süßigkeitenmann:
Fertig gekocht
Es ging dann in einen kleinen Ort namens Chirana, wo es auch so einige Havelis mit Wandmalereien gibt. Leider nicht wirklich Zeit für langes Herumstrolchen, aber es sind doch ein paar Bilder entstanden:
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Und was zum albernen Kichern hab ich auch gefunden:
spezielles Pferd
Eigentlich hatte ich vorher den Wunsch geäußert, wandern zu gehen. Weil das Aravelli-Gebirge näher war als ich dachte (nur 30 km). Aber man brachte mich davon ab und versprach mir eben eine rundere Tour, wo ich auch noch viel sehen würde und zwischendrin laufen könne. Das Laufen war dann leider nicht so viel, nur diese 300 m durch das Dorf. Und ein kleiner Teaser, d.h. es ging 50 Höhenmeter hoch über einen kleinen Bergkamm und auf der anderen Seite wieder runter. Immerhin bekam ich einen Eindruck, dass wandern hier eine ziemlich schöne Option ist und man das in Tourpläne einbauen kann.
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Ziel war Kirodi, wo es auch einen besonderen Tempel gibt, nämlich einen mit 2 Wasserbecken – in einem ist kaltes, im anderen warmes Wasser. Und dann gab es noch ein drittes Wasserbecken, in dem schwamm ein Affe mit Begeisterung. Das hab ich noch nie gesehen! Und nicht nur geschwommen, sogar getaucht ist er. Davon habe ich ein Video gemacht.
2 Becken
großer Baum bei Tempel
Tempel von außen
Der E-Motorroller musste aufgeladen werden und so hockten wir ziemlich lange bei einem Paar herum, die neben dem Tempel wohnen. Die Frau kochte gerade ein spezielles Gemüse ein, das muss 24 Stunden köcheln, damit es cremig wird und schmeckt. Keine Ahnung, wie es heißt, es sah sehr spinatähnlich aus. Also im halbfertigen Zustand.
Kochfrau
Dann dämmerte es langsam und wir fuhren zurück und ich fror doch ziemlich trotz höchstens 50 km/h. Zum Glück war die Strecke nicht ewig.
Für den nächsten Tag hatte ich ein Auto erfragt und der Hausherr wollte mir in 4 Orten weitere Bauwerke zeigen, die zwar überall Erwähnung finden, wenn man über Shekawati liest, wo aber kaum jemand während einer gebuchten Reise hin fährt. Ich wollte gucken, ob es sich lohnen würde, hier mehr Zeit zu verbringen.