Ramgarh, Mahansar, Dundlodh und … – verwirrend viele bemalte alte Gemäuer

8. Januar 2025

 

 

Jetzt ist es doch passiert: ich krieg die Orte nicht mehr zusammen, wo ich was gesehen habe…. In Shekawati gibt es zwei Orte mit größerer bemalter Haveli-Dichte und Unterkünften, das sind Mandawa (wo eher schon eine Art Overtourism herrscht) und Nawalgarh. Aber dazwischen und drumherum sind noch viel mehr Orte mit kleineren und größeren Haveli(Ansammlungen) und anderen beeindruckenden alten Gemäuern. Ich habe in die Tasche gegriffen und mir ein Taxi geleistet um zu einigen dieser Orte zu fahren und meinen Hausherrn mitgenommen, der es ganz selbstverständlich fand, mich zu begleiten. Durch ihn hab ich teilweise ein bisschen was gesehen, wo ich selber nicht drauf gekommen wäre und wir sind auch Nebenstraßen gefahren, was interessanter war als die großen Straßen.

 

Da ein Auto warm ist, konnten wir auch schon früher starten, wo es noch dunstig war.

 

1

 

2

 

3

 

Auf den Feldern wuchs Senf und Weizen (hauptsächlich), es gab wenig Industrie (Zementwerke und eher Kleinindustrie), ein paar Nutztiere liefen herum – so wirklich erkennbar war nicht, womit Einkommen erzielt wird. Landwirtschaft ist viel, reicht aber eher nur zum Überleben. Viehwirtschaft ebenfalls. Tourismus spielt keine große Rolle (man bleibt auch nur kurz) und Handwerk ist auch eher nur auf lokaler Ebene. Laut Internet gibt es Handel, Militär, Verwaltung – und Geldflüsse durch Arbeitsmigration.

 

Unsere erste Station war Ramgarh, wo wir recht viel Zeit verbrachten. Hauptsehenswürdigkeit sind nicht die Havelis sondern die Chattris – Monumente für die Verstorbenen – der reichen Handelsfamilie der Poddars. Sie waren nicht nur hübsch gebaut sondern hatten auch sehr viele Wandmalereien. Hier meine Bilder davon:

 

1

 

2

 

3

 

4

 

5

 

6

 

7

 

8

 

Ein Thema, welches ich mit dem Hausherrn besprach waren die Moslems. Es gibt sichtbare Moscheen/Minarette und auch diverse vollverschleierte Damen auf der Straße. Damit ist der Hausherr ja so gar nicht glücklich und fing sogleich ein hier übliches Moslembashing an: sie würden massig Kinder kriegen um sich dadurch zu vermehren und Love Jihad (Moslems-Jungen spielen Hindu-Mädchen die große Liebe vor, sie heiraten, die Frau konvertiert) wäre voll viel. Jetzt ginge das Verhältnis noch und man würde recht friedlich zusammen leben, aber die schon nahe Zukunft – oh je oh je oh je….. Was man denn dagegen tun wurde bzw. was wären Maßnahmen, dass das Verhältnis gut bleiben würde? Da war aus ihm nichts herauszukriegen. Fakt ist: Es sind ca. 14% Moslems in der Shekawati-Region mit der Konzentration auf einige Orte (dort bis zu 40%) und kaum welchen in Dörfern. Die Geburtenrate ist ein bisschen höher als bei den Hindus, aber nicht so viel, dass es wirklich merkbar wäre. Beide Zahlen nähern sich eher an und sind um 2 Kinder pro Frau. Love Jihad gibt es in Einzelfällen, die medial aufgebauscht werden. Von einer befürchteten „Islam-Explosion“ ist man meilenweit entfernt.

 

Bild mit Minarett

 

Ramgarh hat noch viele alte tolle Gemäuer, aber die verkommen. An den Straßen werden Geschäfte davor gebaut statt nur die früheren kleinen integrierten Räume zu nutzen.

 

altes Geschäft und Vorbauten

 

größerer Vorbau

 

mit Pferdekarren

 

Es gab auch noch ein größeres Viertel mit tollen alten Häusern, wo aber kaum jemand auf den Straßen war. Viel Leerstand. Das erste Bild ist das Haveli, welches die Hotelgruppe Viviaana gekauft hat, um es als Hotel herzurichten. Noch konnte man nicht viel sehen – außer dass es ein erhaltenswertes Gebäude erschien.

 

1

 

2

 

3

 

4

 

5

 

alter Brunnen

 

Ein Juwel ist der Khemka Shani Tempel aus der Mitte des 19. Jhdt. Völlig unscheinbar von außen staunt man, wenn man durch den Eingang geht:

 

1

 

2

 

3

 

4

 

5

 

So langsam machte sich bei mir eine Müdigkeit breit, die Pracht zu fotografieren. Gestaunt habe ich zwar sehr, aber was will man mit diesen ganzen Bildern?

 

Also auf zum nächsten Ort: Mahansar. Dort gab es auch schon wieder einzigartige Pracht in einem Haus, welches „Gold Shop“ genannt wurde.

 

1

 

2

 

3

 

4

 

Verrückt, was man damals alles so hergestellt hat!

 

Und ich komme jetzt durcheinander – ich weiß nicht mehr, von wo diese nächsten Bilder stammen. Ich habe mich bemüht, ein paar andere Motive zu finden. Und dann haben wir unterwegs auch noch manchmal irgendwo gestoppt. Ich krieg es nicht mehr beisammen – mag die Bilder aber trotzdem gerne zeigen:

 

1
2

 

3

 

4

 

5

 

6

 

7

 

8

 

An manchen Zeichnungen blieb ich doch noch hängen:

 

Kind hängt an Frau

 

andere Kleidung

 

eingerahmt in Gemälde

 

Stromzähler

 

Am Ende waren wir in Dundlodh, wo ein Haveli der Goenka Familie hübsch als Museum hergerichtet war.

 

1

 

2

 

3

 

4

 

Man versuchte, mit Puppen alles etwas lebendiger zu gestalten. Im Haveli lebte ein Aufpasser-Paar, die auch Eintritt kassierten. Allerdings kümmerten sie sich sonst nicht so viel – es war doch recht staubig und man hätte es etwas mehr pflegen und herrichten können. Lustig ist, dass der Puppenherr hier recht lumpig wirkt, es aber eigentlich eher edle Kleidung darstellen soll.

 

Interessant ist, dass man bei alten Palästen und Forts oftmals Erweiterungen, Anbauten usw. von den Erben sieht, also mehrere Bauperioden in einem Gebäudekomplex. Bei den Havelis war es anders: man baute nicht an oder um sondern gleich ein ganzes neues Haus nebenan.

 

5

 

Am Ende war ich vollkommen kröpft von dieser ganzen Pracht und den Unmengen von Malereien. Aber lohnenswert ist es definitiv! Bei den Chettris am Anfang sah ich noch eine Handvoll weiterer westlicher Touris – ansonsten: nix. Es ist schon toll, welche Schätze hier überall herumstehen. Und man hätte sicherlich noch einen weiteren Tag mit weiteren Orten verbringen können. Ich würde jedenfalls empfehlen, in Shekawati ein wenig mehr Zeit zu verbringen und ein bisschen mehr zu entdecken. Auch wenn man nicht wirklich entdeckt, sondern wohin geführt wird, fühlt es sich doch noch nach entdecken an. Und wenn es „nur“ manche Details in den Zeichnungen sind.

 

Das letzte Haveli-Photo vom Tag

 

Ich hatte für den Folgetag einen Nachtbus nach Bundi gebucht, d.h. noch einen ganzen Tag zur Verfügung. Was tun, wenn man so voll ist mit der ganzen Kunst?