

Das sind die Blicke, die ich am nächsten Morgen in Saspotse hatte. In der Nacht war die Frau wieder gekommen und hatte auch noch 2 der Taxifahrersöhne dabei. Die haben aber nur freundlich gegrüßt. Da wir nun Zeit hatten, wollte ich Rinchen noch die Holzbuddhas zeigen, aber der Schlüssel war mit dem Mann fort. So hat sie uns nur das Buch gezeigt.

Dann haben wir uns verabschiedet.


Wir sind dann durch das Dorf gelaufen. Es ist ziemlich groß, aber auch leer. Wir haben niemanden gesehen, den wir jünger als 50 Jahre schätzen würden. Es gab alte Häuser, wo man nicht genau sah, ob diese noch bewohnt wurden. Es gab neue und im-Bau-befindliche Häuser.




Es gab eine Schule, die wohl Opfer der Wassermassen im Vorjahr war. Daneben gab es noch ein intaktes Gebäude, aber das war abgeschlossen. Und niemand da zum Fragen.




Die indische Landkarte ist schon ein bisschen speziell. Dann habe ich noch etwas spezielle Fotomotive gefunden, wo ich nicht widerstehen konnte. Nana-Bilder 🙂



Auch die Felder wirkten nicht so als seien viele davon bepflanzt gewesen. Noch ein letzter Blick und dann wanderten wir die Straße entlang nach Yangthang.

Die Straße war sehr wenig befahren (ca. 4 Fahrzeuge bis zum Mittag), die Ränder davon aber doch müllverziert. Rinchen entpuppte sich als ganz eifriger Müllsammler. Und ich hatte sogar noch eine deutsche Mülltüte (falls es regnet) dabei. Die wurde nun mit ca. 10 kg Müll befüllt. Ich sammel auch gerne ein – allerdings bin ich nicht ganz so tragefreudig. Aber am Ende hatte ich auch immer noch was in den Händen zum Tragen.

Dafür war die Landschaft drumherum wirklich phantastisch. Mich begeistern im Sham Valley immer wieder diese ganzen Farbtöne des trockenen Gesteins.



Auch Tiere gab es nicht viele. Diese Eidechse versuchte die Felswand zu erklimmen, fiel andauernd wieder runter und ruhte sich hier nun aus. Dann kam Yangthang in Sicht.


Und dann haben wir gestaunt. Überall scheint es Dorfflucht in Ladakh zu geben – außer in Yangthang. Der Feldbesitz ist nicht so riesig und beim Erbe geht das üblicherweise an den ältesten Sohn. Die anderen müssen zusehen wo sie bleiben und ziehen prinzipiell nach Leh und Umgebung. Da es dort aber auch aus allen Nähten platzt und die „Kinder“ eigentlich schon lieber in Yangthang wohnen wollen würden, werden sie hier unterstützt und es gibt eine Planung von 32 Wohneinheiten mit Feldern. Dazu braucht man Wasser, was dann weit durch Kanäle geleitet wird. Es wurde tüchtig gebaut.

Hier sollen die Familien wohl wohnen. Oder die neuen Felder sein. Kurz vor dem Dorf kam ein Auto von hinten, hielt an und fragte uns, wohin wir wollten und was wir da rumschleppten. Es war Angchuk, der ein Homestay hat, die Müllsammelei prima fand und uns zu sich einlud. Er schien uns nett und wir nahmen an. Angchuk war ein absoluter Glücksgriff! Er war der zweite (oder dritte oder so) Sohn und hatte noch Platz auf einem Teil gefunden, wo er und 3 oder 4 andere ihre Häuser gebaut haben. Er ist bei der Armee und hat sich dort als musikalisch erwiesen und Dudelsack gelernt und das so prima gemacht, dass er Auszeichnungen hat und mit dem Orchester sogar nach Paris hat reisen dürfen. Er ist 41 und ein ganz Lieber. Seine Frau ist mit den Kindern nach Leh zum Schulbeginn gefahren. In Yangthang gibt es keine Schule mehr. Sie haben sich den Homestay mit einigen Zimmern gebaut und es sehr hübsch gemacht. Viel besser als ein üblicher Homestay, aber mit dem großen WohncumKüchenzimmer hat es trotzdem eine familiäre Atmosphäre. Und zwar eine total schöne.


Angchuk gibt es weiter unten auf Bildern zu sehen. Wir sind erstmal los zur Dorferkundung. Es gibt ja diese Dörfer, wo die Leute verstreut bei ihren Feldern wohnen – hier wohnen alle dicht beisammen und die Felder sind drumherum. Das hier ist die Gasse der neuen Häuser:

Im alten Dorfkern gruppieren sich Häuser um einen Platz mit einem Klosterraum. Das Licht war sehr hübsch und so habe ich einige Bilder gemacht.




Es gibt hier auch noch viele Malereien an den Häusern und Fallen an der Wand gegen Geister. Diese Geisterfallen haben alle so „Stäbe“ mit Männlichkeit und Weiblichkeit dran. Als ich die eine knipste, kam die Hausfrau und bat, dass ich kein 2. Bild machen solle, weil das sonst schlechten Einfluss auf sie reflektieren würde.




Man glaubt hier, dass (böse) Geister nicht geradeaus gehen können und so sind die Häuser alle so gebaut, dass wenn man eintritt, die Treppe nach oben versetzt ist, alle Zimmer nach links oder rechts gehen und der Geist quasi geradeaus wieder rausmarschiert. Hinter den Häusern gab es viel Landschaft im schönen Licht und einen starken Wind, weswegen ich den Buff überzog und diverse Bilder gemacht habe.






Wir dachten, es wäre schön, mal in den alten Gomparaum zu gehen und suchten den Menschen mit dem Schlüssel. Der war gerade mit einigen Leuten beim Gerstewaschen und trocknen beschäftigt und bat uns, zu warten bis sie fertig seien. Rinchen bekam mehrere Säcke auf die Schulter um sie in das Haus zu tragen und ich hockte mich dazu um mir das alles genauer anzusehen. Zusammen mit Schotter befindet sich die Gerste auf einem großen Tuch im Fluss und wird gewaschen. Dann muss man mit einem Teller so hantieren, dass die Gerstenkörner rausfallen und man den übrigen Schotter rauswerfen kann. Ich habe es auch einmal probieren sollen – ganz schön schwierig. Ich habe mehr gefilmt als geknipst.



Es war total nett bei diesen Leuten, so eine heitere Arbeitsatmosphäre. Wir blieben recht lange, bis alles fertig waren und bekamen noch einen Tee. Ich hatte mich gewundert, dass alle Felder schon abgeerntet waren. Das ist, weil man jetzt so viele Maschinen hat. Da ist die Arbeit, für die man früher einen Monat brauchte, in wenigen Tagen erledigt.
Der alte Mann, der auch der Ortsamchi ist, zeigte uns den Klosterraum, wo fotografieren verboten war. Rinchen ist in Shimla auf eine Internatsschule gegangen und erst nach 22 Jahren wieder heimgekommen. Er war viel mehr von Christentum und Hinduismus umgeben als von Buddhismus und weiß nicht sooo viel darüber. Außerdem spricht er kein sehr gutes Ladakhi/Zanskari, kann sich aber prima mit Leuten verständigen. Außer mit diesem alten Mann, der ihm ganz viel beibringen wollte über Buddhismus. Er hat ihn einfach sprachlich nicht gut verstanden. Da ich die Namen der meisten Buddhastatuen kannte, schien ihn mein Wissensstand ausreichend zu sein.
Uns hat es beiden in Yangthang sehr gut gefallen. Es ist ein lebendigeres Dorf, wo wir auch junge Leute und Kleinkinder sahen. Die Alten hockten gerne bei der Gebetsmühle zusammen.

Zum Abendessen habe ich mir Momos gewünscht und die haben wir zusammen hergestellt. Bzw. ich habe nicht viel mit gemacht, da ich die Formen einfach nicht hinbekomme und allen Ehrgeiz verloren habe. Ich durfte nur den Paneer schneiden. Aber ich habe gerne dabei gesessen, zugeguckt und wir haben miteinander geschwätzt. Ebenfalls Wohlfühlatmosphäre.




Schon direkt nach Ankunft gefiel es mir so gut, dass ich mir wünschte, 2 Nächte zu bleiben. Rinchen hatte so gar nichts dagegen. Man kann von hier über die Straße nach Ulley hochgehen – oder nach unten nach Rizong und Chulichan gelangen. Früher bin ich hier ganz oft mit Reisegruppen mit Menschen über 50 gewesen – wir sind schon in Phiyang gestartet und haben einen 8-tägigen Trek mit Pferden und Zelten gemacht. Dabei haben wir auch zwei Nächte in Yangthang mit dem Abstecher nach unten gemacht. Heute sind die Campingplätze ziemlich verwaist und Pferde gibt es auch eher nicht mehr – das Homestayangebot ist absolut ausreichend. Angchuk bemüht sich redlich, seine ganzen Ausgaben für das schöne Haus wieder reinzubekommen und hat den Sommer über ca. 200 Gäste gehabt. Auch der Pfauenhosenmann war hier gewesen und er hat ihn ebenfalls etwas speziell gefunden. Juli/August ist es tatsächlich recht belebt auf der Strecke – im September ist ziemlich wenig los. Dabei scheint es mir der beste Monat zu sein – vorher ist es zu heiß.
Trockentoiletten gibt es eher nur noch abseits beim Haus und auch hier hatte es ein Badezimmer mit Wasserklo und heißer Dusche. Die Homestays haben sich wirklich gewandelt!
So hat sich der Tag viel interessanter und schöner entpuppt als Morgens gedacht, wo ich nur die langweilige kurze Strecke über die Straße vor Augen hatte. So gefällt mir das Unterwegs-Sein. Ob der nächste Tag wohl auch Überraschungen bergen würde?