
Es gibt Tage, da gibt es viel zu erleben. Und davon gibt es dann ziemlich lange Blogeinträge…. Los geht’s! Auf der tollen Straße nach Stongde. Da war ich zwar schon mal, aber nochmal gucken ist ja nie verkehrt. Neben Kloster Karsha ist dies das nächste fotogenste Kloster – das gab es schon im ersten Zanskar-Eintrag zu sehen. Hoch oben auf Felsen thront es und schaut hinab auf das Dorf, was sich wie ein Fladen drum herum ausbreitet. Schwer zu sagen, welcher Ausschnitt am Schönsten ist – also gibt es hier alle:




Das Kloster selber hat angebaut. Ein größeres Gebäude sorgt für mehr Bequemlichkeit innen und man hofft u.a. dass dieses mehr junge Mönche anzieht. Der Klosterhof ist aber noch alt.



Drinnen darf man nicht fotografieren. Ich vermute gerade, dass das inzwischen in so gut wie jedem Kloster in Ladakh + Zanskar ist – ich werde das checken. Im Juli ist hier Klosterfestival und ich überlege, mir das anzuschauen. Mal schauen…. Ich hatte mein Geld im Auto vergessen und Lameth hat es ausgelegt bzw. versucht per Handy zu zahlen. Das war irgendwie ein etwas längeres Prozedere, aber erfolgreich. Dann bekamen wir noch einen Tee.

Ich staune über die vielen neuen Unterkünfte und besichtigte natürlich einige. Auch das Stongde-Kloster war mit dabei und hatte ein riesiges Gebäude als Gästehaus errichtet. Allerdings war der Mönch mit dem Schlüssel unten im Dorf und so konnte ich kein Zimmer sehen. Sollen aber sehr bequem sein.

Die Dörfer Zanskars werden vom Schnee und Gletschern aus den Bergen mit Wasser versorgt. Allerdings wird das langsam u.a. durch Klimaveränderungen weniger. Stongde hat da schon einige Schwierigkeiten. Ganz große Schwierigkeiten hat im Nebental das Dorf Kumik. Es liegt auch höher oben am Berg bzw. lag. Das Wasser versiegte und das ganze Dorf musste umziehen. Jetzt sind oben nur noch 3 Häuser bewohnt, die anderen haben sich alle in der Ebene angesiedelt. Bisher kannte ich nur den Umzug eines ganzen Dorfes aus Mustang/Nepal (wo ich noch hinreisen werde) – nun also auch hier. Zuerst fuhren wir nach oben und schauten die verlassenen Häuser an. Da will man wohl so eine Art Heritage Village draus gestalten.




Es gibt noch das alte Klostergebäude und die Räume werden weiterhin für die religiösen Zeremonien genutzt.


Kein Wasser in den Kanälen:

Lameths Mutter ist aus Kumik und so gibt es hier einiges an Verwandtschaft. Wir haben eine Familie besucht, wobei die Eltern allerdings beide aushäusig waren. Daheim war nur der Sohn, der beim Militär ist und gerade Ferien hatte. Wir bekamen ein Mittagessen.

Und es gab noch einen Rundgang über das Grundstück mit Wasserreservoir (leer), natürlichem Dünger, Feldern und Gewächshaus (incl. „Bad“). Dabei und auch später noch habe ich viel nachgedacht und gefragt. Was bedeutet das für eine Dorfgemeinschaft? Wer bekommt am neuen Ort wieviel und wo? Bleiben die Verhältnisse gewahrt oder verstärkt es Ungleichheiten – oder ist es sogar die Chance für mehr Gerechtigkeit? Entstand die Neuverteilung am Reißbrett oder wieviel Mitspracherecht hatten alle? Wurde viel diskutiert und verhandelt? Einige Bauten sahen etwas prachtvoller aus als andere. Was macht/gestaltet man anders, wenn man quasi nochmal ganz von vorne anfängt? Und was für eine Arbeit das war, die ganzen Steine von den neuen Feldern zu schleppen! Oder verstärken sich Ungleichheiten eher über andere Kanäle wie Jobs bei Armee, Gouvernment oder im Tourismus?



Leider habe ich kein Übersichtsphoto gemacht. Danach fuhren wir eine holperige Piste hoch hinauf und kamen in Shila Phu auf 4.150 m an. Puh, das war doch ganz schön hoch und dünne Luft. Hier konnte ich über einen anderen Dorflebenaspekt sinnieren. Ca. 7 Häuser standen hier nah beieinander, die Felder zogen sich am Tal entlang und jede Familie hatte etwas Vieh. Zwar gab es diese Straßenzufahrt, aber die nahm man nicht so oft auf sich und so war das Dorf ganz schön isoliert. So eine kleine Gemeinschaft! Wie lebt man so miteinander? Ich sitze selber da und gucke mir das staunend an. Es ist so weit entfernt von meiner eigenen unruhigen Lebenswelt. Und doch wirken die Leute so heiter, dass es mich etwas neidisch macht.



Außer den DorfbewohnerInnen gab es auch noch FremdarbeiterInnen. Einer war Nepali und Hirte und zog täglich mit den Tieren umher (er war zum Abendessen in meiner Unterkunft), andere waren dabei, den obersten Teil der Straße besser zu bauen und hausten in Zelten.


Zur besseren Höhenanpassung und überhaupt, spazierten wir das eine Tal hinauf. Sowas von schön! Zuerst kamen Felder, die schon viel grüner waren als in Tsazar. Dafür würden die Pflanzen viel langsamer wachsen und am Ende wäre es quasi gleich. Danach war eine Strecke lang „nichts“ und wo sich das Tal gabelte, war eine große noch unbewohnte Sommeralm und eine verlassene Einsiedelei. Ich lieb diese Landschaft! Was für ein Glück, hergekommen zu sein!








Das waren nur 150 Höhenmeter mehr, aber besser als nichts. Devise: höher gehen und niedriger schlafen. Es schien übrigens gewirkt zu haben: ich schlief normal wie weiter unten auch. Nur etwas Kopfweh hatte ich.
Zurück in der Unterkunft hatte ich ein spezielles Erlebnis. Sie hatten ein 1 Monat altes Baby-Yak – und ich durfte es streicheln! Es hatte ganz wolliges weiches Fell, aber darunter fühlten sich die Knochen fast härter an als andere Knochen und auch der Rest verhieß viel Masse und Stärke. Ein anderes Yak hatte geschwächelt und sich am Bein verletzt. Die ärztliche Versorgung muss man selber hinkriegen, Spezialisten sind zu weit fort.


Wir wohnten bei Zangmo und ihrem Mann. Das eigene Kind war groß und woanders zur Ausbildung. Dafür hatten sie den kleinen Jigmeth bei sich, der gehörte zu Verwandten in einem anderen Dorf und man konnte sich gerade nicht so gut um ihn kümmern. Da schien es eine gute Idee, dem Paar ein bisschen Lebendigkeit zu bringen. Jigmeth war voll der Aktive und turnte hier und dort herum. Er war erst die dritte Nacht hier. In der ersten hätte er ein bisschen geweint, aber das sei schnell vorbei gegangen. Im Dorf hatte er auch ein paar Spielkameraden.
Und das ist das nächste, worüber ich mich hier immer wieder wundere – wie schnell kleine Kinder quasi Fremden vertrauen. Bei Lameth hing er schnell auf dem Schoß, bei mir musste er ein bisschen länger gucken, aber schon am nächsten Morgen sprang er auch vertrauensvoll in meinen Arm. Ich hatte auch schon in vollen Bussen fremde Kleinkinder auf den Schoß bekommen – die guckten mich einmal kurz an und schaukelten dann zufrieden auf meinen Knien. Das hätte man mit mir als Kleinkind nie machen können! Ich hätte gebrüllt.

Ich war in einem riesigen Zimmer untergekommen. Das Haus war recht verwinkelt und zum Klo musste ich einen spezielle Treppe runtersteigen. Auf dem Klo war auch eine Waschmaschine. Wie haben sie die wohl hochgetragen? Die Straße endete nämlich ein ganzes Stück unter den Häusern.



Morgens wurde das Chapati auf einer kleinen Induktionsherdplatte gebacken, die an einem Solarpanel hing. Das dauerte ein bisschen länger als mit anderen Hitzequellen, aber war eine prima Gelegenheit, Gas und Brennholz zu sparen.


Am Abend wurde mir noch eine kleine Wassermelone (vom Markt) und Erdbeeren (aus dem Gewächshaus) gereicht. Auch hier hatten sie diese prima neuen Gewächshäuser. Das ist ist der Versuch des Vormodels:

Und so gingen wir noch los und besichtigten das tolle Gewächshaus – neben Erdbeeren hatte es u.a. auch Rote Beete und Brokkoli.




Fotografisch hatte es mir ein Tschörten angetan und hier sind die Ergebnisse meiner vielen Varianten. Hier merkte ich das erste Mal, wie sehr er zu den weißen Berggipfeln passte.





Sorry, ich konnte mich nicht entscheiden…..
Was waren das für viele Erlebnisse! Der Tag hatte mir gutes Denkfutter gegeben und ich war ganz erfüllt. Wir hatten dann aber noch einen Tag vor uns, wo ich wieder andere Aspekte erleben konnte.