
Das ist der Blick aus meinem Fenster – wenn es abends stürmt und wild ist. Und das ist das Zimmer. Es ist der sauberste Homestay in dem ich je gewesen bin.

Das Haus ist auf einem Grundstück zusammen mit 2 weiteren Häusern. In einem lebt die Großfamilie von Lameth, das andere ist ein Neubau, in welches bald ein Bruder mit Familie einzieht. In diesem Haus wohnt Dawa mit ihrem Mann Norbu – das Kind ist zum Studium woanders. Norbu ist Fahrer und somit oft nicht daheim. Die ganze Familie ist sehr hundefreundlich – bei Dawa leben gleich 3, die extrem aktiv sind und ständig hin und herspringen.







Dawa ist eine phantastische Köchin, aber ich habe das Essen nie fotografiert. Leider spricht sie kein englisch, aber sie lacht einen gerne an und sorgt und kümmert sich. Und entweder ist Norbu da zum übersetzen oder Lameth kommt rüber. Ein absolutes Wohlfühlhaus!
Es war gerade die Zeit, wo die Felder für die Saat zurecht gemacht werden. Man zieht kleine Gräben und Wälle, damit das Wasser gut überall hinkommen kann. In diesem gesamten Gebiet erfolgt die Feldbewässerung fast ausschließlich über von den Bergen kommendem Wasser, welches in Kanälchen über das Dorf verteilt wird. Je schneereicher der Winter war, desto besser für die Bewässerung. Dieser Winter war nicht so ertragreich und man hofft, dass es alles trotzdem gut ausreicht. Wir waren in mehreren Dörfern und da habe ich gelernt, dass die Aussaat zu leicht unterschiedlichen Zeiten statt findet (woanders war man eher schon weiter und viele Felder zeigten ein zartes grün), das Wachstum aber auch unterschiedlich ist. Tsazar ist eher später dran, dafür reifen die Pflänzchen schneller. Angebaut wird hauptsächlich Gerste, Erbsen und etwas Kartoffeln. Es wird sehr viel per Hand gemacht, aber es für einige Arbeiten kann man auch Maschinen einsetzen wie ein Nachbar, der hier mit dem Traktor pflügt.



Das Wetter war bedeckt (und später kam die Sonne durch) und ich startete zu einem Dorfrundgang. Zuerst bestaunte ich aber noch das Gewächshaus. In Keylong traf ich einen Ladakhi mit dem ich etwas über Politik sprach. Ich bin keine Freundin der Regierung, der Ladakhi auch nicht. Aber er meinte, dass die Zanskaris sich von der Regierungspartei BJP quasi kaufen lassen. Weil, gerade in Zanskar wird sehr viel gefördert und gesponsort. Und das sind auch alles wirklich positive Sachen, die das Leben erleichtern. Die Homestays erwähnte ich schon ebenso wie der Grundwasserzugang am Haus. Weiter zu nennen sind die Solarheißwasserbereiter, die auch bei jedem Haus stehen. Damit kann man auch im Winter prima richtig heißes Wasser erhalten, was super ist zum Wäsche- und Haare- und sonstiges -waschen dient. Und vor ca. 2 Jahren sind die Gewächshäuser aus Polycarbonat, die ich auch schon in den höheren Lagen von Himachal Pradesh sah, eingeführt worden. Alle diese tollen Sachen erhalten die Zanskaris zu einem sehr günstigen Preis.
Mit Gewächshäusern hatte man schon früher experimentiert, aber noch nichts gefunden, was diesem ständigem starken Wind auf Dauer stand hält. Und wo ich jetzt diese Gewächshäuser sah dachte ich: ja genau so müssen sie sein – warum ist man da eigentlich nicht schon früher drauf gekommen? Und die verändern enorm. Man kann neue Gemüsesorten wie Tomaten, Gurken, Rote Beete und sogar Erdbeeren und Wassermelonen großziehen und hat fast ganzjährig frische Vitamine! Ein Luxus, den es vorher nicht gab. Außerdem wachsen hier die Pflanzen so gut, dass man etwas Überschuss hat, den man verkaufen kann. Eine Veränderung in Zanskar, die alle mächtig freut.


Ich konnte später noch weitere Gewächshäuser besichtigen und fand es hoch interessant, wie unterschiedlich diese drinnen gestaltet sind, also wer was wie anbaut. Gelagert wird im Winter aber auch immer noch unter der Erde – hier ist ein Eingang zu so einem Lagerraum:

In Tsazar gibt es 3-4 Homestays (die alle interessanterweise keine Hinweisschilder haben) und auch ein Edelresort. Ein Ladakhi hat in eine ganze Kette Edelresorts investiert, die heißen alle was mit „Sarai“. Dieses hier ist das Zangser Sarai und ich habe es besichtigt. 7 wirklich schon gestaltete Hütten mit tollem Ausblick zum Fluss. Eine Nacht kostet hier 25.000 INR, also ca. 250 Euro alle Mahlzeiten inkl. Ein stolzer Preis, den nicht viele zahlen wollen. Es war gerade kein Gast da und das Personal aus Himachal Pradesh (plus 1 Zanskari) hatte Zeit und Mußé und freute sich, mir alles zu zeigen. Und ich bekam einen tollen Kaffee aus der Maschine serviert in einer geschmackvollen Thermosflasche.





Die schlichte traditionelle Einrichtung hat mich wirklich begeistert, der Preis nicht so. Es gibt ein weiteres Sarai in Zanskar und zwar in Purne beim Kloster Phuktal. Dort – heißt es – sind sie schon mit dem Preis auf 18.000 INR runtergegangen.
Weiter mit dem Dorfrundgang. Tsazar hat viele überwiegend weit verteilte Häuser mit Feldern dazwischen (in manchen anderen Dörfern stehen die Häuser dichter beisammen und die Felder sind drum herum). Unten ist der große Fluss, der hier eine malerische Schleife zieht. Es gibt ein Klostergebäude, aber ohne Mönche und eine neue große Versammlungshalle. Jedes Jahr muss sich jemand anders um die landwirtschaftliche Dorforganisation kümmern und dieses Jahr war tatsächlich Lameth an der Reihe bzw. sein ältester Bruder, der ebenfalls Guide ist, aber mit mehr Kundschaft. Der zweite Bruder ist bei der Armee. Und so hat man es Lameth übertragen, der es am ehesten einrichten kann, verfügbar zu sein.







Es gibt einen kleinen Art Dorfkern, wo noch sehr alte Häuser beisammen stehen.



Außerdem sind überall Tschörten zu sehen, einer sogar mit Durchgang. Und eine große Gebetsmühle.







Eine „Spezialität“ von Tsazar: es hat keinen eigenen Mobilfunkturm und der Empfang ist sehr schlecht. Das soll sein, weil bei den Wahlen nicht so eindeutig für die BJP gestimmt wird. Oder ist es doch anders? Jedenfalls gab es damit immer ein Hin und Her mit dem Resultat, dass hier weiterhin kein Turm steht.
Irgendwann kommt ja fast täglich ein großer Wind auf und dann ist es gut, wenn man sich tüchtig einpackt.

Ich hatte Lameth als Guide angefragt, da er offensichtlich einige interessante Wandertouren wusste, die man sonst nicht kennt. Eine war hier direkt in den Bergen und die wollten wir am nächsten Tag gehen. Darauf freute ich mich und guckte jetzt schon begeistert die Bergweltdetails an.




Ich mag zu gerne Bergbilder ohne Himmel knipsen.
Wer sich übrigens wundert, dass so wenige Menschen auf den Bildern sind: ich bin tatsächlich wenigen begegnet. Eher von weitem welchen, die auf den Feldern beschäftigt waren. Aber insgesamt waren tatsächlich auch eher weniger unterwegs.

Am Abend hatte es sich nochmal etwas eingetrübt, aber nächste Tag sollte eher sonnig werden. Ich war gespannt.