Yerevan – Ein bisschen Geschichte

 

15.09.2021 – No. 2

 

Meinen ersten Tag in Yerevan nutzte ich für Infos und Reiseorga und erste Eindrücke, den zweiten zur Bildung. Allerdings habe ich mich ein bisschen zu vollgestopft damit und krieg das auch nicht mehr so ganz sortiert, das muss ich daheim nachholen.

 

Armenien ist momentan ein viel zu kleines Land an einer viel zu interessanten Lage mit einer viel zu heftigen Geschichte.

 

Wieviel wusstet ihr vom Genozid? Ich nur, dass einer statt fand und von der Türkei anders interpretiert wird, aber mehr auch nicht. Es gibt hier ein Denkmal und ein Museum dazu, da bin ich hin. Als ich wieder raus bin, war ich ziemlich emotional durchgenudelt. Wieso ist „der Mensch“ nur so bösartig mit seinen Artgenossen????

 

Hier erstmal en Bild von dem Denkmal, das Museum ist unterirdisch in dem Komplex und umsonst.

 

Was ich u.a. lernte:

  • In einem sehr großen Teil der heutigen Osttürkei lebten viele ArmenierInnen. Die waren christlich, die Osmanen nicht. Man lebte mit- oder nebeneinander, ging seinen Geschäften nach (die ArmenierInnen waren dabei etwas erfolgreicher) und legte der armenischen Minderheit (sie hatten in keinem Bezirk die Mehrheit) einige Steine in den Weg wie höhere Steuern.
  • Im 19. Jhdt. wollte sich das osmanische Reich weiter und weiter ausdehnen und hatte die Idee, dass die Minderheiten dabei hinderlich waren
  • so wurden immer mal wieder welche umgebracht. Dabei gefiel man sich, mit den abgehackten Köpfen in der Hand zu posieren.
  • es gab einen armenischen Widerstand, der mit so einer Art Terrorakten reagierte. Das interpretiert die Türkei genau anders herum.
  • Es gab damals eine Bewegung der Jungtürken gegen den alten Herrscher. Die wurden damals von den ArmenierInnen unterstützt – nur dass diese kurz danach bemerkten, dass sie vom Regen in dei Traufe waren. Die Jungtürken waren noch viel mehr hinter Tötungen her.
  • 1915 wurden die führenden Köpfe (Denker, Kirchenoberhäupter, Politiker – fast ausschließlich männlich) umgebracht, was die innere Organisation der armenischen Bevölkerung enorm erschwerte. Eigentlich könnten sie nun mit denen machen, was sie wollten, nämlich direkt umbringen (auch normale Bürger wurden darin eher unterstützt mitzutun) oder durch die Wüste zu deportieren in der Annahme, dass massig dabei sterben würden. Taten sie auch. Ziel war die Ausrottung.
  • Türkei sagt: das stimmt nicht, es waren Kriegsmaßnahmen (der 1. Weltkrieg fand gerade statt)
  • Viele Kinder wurden zwangsislamisiert. Viele wurden als Waisen von barmherzigen anderen Menschen aufgegabelt und gerettet.
  • Die Zahlen schwanken zwischen 300.000 und 1,5 Mio Umgekommenen.

Also das ist jetzt so eine ganz grobe Zusammenfassung, in der evtl. auch noch Fehler sind. Es gab einiges an Bildmaterial und eigentlich gute Erläuterungen. Nur meine Beine hatten Mühe mit dem ganzen Stehen und mein Kopf mit der Aufnahme der ganzen Infos. Aber ich werde mich sicherlich noch weiter damit beschäftigen, damit ich es dann besser wiedergeben kann.

Nochmal das Denkmal

Blöderweise musste ich dann eilen, weil ich mich für eine Fußbesichtigungstour angemeldet hatte. Die war „frei“, d.h. man zahlte soviel Trinkgeld, wie es einem Wert war.

 

Wir waren 2 deutsche „Jungs“, eine Griechin und ich – sowie unser Guide Tigran. Der erzählte noch viel mehr von der Geschichte Armeniens vor dem Genozid bis zur heutigen Situation. Das ist jetzt aber viel zu viel zum wiederholen. Außerdem zeigte er uns einige Überbleibsel der Altstadt. Die hätte ich allein nie gefunden. Es scheint mal superschnöne Gebäude gegeben zu haben, überwiegend aus Holz. Was besser für das Klima angesehen wurde und nicht – wie ich vermutete – wegen der Erdbeben. Daran leidet Armenien auch noch manchmal.

Altstadtüberbleibsel

Ich denke, ich werde darüber nochmal ausführlicher Schreiben. Heute habe ich meinen Kopf noch mehr gefüllt mit der jetzigen Situation. Hier nur mal ganz ganz kurz: Armenien ist ein sehr kleines Land mit links und rechts Feinden (Türkei und Aserbeidschan) und oben und unten neutraleren Staaten (Georgien und Iran). Berg Karabachhat eine mind. 90%ige armenischen Bevölkerung, was Aserbaidschan mal irgendwann erobert hatte. Jetzt wollen es beide – auch um ihre Position mehr zu festigen. Aserbaidschan und Türkei hätten auch gerne einen direkten Durchgang zum Handeln. Da sitzt nun das wirklich kleine Armenien dazwischen, wird von der Restwelt nicht so ganz wahrgenommen und unterstützt, wie sie es gerne hätten und versuchen, einfach dazubleiben und ein etwas besseres Leben zu führen.

 

Es gehörte mal den Sowjets, die sehr viel aufbauten, aber ja wieder verschwanden. Damit verschwand auch viel Ökonomie – es ist faszinierend, wieviele leerstehende Fabriken es hier gibt.


Ich denke, ich lasse es erst einmal hierbei – mehr kommt dann bei meinen Yerevan-Posts vom 2. Besuch. Ab dem nächsten Post geht zum Trekking in die Provinz Vajots Dzor!