Yerevan – Gespräche, Architektur und deutsch

22.09.2021

 

Der Minibus, mit dem ich zurück nach Yerevan fuhr, hatte eine deutsche Aufschrift

 

Minibus nach Yerevan

 

Es gibt hier so einige Autos mit deutscher Aufschrift, mehr als mit anderen europäischen Sprachen. Sehr schön fiinde ich auch diesen:

 

Großes Auto mit viel deutscher Schrift

 

Deutsche Firmen sah ich nicht ganz so viel. Meine Yerevan-Gastgeberin hat eine tolle Waschmaschine aus China. Was so Gerätschaften angeht scheinen chinesische Produkte sehr beliebt zu sein. Hier immerhin noch ein Bosch

 

Bosch Fahne

 

Das Kundtun meines Landes hat meistens einen Daumen hoch zur Folge. Die genauere Bezeichnung „ein Dorf in Bayern“ zieht üblicherweise ein Grinsen bis breites Lachen nach sich mit einer Trinkgeste und einem „Bier“ (oder „Beer“).

 

Ich verbrachte also wieder einen Tag in Yerevan. Der war gefüllt mit Gesprächen. Zuerst war ich bei Tamara von HikeArmenia um zu berichten und den nächsten Trek zu planen. Tamara wurde in Armenien geboren, ihre Familie ging nach Belgien als sie Teenager war und sie lebte lange da. 2016 ging sie nach Armenien zurück und bereut es kein Stück. Ihr Kollege, der gerade nicht da war, lebte lange in den USA, will aber auch nicht mehr zurück.

 

Danach traf ich Liana, die Tochter meiner Gastgeber in Martiros, mit der ich damals auf deutsch telefonierte. Sie hat in Deutschland studiert, sich danach aber voll und ganz für Armenien entschieden. Inzwischen ist sie Chefin der Nachrichtenabteilung von Radio Yerevan.

 

Wand vor dem Eingang von Radio Yerevan

 

Es scheint so dass mehr und mehr jüngere Leute sich sehr dafür einsetzen, Armenien voranzubringen. Wirtschaftlich schaut es nicht ganz so super aus, es gab viel Stress mit der vorherigen sehr korrupten Regierung und dann die Probleme mit den Nachbarn Türkei und Aserbeidschan. Nicht so das, was sich mancher Mensch als Heimat wünscht. Aber wenn von 10 Mio ArmenierInnen nur 3 Mio innerhalb leben, kann sich diese Zahl gerne vergrößern, Platz genug ist da. Und es klingt, als seien sich ArmenierInnen sehr ihrer Wurzeln bewusst. Aber oftmals genießt man einfach die besseren wirtschaftlichen Verhältnisse woanders.

 

Abends war ich wieder bei meiner Gastgeberin Armine. Dort gab es auch seit einigen Tagen eine junge Amerikanerin, die sich etwas seltsam benahm. An dem Abend eskalierte es und nach diversen lautstarken Auseinandersetzungen (so ganz habe ich nicht verstanden, worum es eigentlich ging. Sie beklagte sich, dass sie sich nicht willkommen fühle – ihrem fordernden und streitbaren Benehmen nach war sie es inzwischen auch nicht mehr). Ich wusste die ganze Zeit so gar nicht, ob ich mich einmischen soll (weiß es auch heute nicht) und ließ es aber sein. Irgendwann war sie weg und Armine und ihre Mutter fix und fertig. Das hatten sie noch nicht erlebt. Sie machen das ja erst 2,5 Jahre mit langer Coronapause und es ist so richtig in ihrer Wohnung, man teilt sich Bad und Klo und bekommt einfach voneinander viel mit. Und wenn man da als Gast eher fordernd als dankbar ist, dass jemand einen so weit in das eigene Leben hineinlässt, dann crasht es. Auch spannend zu sehen, wie die Amerikanerin nicht nur mit schlechtem Review drohte, sondern es auch gleich platzierte und wie sehr das die Gastgeberin grämte, weil sie so angewiesen ist auf die Bewertung. Ich schaue mir die tatsächlich auch immer an bevor ich auswähle (hier geht eigentlich alles über Booking.com – Airbnb und eigene Webseiten sind nicht so angesagt).

 

Zwischen diesen Gesprächen bin ich aber auch noch in Yerevan rumgelaufen und habe über die „Ostarchitektur“ gestaunt. Sie haben ja einen Hang zum monumentalen Beton usw.

 

Bauwerk und mein Schatten

 

Eine Touriattraktion und überhaupt beliebt sind die Kaskaden. Ein 118 m hoher Treppenkomplex mit 5 Plattformen mit Ausstellungshallen und Skulpturen. Zuerst erdachte sich das jemand in den 1930er Jahren, er stellte sich Wasserfälle vor, starb aber schon 1936. In den 60ern kramte da jemand wieder hervor und wandelte es mit eigenen Ideen um. Es ist ein komplexes System, was ein Symbol für die reiche Geschichte und Kultur Armeniens darstellen soll. 1971 startete man, aber bevor man 1980 fast fertig war, gab es ein Erdbeben, dann den Zusammenbruch der Sowjetunion usw. Erst 2009 war es dann ganz fertig.

 

Man kann innen auch mit Rolltreppen rauf und runter fahren und hat von oben einen tollen Blick über die Stadt, bei klarem Wetter inkl. Ararat. Ich hab dann doch hauptsächlich über die „Sowjetästhetik“ gestaunt. Jedenfalls nenne ich es so für mich. Hier nun einige Bilder davon:

 

ganz unten

 

Ca. 3. Platform
fast oben

 

Hier mal was hochkantiges mt Nebenangebäude

 

Und was hübsches von der ersten Platform

 

Menschen fast ganz oben, im Hintergrund kein Ararat
Von oben ohne Menschen

 

Und das war es aus Yerevan – am nächsten Tag fuhr ich Richtung eines neuen Treks und habe nicht vor, nochmal in die Stadt zu kommen.