
Tatsächlich lachte der blaue Himmel über uns als wir nach dem Frühstück die kurze Strecke nach Zangla fuhren. Zangla war früher ein Königreich. Den alten König kannte ich noch, er war vor einigen Jahren gestorben. Und es gab da einen alten Palast, der auf einem extra Berg das Tal überblickte.

Wir parkten das Auto unten im Dorf und stiegen hoch. Dabei konnte ich auch die hiesigen Modernitäten bestaunen.

Diese Gebäude werden im Winter für die Tuition genutzt. In Zanskar gibt es sehr lange Winterferien, da man nicht genügend Heizmaterial für die Schulen hat und es zu kalt zum unterrichten ist. Außerdem wäre für viele Kinder der Weg durch den Schnee zu lang. Statt dessen werden in kleineren Einheiten näher an den Familien sogenannte Tuitions gemacht, d.h. in kleineren sonnenbeschienenen Räumen werden kleinere Kindergruppen unterrichtet, die nicht den üblichen Schulklassen entsprechen.

Also weiter zum Palast. Dort hörten wir schon von Weitem eine lärmende Inderhorde. Sie kamen gerade wieder runter (vom Parkplatz muss man noch ein Stück hoch laufen) – der Palast war verschlossen. Aber wie gut, wenn man mit einem Einheimischen unterwegs ist. Es war nämlich noch ein anderer da, der hatte den Schlüssel, den er aber eben den Indern gegenüber nicht raus rückte, aber uns gab. Mit dem Versprechen, ihn danach gut zu verstecken. Die Umgebung vom Palast mit den vielen Tschörten war auch schon sehr fotogen.




Der Palast wäre vielleicht noch viel verfallener gewesen, wenn nicht die Ungarn Zeit, Mühe und Geld hinein gesteckt hätten. Dort hat nämlich einer ihrer Helden, Alexander Csoma de Kőrös, eine ganze Zeit verbracht und das erste tibetische Wörterbuch erstellt. Man sind etwas mehr Informationen über ihn – wobei diese Anmerkung mit Kloster, Hindukusch und Sutlej schon etwas falsch ist: Wikipedia. Ich war schon öfters in diesem Palast gewesen und neugierig, in welchem Zustand er sich jetzt befand. Außen hatte man ordentlich unterstützende Mauern gebaut und weiteren Verfall aufgehalten. Innen gab es Gedenktafeln und den Raum von Alexander mit einem kleinen Bett hergerichtet. Er war entweder ein kleiner Mann oder schlief immer zusammengekuschelt. Jeder Palast in dieser Gegend hat auch einen Gebetsraum mit vielen buddhistischen Statuen. Trotzdem ist es natürlich kein Kloster in dem Sinne.




Wir waren fast fertig mit dem gucken, da hörten wir schon wieder Inderstimmen. Wir eilten hinaus, schlossen schnell ab, versteckten den Schlüssel – und haben dann die Leute angelogen und gesagt, dass wir auch nicht drinnen gewesen wären. Was ist schlimmer: hier zu lügen oder dem Palast seine Ruhe zu bewahren?

Vom Parkplatz aus starteten wir dann die Tour und ich zeichnete sie in Mapy auf. Allerdings habe ich mich sehr aufs Filmen konzentriert und gar nicht so viele Fotos gemacht. Ein Stückchen weiter des Weges war erst nochmal eine Wolfsfalle anzugucken. In dieser Gegend gibt es schon noch recht viele Wölfe und man will ja nicht, dass die den einheimischen Tierbestand dezimieren.

Der 18. Bakula Rinpoche (momentan ist der 20. Bakula an der Reihe) wurde hier als Sohn der Königin von Zangla geboren und soll hier in einer Höhle noch etwas weiter vom Palast entfernt meditiert haben. Nämlich hier:

Ein Bakula ist eine immer wiederkehrende Reinkarnation von Buddha Amithaba, einem der 16 Arhats und somit ein hoher buddhistischer Würdenträger. Seit dem 17. Bakula wird dieser immer wieder in Ladakh/Zanskar wiedergeboren. Der 19. wurde sehr hoch verehrt und war im indischen Parlament und Botschafter in der Mongolei, wer er sich um das Erstarken des Buddhismus kümmerte. Der Flughafen in Leh ist nach ihm benannt. Der 20. Bakula wurde 2005 im Nubratal geboren und ich bin ihm schon dreimal begegnet.
Weg von den Bakulas, zurück zur Wanderung. Es ging in ein Tal hinein, welches auch der Start zu einer Trekkingtour nach Shade und Phuktal ist. Wir aber bogen gleich ab und gingen nach unten, um einen Fluss zu queren.

Dort gab es schon die nächste Entdeckung: viele uralte Felsmalereien! Das ganze Industal ist ja voll davon und ich entdecke die immer total gerne.



Direkt gegenüber befindet sich ein altes großes Hirtenlager, wo aber niemand war. Das Vieh kommt auch hier erst später zu den Hochalmen, wie in den Alpen auch.


Dann ging es den Berghang hinauf und hinauf und ich war sehr glücklich mit meiner Entscheidung, hergekommen zu sein.




Das ist ja wirklich zu blöd, dass ich nicht mehr Fotos gemacht habe! Wir haben ein Mittagspicknick gemacht (das ist immer mein Highlight beim Wandern – gibt es was besseres als nach getanem Anstieg draußen leckere Sachen zu essen und in die Landschaft zu starren?) und sind dann weiter zum Pass hochgestiegen. Die Aussicht war überwältigend – und der starke Wind auch.





Der Abstieg war ein bisschen steiler, aber es gab einen recht gut ausgebauten Pfad so dass ich keine Höhenangst bekam. Ein kleines bisschen heikel kann das hier für manche sein.


Hier kann ich endlich mal Lameth ein bisschen näher vorstellen. Geboren in Tsazar besuchte er zuerst in Stongde eine Privatschule. Später wechselte er nach Leh auf die Lamdon School mit Internat, ebenfalls eine Privatschule. Er ist – wie die meisten Zanskaris auf Privatschulen – ein aus dem Ausland gesponsortes Kind gewesen, welches aber keinen direkten Sponsor hatte sondern aus einem Topf gefördert wurde. Allerdings war Schule nicht so ganz sein Ding. Aber draußen sein und in der Natur herumstrolchen. Da lag es recht nahe, in das Trekkinggeschäft einzusteigen. Er ist schon ganz schön viele Touren gegangen arbeitet jetzt daran, eine längere Homestaytour in Zanskar auszubauen. Gerade für Einzelreisende, die nicht das ganze Gelumps für mehrere Tage im Zelt tragen können/wollen ist es mit der Tragtierunterstützung recht teuer. Außerdem findet er es prima, wenn viele lokale Familien Homestayeinkommen haben – und die Reisenden somit auch mehr vom Leben mitbekommen. Die erste Etappe wäre somit diese – und ich finde es eine prima Tour, die man auch ohne einen ganzen Homestaytrek gehen kann.
Lameth ist Anfang 30 und Junggeselle. Sein großer Bruder – ebenfalls Guide – ist auch Junggeselle. Mir scheint die Junggesellenrate unter Guides recht hoch zu sein – jedenfalls fallen mir spontan recht viele ein, die schon über 30 sind. Das wäre eigentlich das Alter, wo man üblicherweise einen Familienstand gründen würde.

Am Ende hatte ich etwas zu kämpfen mit dem starken Wind und der heftigen Sonne den ganzen Tag und war dementsprechend schlapp davon. Auch wenn ich als deutsches Nordlicht Wind gewohnt sein sollte, mag ich ihn nicht so gerne. Besonders dieses ganze Ohrgesause dabei. Und Dawa schien es geahnt zu haben: ich fand einen Eimer heißes Wasser vor, konnte mir Staub und Schweiß abwaschen und saß dann glücklich und zufrieden drinnen und ließ den Wind draußen weiter heulen.
Das hier ist meine Touraufzeichnung:

Das sehr langsame Tempo ist dem geschuldet, dass die Aufzeichnung auch während der Pausen weiter lief. Aber abgesehen davon bin ich sowieso eher eine Bergschnecke.
Theoretisch wäre für den nächsten Tag eine Homestayweiterwanderung angesagt, aber die geplante Strecke hatte zu viele Rutsch-Schäden und oben Schnee und das schien Lameth eine Nummer zu hoch für mich zu sein. Stattdessen gab es weitere interessante Erlebnisse.