

Da ging es also wieder los! Wie immer vor einer größeren Reise das Hadern damit, die Bequemlichkeit des eigenen Heims zu verlassen. 5,5 Monate Sehnsucht nach Kuscheldecke, vollem Kleiderschrank, eigener Küche und dreilagigem Klopapier. Wie immer aber auch die Ahnung, dass ich Sachen erleben werde, die es mir mehr als wert sind, diese Bequemlichkeit zu verlassen.
Dinge haben sich über die Jahre verändert. Während ich früher immer keine Bange bzgl. der Flughafenanreise per Bahn habe, bin ich jetzt viel unruhiger damit. Besonders mit 2 x umsteigen und auch bereits erlebter Probleme auf der Strecke (technische Probleme, medizinische Notfälle etc.). Diesmal wurde einem Güterzug Vorfahrt gewährt, was eine Verspätung ausmachte, die aber überhaupt nicht schlimm war. Bisschen schlimmer war, dass es kälter und zugiger auf den Wartebahnhöfen war als ich dachte und ich so etwas vor mich hin bibberte.
Am Flughafen war es auch nicht wie früher, wo man 3 Std. eher anreiste, elendig lange in diversen Schlangen stand und es dann normal zum Gate schaffte. Diesmal war ich in 20 min durch! Boardkarte online, Gepäck ohne Schalter aufgegeben, bei der Security kein umständliches rausgekrame der elektronischen Sachen mehr – und somit auch null Schlange. Trotzdem besser als banges Warten, ob alles klappt.


Nächste Überraschung: der Flieger war riesig – und total leer! Ich hatte eine Viererreihe für mich alleine! Und die davor auch noch! Und die davor ebenfalls! Nur die Bildschirme waren bisschen klein. Und man hatte mir erzählt, dass so große Flieger recht ruhig in der Luft sind. Dieser nicht so. Es wackelte und schwankte. Und ich haderte wieder mit meinem Reisedrang. Ich hasse fliegen! Aber alles war zeitlich gut und wir kamen alle an (über Aserbaidschan, Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan) – und dann passierte schon wieder so viel, dass ich dachte: Das ist Indien! Und das ist es wohl auch, was ich so mag. Es war jetzt gegen Mitternacht.
Hier in Stichpunkten:
Somit war ich nun endlich richtig angekommen! Zum Mittag ging ich raus. Neben der Unterkunft befindet sich ein patriotischer Sandhaufen.

Greater Noida ist unattraktiv. Es ist weitläufig, hat viel Industrie und Firmenansammlungen und 50 km südlich steht einer der größten Flughäfen der Welt kurz vor der Einweihung. Es hat kurz vor 40° C. Warum bin ich also hier? Ich hatte eine Verabredung mit meinem Cousin Soenke, der in New York lebt. Früher lebte er eine zeitlang in Delhi. Er ist u.a. mit sogenannter Künstlicher Intelligenz beschäftigt und hatte hier ein Training zu leiten. Hier ist ein link zu ihm bei der UNESCO. Da muss man sich einfach treffen! Außerdem gab es mir die Gelegenheit, mal eine spezielle Gegend neu zu sehen.
Viel habe ich aber nicht gesehen. Zu heiß, zu unattraktiv.

Aber es gibt hier um die Ecke eine spezielle Mall – da war ich mittags schon mal alleine und abends traf ich dort Soenke. Diese Mall hat Venedig als Thema:





Durch diese Lagune konnte man mit einer Gondel fahren. Das war ja sowas von absurd, dass wir das unbedingt machen mussten!




Der Gondoliere sang ein italienisches Lied, ein indisches und bei Bella Ciao war er nicht so textsicher. Das Ruder bewegte er nur zur Show, die Gondel hatte einen Motor. Und er ließ die Gondel schaukeln als hätten wir voll den Wellengang. Der Gondoliere kommt unbedingt in die Liste der sehr speziellen Berufe in Indien. Und ich war glücklich: Indien hatte nicht mit den üblichen Überraschungen gegeizt!
Im obersten Stockwerk wurde es noch absurder, aber das war uns zu teuer. Es gab ein Schneeparadies mit -12°C!


So hatten wir einen interessanten Abend. Dann gab es noch einen Sturm und danach ging ich zurück zur Unterkunft.



Ich habe diesmal tatsächlich auf meine Kamera verzichtet und nur das Handy dabei. Das kann ich auf 4:3 oder 16:9 einstellen – das ist bisher das einzige, was mich nervt. Ich hätte so gerne 3:2! Aber danach beschneiden ist auch doof. Aber deswegen das für mich eher ungewöhnliche Format.
Eigentlich wollte ich viel mehr Tage zusammen fassen, aber da diese schon so viel Bildmaterial und Erzählung lieferten, mache ich hier schon Schluss. Der nächste Post kommt dann aus den Bergen! Dort werde ich jemanden treffen, den ich noch nicht kenne. Nur über Whatsapp.