Chon-Sary-Oy – Abschlaffen, Strand und Friedhof

06.04.2022

 

Nach dieser Tour gab es im Anbetracht meiner geringen Zeit erstmal nur 2 Richtungen, die ich anstreben könnte: Issyk Kul im Osten oder Osh im Westen. Für Osh müsste ich allerdings nochmal zurück nach Bishkek und von dort in die andere Richtung fahren. Also entschied ich mich für den Issyk Kul, dem zweitgrößten Bergsee der Welt (der größte ist der Titicaca).

 

Mir schien es am Schlausten, eine Unterkunft über booking.com zu suchen – da muss man dann nicht mehr lange herumsuchen und weiß gleich, wo man hin möchte. Mir war wichtig: Internet, Wäsche-Service, jemand englisch sprechendes und nicht zu teuer. Rakhat und ich schauten eifrig auf den Handys herum – und er hat dann das gefunden, wo ich hin reiste und es war eine gute Wahl.

 

Geplant war die Unterkunft quasi für Digital Nomads o.ä. – Leute, die eine gute Infrastruktur beim Wohnen und Arbeiten bräuchten. Ein neuer großer Gebäudekomplex – und fast leer.

 

Komplex mit Nachbarkomplex

 

Es war dort ruhig. Extrem ruhig. Ausgestorben ruhig. Das lag u.a. daran, dass der Komplex von 2 großen Ferienanlagen flankiert war, die noch geschlossen hatten. Und auch in dieser Anlage gab es kaum Gäste. Trotz ausgesprochen netter (wirklich gut englisch sprechender) Managerin und weiterem Personal hatte es zwar eine seltsame Atmosphäre, aber es war nach diesen Tagen in den Bergen wirklich angenehm, mal wieder in einem tippitoppi-Bett zu schlafen, morgens Kaffee darin zu trinken, im Internet zugange sein und rumzudöseln. Lange hielt ich das Döseln aber doch nicht aus und bin erstmal zum Strand. Den bevölkerten Kühe statt Menschen.

 

Strandkühe

 

Links und rechts waren abgesperrte Strände von den Resorts.

 

Resortstrand

 

Issyk Kul Wasser

 

Das Wasser war einladend und klar – und auch wenn die Luft nicht wirklich kühl war, konnte ich mich nicht zu einem Bad begeistern. Statt dessen machte ich mich auf den Weg, Chon-Sary-Oy zu erkunden. Alllerdings war da eher nichts. Die große Nicht-Saison-Leere.

 

Nix los

 

Aber etwas entdeckte ich doch, was ich näher erkunden wollte: einen Friedhof! Ich hatte die schon immer währen der Fahrt gesehen und war neugierig, einen mal näher anzuschauen. Die Menschen hier waren früher ja überwiegend richtig nomadisch unterwegs. Und da baut man keine Gräber mit irgendwas zum Gedenken, man weiß ja nie, ob und wann man nochmal vorbeikommt. Es sei denn man war ein ganz großartiger Mensch, dann hat man was bekommen, wo Leute hinpilgern konnten.

 

Aber dann kam die Sowjetunion und es gab sesshaftere Jobs und mehr Vermögen. Obwohl ja alle gleich sein sollten, waren sie es nicht und es kam in Mode, den Verstorbenen ein prächtigeres Grab zu gestalten. Dabei erinnerten sich viele an die nomadischen Traditionen und bauten eine Yurte aus Metall über das Grab. Das schaut aus wie ein Vogelkäfig und davon gibt es so einige auf den Friedhöfen. Außerdem wurden Bilder der Verstorbenen angebracht, entweder alte Fotos oder so Art eingeritzte Zeichnungen, wie ich sie auch aus Armenien kenne. Es ist jedenfalls eine große Vielfalt an Grabbauten auf so einem Friedhof. Hier ein paar Beispiele.

 

Yurtengestell mit einer Art Postbox?

 

noch ein Yurtengestell mit gutem Foto

 

Zeichnung und Deko

 

Üblicherweise bekommt jedeR ein eigenes Grab, keine Ehepaare oder Familien, die beisammen waren.

 

Diverse Einzelgräber

 

Ausnahme war dieses Grab, da hat man das Kleinkind doch mit dem Vater zusammen gebracht.

 

Doppelgrab

 

Manche hatten auch so ganz andere Monumente wie dieser hier:

 

Grabbau

 

Ich ging noch weiter, aber es gab eigentlich doch nix zu sehen.

 

Nicht einmal die Müllbehälter sind voll.

 

Sooo viel Erlebnislosigkeit wollte ich dann doch nicht und so machte ich mich nach 2 Nächten auf den Weg, etwas ganz Spezielles zu erfahren. 2 Bekannte hatten es mir ans Herz gelegt und auch wenn ich es irgendwie seltsam fand, wäre es mir noch seltsamer vorgekomen, es nicht auszuprobieren. Und davon erzähle ich dann im nächsten Post.