Hemis Shukpachen -> Leh – Trimm-dich vor der Tour

17. September 2026

 

 

Eine Besichtigung haben wir am Vortag nicht mehr geschafft: diesen unglaublichen Trimm-Dich-Park der genau zwischen Homestay und großer Buddhastatue war. Es hat dort niemand seine Muskeln stärken wollen während wir da waren und mich interessiert wirklich, wer das für wen gebaut hat. Blöderweise haben wir nicht gefragt….

 

Elsa war schon früh allein gestartet, und wir hatten nur auf dem Plan, die 10 km lange Straße nach unten zu gehen, um zum Highway zu gelangen. Ich hatte einiges am Laptop zu tun und wollte nicht zu spät in Leh ankommen. Der Himmel war bewölkt und wir gingen langsam bergab. Es gab noch alte Häuser zu sehen und interessante „Kunst“.

 

 

 

 

 

Im linken Brillenglas steht „sauber“ und im rechten „Indien“ – und der Witz ist, dass das in 2 getrennten Gandhi-Brillengläsern steht, weil es nicht zusammen gehört. Sauberkeit und Indien passen einfach nicht zusammen. Scherzt der Volksmund.

 

Vor Jahren war ich hier mal in einem kleinen privaten Museum und da wollte ich gerne schauen, was daraus geworden war. Wir haben es gefunden, aber durch den Regen im Vorjahr war das Gebäude beschädigt gewesen und die Artefakte lagerten woanders und warteten darauf, in neuen Räumen präsentiert zu werden. Das wäre leider erst im nächsten Jahr soweit. Aber ob wir nicht auf einen Tee reinkommen wollten? Ja klar, Tee-Einladungen sind immer eine gute Gelegenheit, mehr zu erfahren. Hier wartete allerdings eine ganz andere Überraschung auf uns.

 

 

 

In der kleinen Küche waren zwei junge Israelinnen damit beschäftigt, kleine Puris zu frittieren. Sie hatten sich für einige Tage eingemietet, um zu helfen und zu lernen. Zögerlich kamen wir ins Gespräch. Ich habe wegen der Geschichte und der heutigen Politik immer Hemmungen mit Israelis zu reden. Aber es entpuppte sich als ein tolles berührendes Gespräch. Die beiden waren sehr offen und interessiert und wir erfuhren geschichtliche Aspekte, von denen wir bisher nicht viel wussten. Ein großes Thema war die Sprachlosigkeit nach dem 2. Weltkrieg. Ich wusste nicht, dass auch viele Überlebende auf deren Seite stumm blieben und sich Scham und Schuld tatsächlich durch unserer beider sozialen Vergangenheiten zieht.

 

Aber durch solche Gespräche bekomme ich wieder etwas mehr Mut für die Zukunft und Hoffnung, dass sich zumindest Teile der jungen Generation auf einem guten Weg befindet.

 

Auch die Homestayfamilie war sehr lieb und herzlich und wir bedauerten etwas, nicht hier genächtigt zu haben. Wir bekamen noch die große Winterküche gezeigt und waren froh, einen gastfreundlicheren Eindruck aus Hemis Shukpachen mitzunehmen.

 

 

Hier war man mit der Ernte noch nicht ganz so weit:

 

 

Shukpa heißt Wacholder und Hemis Shukpachen ist berühmt für seine großen Wacholderbäume. Die stehen weiter oben in einem kleinen Wäldchen zusammen, aber es gab auch einzelne prächtige Exemplare weiter unten.

 

 

Außerdem waren die Äpfel reif. Früher fand ich die ladakhischen Äpfel immer etwas geschmacklos, aber diesmal hatte ich einige süß-saftige angeboten bekommen.

 

 

Die Aprikosen wurden ebenfalls geerntet und zum Teil getrocknet.

 

 

Das Dorf ist wirklich riesig, man geht und geht nach unten und es kommen immer noch weitere Gehöfte. Hier ein Blick zurück:

 

 

Auf der Straße begegneten uns kaum Autos. Es war gar nicht schlecht, so bergab zu trödeln. Konnte man sich gut unterhalten. Aber trotzdem haben wir geschaut, ob wir einen Lift bekommen und ganz am Dorfende war es so weit, dass ein Auto nach unten fuhr und auch noch Platz für uns hatte. Und so standen wir dann bald an der großen Straße und versuchten, ein Auto anzuhalten.

 

 

Aber selbst die mit freien Plätzen hielten nicht. Dafür kam ein Bus. Der war bequem, aber alle Sitzplätze schon belegt. Aber ich sah wohl sehr erschöpft und alt aus – der nette Mann hier bot mir seinen Sitzplatz an.

 

 

Und dann waren wir auch schon bald in Leh, hatten ein Mittagessen und Rinchen begleitete mich noch zum Guesthouse. Dabei überschlugen wir uns gegenseitig mit Komplimenten. Ich hätte mir tatsächlich keinen angenehmeren Begleiter wünschen können. Rinchen hatte immer gute Laune, war erzählfreudig, kommunizierte viel mit den anderen Leuten, half überall und achtete aber auch total auf mein Wohlbefinden. Trotz meines blöden Asthma-Handicaps (in tieferen Höhen ging es mir besser, wir hielten die Anstiege gering und ich nutzte dafür vermehrt das „Anfallsasthmaspray“) hatte ich eine ungemein gute Zeit mit vielen Neuentdeckungen, schönen Begegnungen und Wissenserweiterungen.

 

Eine rundum gelungene Tour, die mich auch wieder etwas mehr mit dem Tourismus in Ladakh aussöhnte. Da war noch viel da von dem, was ich an Ladakh so liebte, und die Neuerungen gefielen mir zum Teil auch ganz gut. Die Sham-Region ist definitiv immer einen Besuch wert!