Leh – atemlose Tage

03. – 10. Juli 2026

 

 

Als ich wieder in Leh war, war ich schlapp, hatte aber einige Sachen auf der Liste. Zum einen musste ich mein Gepäck säubern, meine ganze Dreckwäsche abgeben – und Leute treffen!

 

Zuerst hab ich Markus getroffen, dem bin ich das erste Mal 2014 in Indien begegnet. Oder besser gesagt, „wir“ haben ihn vom Flughafen Delhi der Kashmiri-Mafia entreißen können und er ist zu mir nach Manali gekommen. In Delhi hatte sich Spalgon um ihn gekümmert. Ja, genau der Spalgon, der auch mich mit meinem Hexenschuss gerettet hat. Und sowieso ein prima Kerl ist. Und hier habe ich endlich ein Foto von ihm gemacht:

 

 

Was Markus dann danach alles erlebte, wusste ich zum großen Teil, aber ich könnte mir die Geschichte immer wieder anhören, so „incredible India“ ist sie! Ich hoffe, er bringt sie irgendwann in die Öffentlichkeit. Erstmal hat er sie mir und Valentin und Lobzang erzählt. Lobzang ist aus Zanskar – und natürlich haben wir auch einige gemeinsame Bekannte auftreiben können. Sie hatte lange im Lala-Café um die Ecke gearbeitet und sich vor 4 Jahren mit einem kleinen Lokal selbständig gemacht. Und da sitzt man viel zu gerne viel zu lange und lernt sich kennen und erzählt. Wir waren 3 Generationen, also 60, 40 und 20 Jahre. Küken Valentin ist schon einige Zeit unterwegs und das Reisen gefällt ihm saugut und ich wunder mich doch ein bisschen über „die Jugend“ – mir wäre das damals zu viel gewesen….

 

 

Am nächsten Tag traf ich mich mit Nina und danach Susanne (beides ohne Fotos) und ging dann noch mit Markus zu Nawang – Schals gucken und plauschen. Das war schön, so viel Kontakt zu haben. Und meine Wäsche war auch fertig. Aber ich immer noch kurzatmig und schlapp.

 

 

Am nächsten Tag bin ich erstmal „daheim“ geblieben, aber am Abend hatte ich endlich die Gelegenheit, meine liebste Freundin Dolma zu treffen. Mit Familienanhang sind wir in mein inzwischen Stammlokal gegangen. Das ist wirklich prima – insbesondere ihr einer Sohn kann so gar nicht still sitzen und für den gab es Trampolin umsonst und einen ganzen großen Raum mit Kinderbespaßung, wo man für 1 Std. 3,- Euro bezahlt. Für ruhige Essenswunsch-Eltern perfekt!

 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich geht es ihr gut, sie hat ihre Traumstelle als Lehrerin und lebt weit weg von nerviger Verwandtschaft – nur fehlt ihr doch die Zeit, sich ganz alleine mit Freundinnen und so zu treffen. Ich hoffe, ich habe nochmal die Gelegenheit dazu.

 

Und am nächsten Tag ging es dann richtig bergab. Meine Kurzatmigkeit mit trockenem Husten wurde einfach nicht besser – und dann habe ich mich auch noch vormittags übergeben. Ein Doctor-on-call kam und verschrieb mir hauptsächlich was für Magen. Ich schlief viel. Der Magen revoltierte zwar nicht mehr, aber die enorme Kurzatmigkeit blieb.

 

Am nächsten Abend dachte ich, es sei doch etwas dramatisch und bin dann mit einem ganz lieben Taxifahrer zum Krankenhaus. Gedrängel bei der Notaufnahme – ich kannte das ja schon von vorher. Sonam versuchte mich durchzuboxen, aber es war alles sehr unschön. Alle kämpften darum, wer nun ein schlimmerer Notfall sei. Und viele sahen auch schlimm aus. Es war die meiste Zeit nur eine Ärztin da – und die ließ sich eigentlich zuviel Zeit für die PatientInnen und man war sich auch nie sicher, ob sie wirklich gut diagnostizierte. Ich bekam Röntgen von Brust. Danach wieder Kampf in ihr Zimmer. Eigentlich alles nicht so schlimm. Ich bekam eine Asthma-Inhalierung und nach 3 Std. waren wir wieder zurück. Die Betten waren auch alle überfüllt. Taxi-Sonam meinte auch, ich müsste am nächsten Tag unbedingt nochmal zu einem/r SpezialistIn!

 

Übrigens: eine andere musste sich bei einem Sauerstoffnotfall im Krankenhaus mit einer anderen fremden Person ein Bett teilen. Auch nicht schön.

 

Die Nacht hab ich eigentlich ganz gut überstanden. Am nächsten Tag kümmerte sich Tanu um mich. Leider gibt es hier kaum normale Arztpraxen wie bei uns, die meisten arbeiten im Krankenhaus. Also wieder dorthin. Mir war immer noch so schwach und kurzatmig – nur hustete ich nicht mehr ganz so oft. Tanu nahm mich an die Hand und ich verdrückte ein kleines Rührungstränchen. Hier wird man in krank meistens nicht so wirklich verhätschelt, sondern kämpft sich irgendwie durch. Da sind mitfühlende Gesten eher besonders. Jedenfalls habe ich davon nicht so viele erlebt. Die Leute sind nett, aber ich musste eigentlich meistens alles selber erfragen und fordern.

 

Ach ja, dieser Doctor-on-call-Tag, das war am Geburtstag des Dalai Lama. Er ist gerade hier und sehr viele sind zu ihm zum Feiern. Er ist 91 und saß im Rollstuhl. Hab ich im Fernsehen gesehen. Und er gilt ja als quasi große Koryphäe des Mitgefühls. Und zu dem strömen alle hin und lauschen ihm. Und wenn es dann konkret wird wie bei mir, da fehlt mir aber genau dieses Mitgefühl. Oder ist Krankheitswahrnehmung doch nicht so universell wie ich es mir vorstelle? Ich denke, alle Menschen haben es gerne, wenn man sich um sie kümmert, nachfragt, anbietet, die Hand nimmt oder so. Erst recht wenn man so allein in der Ferne ist. Ich habe geweint und mich bei Tundup beschwert.

 

Ich weiß manchmal nicht – ich fühle mich leicht wie eine pubertäre Drama-Queen, wenn ich so emotional bin in Situationen, wo es mir (körperlich) nicht gut geht, wo etwas neues größeres auf mich wartet und ich mich nicht willkommen fühle usw. Und dann beschwere ich mich meistens mit Tränen. Und denke, dass ich eigentlich recht damit habe, dass man mir liebevoll begegnen soll. Weil ich ja möchte, dass Menschen lieb miteinander sind. Ich hoffe sehr, dass ich dem selber meistens entspreche. Jedenfalls ist das mein Ziel. Das wird mir immer bewusster.

 

 

So, zurück zur Krankenhausodyssee – insgesamt ja schon Nr. 3. Tanu war großartig. Sie besorgte mir eine Nummer sogar bei einer Koryphäe. Die war sehr hoch und wir versuchten, vorher ranzukommen. Es drängelte sich alles schon wieder vor und im Zimmer. Es ist ja für uns immer noch ungewöhnlich, dass in einem (kleinen) Raum 3-4 ÄrztInnen sitzen und die PatientInnen mit ihren Angehörigen sich drum herum stapeln. Und alle versuchen trotz Nummern sich reinzudrängeln. 1-2 Schwestern sicherten die Tür und bemühten sich um Ordnung.

 

Frau Koryphäe war gerade woanders, aber als sie zurück kam, ergatterte mir Tanu tatsächlich schnell eine Konsultation. Blutdruck und Puls und Sauerstoff waren schon vorab gemessen worden. Alles OK. Dann am besten noch ein EKG. Das wurde in einem Raum mit großem Bett und ca. 6 Schwestern gemacht. Hier war auf einmal ein Zuviel an Personal. Dann wieder zurück und reingedrängelt. Frau Koryphäe beguckte sich Das Röntgenbild, die Werte, fragte und erklärte. Das größte Problem seien meine Bronchien (ich hatte das Blut wegen dem Blutverlust vermutet gehabt – übrigens hielt meine Nase seitdem still. Kein Blut mehr). Und ich habe wohl etwas, was ich selber Höhen-Asthma nenne. Also bekam ich da Sachen für und auch nochmal diese Inhalation. Dafür war diesmal ein Bett frei – hier mit der wartenden Tanu.

 

 

Nach 3 Stunden waren wir endlich wieder raus. Ich hatte noch weitere Medikamente und Essenstipps der hiesigen Kollegschaft. Inzwischen kümmerte man sich etwas mehr. Ich ruhte den Resttag aus, schlief gut – und hatte am nächsten Tag ein Wunder: mir ging es enorm besser!

 

 

Ich fühlte mich wieder viel besser bei Atem und konnte die Treppen hochgehen ohne japsend zusammenzubrechen! Endlich ging es aufwärts! Ich bin nochmal mit Tanu ins Krankenhaus für eine Inhalation – die scheint besser zu wirken als ich dachte. Es ist zwar noch nicht so toll wie vorher, aber das wäre vielleicht auch zuviel des Wunders.

 

Und das ganze passierte am Tag der politischen Verschlechterungen im deutschen Krankensystem. Auch wenn das im Krankenhaus so gut wie umsonst war (nur die meisten Medikamente muss man zahlen und die sind spottbillig), ich bin trotz allem froh, nicht in diesem Krankensystem festzustecken. Es gibt hier einfach nichts anderes. Außer das weiterhin gute Amchi-System, aber in solchem wie meinem jetzigen Fall bin ich doch froh um die Beruhigung von den gemessenen und geröntgten Werten und den allopatischen Maßnahmen, die jetzt anschlagen. Aber dieses Rumdrängeln und die kurze Zeit und Überfüllung, das ist wirklich gruselig!

 

Meine jetzigen Gedanken meiner diesbezüglichen Gesundheit für die Zukunft: ich bin demnächst 2,5 Tage ungefähr in Delhi – vielleicht lass ich mir da mein eines Nasenloch „verlöten“ – weil ich tatsächlich auch daheim manchmal Nasenbluten habe. Und in der Höhe ist es aber öfters und mehr. Und eine Beratung bzgl. Bronchien und Asthma und Höhe. Zuerst dachte ich, dass ich evtl. nicht mehr „höhentauglich“ bin, weil ich zu oft Bronchitis, trockenen Husten und Atemprobleme habe. Aber vielleicht kann man da doch was machen?