
Ich kam in Leh an, wo ich viel Zeit verbringen würde, arbeiten, mich sortieren, sacken lassen, Alltagsleben haben usw. Tundup hatte mich netterweise eingeladen, in seinem Büro zu wohnen. Bzw. was heißt Büro – er hatte vor Jahren ein dreistöckiges Gebäude im unteren Teil von Skara in Flughafennähe gebaut. Dort war das Büro und Lagerraum und im obersten Stock sogar 3 Zimmer. Das war jetzt umgebaut: im Keller ein kleiner Supermarkt zur Belieferung von Leuten (das war während Corona entstanden), im EG Küche, gemütlicher Essraum und Rezeption, im 1. Stock Büroplätze (das Personal war geschrumpft, aber nicht wegen weniger Arbeit sondern effektiverer Strukturen) und im 2. und 3. OG waren Zimmer. In einem darf ich wohnen. Nebenan ist sogar eine Küche.

Aber wie es mir inzwischen schon öfters passierte: gewisse Erwartungen wurden nicht erfüllt…. Ich wurde nicht freudig erwartet, da Tundup nicht Bescheid gegeben hatte, man forderte meinen Pass statt Herzlichkeit walten zu lassen – und dann war das Zimmer auch nicht „perfekt“ hergerichtet. Es fehlt ein wenig an der „Liebe“, die ich mir zu oft vorstelle. Und es war mir zu wenig gründlich gereinigt. Tundup meinte später, ich würde zu oft meine deutschen Maßstäbe ansetzen. Es war Sonntag und ich immer noch ohne SIM. Beim letzten Mal Ladakh war am Sonntag der Airtel-Laden offen, also bin ich hin. Das ist ein langer Weg nach oben, aber es war gut, zu gehen. Und ich konnte auch gleich meine Dreckswäsche mitnehmen.
Nicht gut war, dass ich auf dem Weg Hunden begegnete. Der eine hatte das Bedürfnis, mich anzukläffen und in meinen Wäschesack zu beißen und schwupps gruppierten sich weitere 4-5 kläffende Hunde herum und umringten mich. Mir fiel das Herz in die Hose und mein Körper versteifte vor Angst. Erinnerungen an meine Hundeattacke in Georgien vor 3 Jahren. Aber ich hatte Glück – hinter mir war der Eingang eines Gästehauses und da bin ich rein. Die Hunde nicht. Ich fiel quasi einem jungen Mann in die Arme und schluchzte und weinte und heulte und konnte kaum aufhören. Der Mann war so eine Art „Tibeter-Freak“ mit wildem Haar, Tattoos, Piercings – und einem offenen Hosenschlitz. Da musste ich blöderweise immer wieder hin starren. Er war aber total lieb und wollte mich beruhigen, mir aber auch klar machen, dass es in Ordnung sei, so heftig zu reagieren. Und immerhin hätte „Gott“ ja gemacht, dass mir nix ernstes passiert sei. Außer Gott war ich so dankbar! Ich wurde wieder etwas ruhiger. Ob er mich begleiten solle? Ein Stück? Wir traten in den Eingang. Da kamen gerade 4-5 indische Touris angelaufen – und ich schloss mich ihnen einfach an. Mehrere Leute greifen Hunde eher nicht an. Bei einer Wäscherei verließ ich sie und ab da waren auch genügend andere Leute unterwegs.

Diesmal hatte der Airtel-Laden Sonntags doch geschlossen. Ein kleiner Laden nebenan pries SIM-Karten an und ich fragte nach. Ohne von seinem Handy aufzuschauen gab er mir griesgrämig Bescheid, dass das nicht für Ausländer gelte. Freundlich war der nicht. Und ich grummelte dann zusätzlich vor mich hin. Ich ging einen anderen Weg – ohne negativen Hundekontakt – wieder nach unten, schnappte mir den Putzeimer und wütete ein bisschen rum. „Toller Start“….
Am nächsten Tag hatte ich mich wieder eingekriegt. Mein Zimmer hat ein bequemes Bett und Ausblick. Das Grundstück nebenan ist leer und zeitweiliger Wohnort von Hunden. Diese sind sehr bellend nachtaktiv. Das daran anschließende Grundstück ist Parkplatz für große Busse. Da kann ich manchmal sehen, wie Mahlzeiten zubereitet und verzehrt werden. Und mein Frühstück kann ich auf einem hübschen Balkon einnehmen.





Tundup ist wie immer furchtbar beschäftigt. Er hat sich schon früh auf indische Reisende gestürzt und ist damit gut im Geschäft. Und bis Mitte Juni haben sie im Büro voll viel zu tun. Da gibt es sogar Gruppengrößen von 60 Leuten.

Ich bin wieder nach oben in das Stadtzentrum wegen Wäsche abholen und SIM-Karte – beides erfolgreich. Und noch toller: als ich so an der Straße entlang ging, hielt ein Motorradfahrer neben mir und fragte, ob er mich mitnehmen solle. Einfach so. Wie nett!

Ich wusste ja, dass in Leh viel gebaut worden war. Aber diesmal war es noch ernüchternder – es waren noch mehr Hotels gebaut worden und noch mehr im Bau und außerdem waren ja lauter Menschen in diesen Bauten. Was in den 1990ern Feld war, ist auf 5-10% reduziert. Statt dessen nur Häuser oder Bauland. Und Massen von InderInnen! Sehr wenige westliche Gesichter. Die InderInnen knattern furchtbar gerne mit Motorrädern durch Ladakh. Teilweise auch in enorm großen Gruppen. Ich traf einen ladakhischen Bekannten, der sich auf Motorradreisen spezialisiert hatte, der war voll am stöhnen. Es sind nicht genügend Motorräder hier! Man muss sich von irgendwelchen Schurken welche borgen und die verlangen voll viel Geld. Aber ihm bleibt nichts anderes übrig. Ich bin sehr gespannt, ob das im Juli/August etwas anders wird. Und wie es eigentlich in den Dörfern ausschaut.
Ich verbrachte viel Zeit in meinem temporären Heim und traf mich aber auch mit Leuten. Unbedingt musste ich zu Nawang und in seinen Kaschmirwollschalladen. Sooo viele schöne Stücke! Und so ein feiner Kerl!


Außerdem war ich mit Rigzen essen. Mit ihr hatte ich die Losargruppe zusammen geleitet. Sie führte mich in ein Lokal in der Nähe und ich staunte nicht schlecht. Sehr modern, groß, Garten mit Trampolin und Live-Bühne. Und eher keine Touris. Es ist in Armeenähe – die und ihre Angehörigen gehen da gerne hin. Wir aßen Pizza. Und ich hatte endlich einen Mango-Lassi. Und wir haben uns voll lustige und dramatische Reisegeschichten erzählt.

Dann traf ich auch Aniek, die kenne ich seit vielen Jahren, hatte sie aber ewig nicht gesehen. Sie ist aus Holland und unterstützt die Nonnen in Nyerma mit ihrem Gästehaus usw. Später werde ich auch zwei Nächte dort verbringen. In Erinnerung an alte Zeiten gingen wir in ein Gartenlokal, was früher „Pinguin“ hieß. Jetzt heißt es „Lamayuru“, hat weiterhin gutes Essen und nette Leute, aber es hätte eigentlich auch noch hübscher gestaltet werden können.

Meine Sauerstoffwerte wollen irgendwie nicht weiter nach oben gehen (Anfang 90 ist überhaupt nicht besorgniserregend, aber ich hatte erwartet, dass es nach dieser ganzen Zeit noch mehr werden würde) und ich finde mich auch zu kurzatmig. Außerdem hatte ich bisschen Verstopfung. Also ging ich zur tibetischen Amchi und bekam Kügelchen.

Einen Morgen hatte ich interessanteres Wetter vor meinem Fenster und dann tauchte auch noch ein doppelter Regenbogen auf!


In meiner Gegend fehlt es an gewissen Einkaufsmöglichkeiten und auch um mir die Beine zu vertreten ging ich öfters nach oben in die Fußgängerzone. Da traf ich zB auf viele ladakhische Frauen, die mich herzten und Bilder mit mir machen wollten. Sie gehörten der Frauenabteilung der Ladakh Buddhist Association an und waren auf Feldzug gegen den Alkohol. Ladakh leidet immer mehr unter Drogenabhängigen und Alkoholsüchtigen – das ist gerade eines der Gesprächsthemen in der Gesellschaft. Alkohol verbannen und ein trockener Staat werden wie Gujarat? Wo kein Alkohol ist, kann auch niemand abhängig werden? Allerdings gehört das selbstgebraute Gerstenbier Chang ja schon ewig zur Gesellschaft.


So flossen die Tage etwas dahin. Aber am 7. änderte sich das. Und das gibt es im nächsten Blogpost zu lesen.