Leh -> Tarutse – Per Bus zu Pilzen, Pfauenhosen und Pfeilen

12. September 2026

 

 

Trotz meines inzwischen eher chronischen Höhenasthmas habe ich mir gedacht, dass ich es einfach mal versuche mit einem Homestaytrek im Sham Valley. Das ist nicht so ewig hoch und gut mit Straßen verbunden, so dass ich leicht jederzeit wieder abbrechen könnte. Es ist ziemlich her, dass ich da wandernd und übernachtend unterwegs war und so wollte ich mal schauen, wie es mit den Homestays und den Wanderpfaden ausschaut und ob es noch was zu entdecken gibt.

 

Rinchen war meine lokale Begleitung. Es lief unter Guide und Kundin, aber unsere Rollen waren viel mehr unklar oder wechselten, da ich bzgl. Strecke und manchen kulturellen Hintergrund mehr wusste als er. Dafür hat er mit allen geredet, war neugierig, höflich, lustig immer fröhlich und tatsächlich ein solcher Wanderpartner, wie ich es mir insgeheim gewünscht hatte.

 

Aber erstmal von Anfang an. Wir trafen uns morgens am Bus. Das war schon wieder ein E-Bus, aber anders gebaut und bequemer für längere Strecken. Er fuhr weiter als wir wollten und so stiegen wir kurz vor Ortseingang Likir aus. Ich trank einen Kaffee, Rinchen plauderte und mühte sich mit meinem Trekkingstock ab. Einer hakt irgendwie innerlich und lässt sich nur ganz schwer aufziehen. Ein anderer Mann kam zu Hilfe und beide zusammen waren dann erfolgreich.

 

 

 

Und dann haben wir die Rucksäcke geschultert und es ging los. Das war ein schönes Gefühl. Ich mag dieses unterwegs-sein mit leichtem Gepäck.

 

 

 

Eine Bekannte hatte von einer Frau in Likir erzählt, die Pilze züchtet. Pilze im trockenen Ladakh? Wie macht man denn sowas?

 

Wir gingen zu ihrem Haus, sie war nicht da, Rinchen rief sie an und sie kam dann bald angefahren.

 

 

Und dann erwartete uns eine spannende Zeit mit Sonam Angmo. Sie ist aus Likir und wurde in eine eher Akademikerfamilie geboren. Also studierte auch sie, nämlich landwirtschaftliche Biotechnologie. Sie hatte Kontakt mit lokalen „Ökogruppen“, einen Aufenthalt in Deutschland (Sachsen-Anhalt), lernte, dachte nach und kam dann zu einem Schluss. In Ladakh liegen immer mehr Felder brach, da die Menschen lieber anderweitig Geld verdienen. Mit dem wird dann importiertes Gemüse usw. gekauft. Und dann hatte sie eine Idee. 2018 fing sie an mit ersten Versuchen, Austernpilze zu züchten. Allerdings sind die Bedingungen sehr schwierig:

 

  • Austernpilze benötigen ein feuchtes, kühles bis mildes Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit
  • Pilze verbrauchen während des Wachstums Sauerstoff und geben Kohlendioxid ab. Durch die dünne Höhenluft ist ein präzises Belüftungssystem notwendig: Es muss frische Luft zugeführt werden, ohne dass die Luftfeuchtigkeit schlagartig entweicht oder die Raumtemperatur stark abfällt.
  • In Ladakh wachsen keine Bäume wie in anderen Regionen, weshalb Holzspäne knapp sind. Als Substrat dient daher meist lokal verfügbares Weizen- oder Gerstenstroh. Dieses muss gründlich pasteurisiert bzw. sterilisiert werden, um Schimmelpilze und Bakterien fernzuhalten

Ihre ersten Versuche scheiterten durch Kontaminierung. Aber ihr Ehrgeiz war da, sie analysierte Fehlerquellen und dann hat es geklappt! Um die Pilzzucht in größerem Maße zu betreiben, braucht es allerdings spezielle Räume, Maschinen usw. Und dafür finanzielle Unterstützung. Die gewährte man ihr, ebenso wie einen Kredit – und jetzt schaut alles sehr rosig aus. Die Leute sind begeistert und sie kommt mit ihrer Produktion nicht der Nachfrage nach.

 

 

Zuerst besichtigten wir das Gewächshaus, wo es Luftaustausch mit den Pilzräumen gibt – sowie viele gut gewachsene Gurken.

 

 

Und dann konnten wir die Pilzzucht angucken. Ich hab sowieso nicht gewusst, wie man Austernpilze züchtet – so habe ich es mir jedenfalls nicht vorgestellt. Und so haben wir gut gestaunt.

 

 

 

 

 

Dann haben wir uns noch die Maschinen angeguckt und wurden zum Tee eingeladen.

 

 

 

Sonam Angmo kann ganz hervorragend erzählen und hat eine so wunderbar angenehme Art, dass man ganz inspiriert und mit warmem Herzen sie wieder verlässt. Genau solche Personen begeistern mich und verschönern meinen hiesigen Aufenthalt. Auch Rinchen war ganz begeistert von ihr.

 

Übrigens hat sie auch ein Buchweizenfeld. Buchweizen wurde früher viel mehr angebaut (wie in Mustang), Sonam Angmo erklärt es so: Traditionell war Lower Ladakh eine Region, in der Doppelanalagen möglich waren: Die Bauern säten im Frühjahr Gerste und direkt nach der Ernte im Sommer schnell reifenden Buchweizen als Zweitfrucht. Später stiegen viele Landwirte jedoch auf ertragreichere Weizensorten um. Da Weizen eine längere Reifezeit benötigt als Gerste, blieb im Spätsommer nicht mehr genügend Zeit, um danach noch Buchweizen anzubauen. Es gibt Initiativen, den Buchweizen wieder zu beleben und sie ist schon mal gut dabei.

 

 

Wir wollten dann zu unserem ersten anvisierten Übernachtungsort Tarutse auf der anderen Flussseite. Am Fluss haben wir erst einmal gepicknickt. Dann kam ein weiterer Wanderer daher und wir luden ihn auf einen halben Snickers ein. Er war ein bisschen speziell mit seiner Pfauenhose und reiste mit nur 5 kg Gepäck für 3 Wochen herum. Er war in Kaschmir gewesen, was ihm sehr sehr gut gefällt (die Leute sind nicht so „buddhismus-weichgespült“ und die Frauen schöner) und lief jetzt hier herum. Es gibt schon komische Menschen.

 

 

Dann wanderte er weiter und auch wir strebten unserem Ziel zu, welches schnell erreicht war. Es gibt nur noch einen Homestay in Tarutse, wo sehr wenige Leute übernachten. Likir hat insgesamt ein Überangebot an Homestaymöglichkeiten, schafft es aber nicht wirklich, Leute zum übernachten zu animieren. Die meisten kommen nur zu einem Tagesausflug oder starten direkt mit ihrem Trek in die Sham Region. Zum Homestay später.

 

Wir wollten erst einmal 2 Sachen erkunden: den Trekkengstartpunkt für den nächsten Tag (der war bald gefunden – er ist mit blauen Pfeilen markiert) und den Pfad, der auf dieser Seite zum Kloster führt. Auch den fanden wir. Er ist so gar nicht in den Karten eingezeichnet und ich vergaß, ihn zu tracken. Wir wanderten ihn entlang.

 

 

 

 

 

Es gab einen Blick auf das Kloster – aber bis dahin liefen wir nicht mehr. Ich hatte es schon zu oft besichtigt. Statt dessen hockten wir etwas herum und erfreuten uns der Landschaft.

 

 

 

Es liegen immer mehr Felder brach, aber es wird auch tüchtig gebaut. So alte Häuser sieht man gar nicht mehr so viele.

 

 

 

Auch der Homestay war in einem neuen Haus und ich staunte, wie bequem alles war. Saubere tolle Bettwäsche, flauschige Handtücher und eine warme Dusche. Eine junge Frau managte alles – sie hatte sich um Eltern und Großmutter zu kümmern und einen kleinen Sohn. Ihr Mann ist bei der Armee.

 

 

 

Als wir morgens starteten habe ich nicht gedacht, dass dieser Tag so interessant sein würde und freute mich sehr. Auch mit Rinchen klappte es gut und ich fühlte mich wohl mit ihm. Das ist ja nicht unerheblich, wenn man diverse Tage miteinander verbringen will. So ging das schon mal gut los! Vor dem Folgetag war mir etwas bange, da es dann tatsächlich an Anstiege ging. Ob mein Zweitasthmaspray gut ausreichen würde?