Leh – Trübe Tage mit Highlights

14. – 16. Juni 2026

 

 

Ich war also wieder zurück und erfreute mich am hiesigen Zimmer. Der nächste Tag war Sonntag, d.h. entweder Krankenhaus (lieber nicht) oder einfach warten auf Montag. Da ich ja ganz gerne gehe, dachte ich, ich mach mich auf den Weg in die Stadt für ein lecker Mittagessen. Ich kam aber nicht weit – direkt vor dem Haus fragten mich drei Sonntagsarbeitende, ob ich nicht per Auto mitfahren wolle. OK. Wir fuhren nach oben und hielten an einem Hotel. Wieso dieses Hotel? Das würde doch Lotus, dem Bruder von Tundup, gehören und da käme heute eine Gruppe und wir könnten dort Mittagessen! Gute Idee! So habe ich Lotus auf einen Schwatz wieder getroffen und ich bekam einen kleinen Eindruck. Leider waren alle Zimmer belegt. Der Essraum war sehr groß und halb hübsch. Die Leute waren nett und wir konnten auch in die geräumige Küche gucken. Das Essen kam etwas spät, aber es kam mit sehr leckeren Pakora-Bällchen und tollstem Mangopüree – und der Rest ein kleines bisschen zu scharf für mich.

 

 

 

 

Das Wetter ist wirklich nicht gut diesen Juni. Also es gibt kaum richtige durchgängige Sonnentage und es ist viel bewölkt und manchmal kommt etwas Regen runter.

 

Am nächsten Tag machte ich mich auf zu einer Physiotherapie. Im Internet hatte ich zwei Anlaufstellen gefunden. Es wurde allerdings eine anstrengende, frustrierende, erfolglose Aktion. Die erste hatte geschlossen. Eine nachbarliche Dame klärte mich auf: sie kommt nur, wenn man sie vorher anruft. Wie doof!

 

 

Die zweite Anlaufstelle war ebenfalls geschlossen, allerdings immerhin der Rollladen hoch. Ich rief an: er würde so in einer Stunde kommen. Oh je, so lange warten? Oder in 2 Stunden, dann könnte ich noch zum Markt gehen. Ich könne nicht sehr gut gehen. Ich würde dann noch etwas drittes suchen und wenn das nicht klappt, käme ich wieder zu ihm.

 

Das dritte war das Krankenhaus. Da haben die ÄrztInnen auch quasi eigene Behandlungsräume. Vielleicht ist das auch besser? Der Schalter für Orthopädie war geschlossen, aber es gab einen speziellen Tisch „for the elders“ ab 60 Jahre. Da hockten 2 nette Damen und wiesen mich an, zu dem Zimmer zu gehen und dann zu warten. Ich ging hin: es wurden immer Nummern aufgerufen. Ich zurück zu den „Elderly-Tisch“: die Nummern gäbe es nur am Schalter, aber der sei ja geschlossen (es war noch keine 16:00 Uhr), also anstehen. Ich stand etwas, aber ich hatte das Gefühl, dann nie dran zu kommen. Außerdem blieb die Tür offen und es hing immer eine kleine Traube rum im Behandlungszimmer. Ich fürchtete, dort keinen wirklich guten Rat zu bekommen und entschied mich, zu Nr. 2 zu gehen.

 

 

 

Auf dem Weg traf ich noch jemanden, der zu Ärzten gegenüber vom Krankenhauses riet. Allerdings hab ich da keinen für Orthopädie gefunden. Ich war also pünktlich nach 1 Stunde wieder bei Nr. 2, aber er war nicht da. Und reagierte auch nicht mehr auf meine Anrufe. Ich wartete trotzdem noch 1/2 Std., aber er kam nicht.  Ich gab frustriert auf. Und mein Rücken schmerzte wieder mehr.

 

Am nächsten Tag rief ich morgens bei Nr. 1 an – und bekam tatsächlich einen Termin! Ich war da, machte kein Foto, aber war ganz begeistert. Eine junge sehr nette Frau, von der mir schien, sie wusste genau was sie machte. Und das war gut! Ich lag auf einer Liege, sie zog und drückte und testete aus. Dann wurde ich an ein Gerät angeschlossen, welches meine Kreuzbeingegend behandelte. Es fühlte sich tatsächlich wie extrem gute Massage an, fast feinfühliger als menschliche Hände. Meine ganze versteifte Gegend entspannte. Dann noch Wärmepackung, Übungen zum selbermachen, Schlaftipps und Wärmepflaster und zwischendrin lauter nette Worte. Und die Ermahnung, nicht mehr so viel zu laufen. Nur kürzere Strecken. Ich war eine Stunde da und habe mich in absolut kompetenten Händen gefühlt. Eine Stunde hat es gedauert und ich habe 10,- Euro gezahlt. Und dann hat sie mich sogar noch zurück gefahren! Sie wohnt da um die Ecke. Und eigentlich sei sie schon öfters in ihrer Praxis, aber in Spituk würde gerade ein Fußballturnier statt finden und sie müsse da vor Ort sein und so sei ihr Leben gerade bisschen voll. Wie schön, dass sie sich trotzdem Zeit für mich nahm. Sie heißt Sonam und in ein paar Tagen werde ich sie noch einmal konsultieren.

 

 

Unterwegs habe ich diese armen verkeilten Hunde getroffen. Es heißt, es gibt in Ladakh mehr Hunde als Ladakhis. Sie sind extrem vermehrungsfreudig und in dem rauhen Gelände kann man sie einfach nicht in ausreichender Zahl zum Sterilisieren einfangen. Massentötungen wären wohl die einzig wirksame Maßnahme, aber das passt nicht mit dem Buddhismus zusammen. Registriert werden bis zu 2.000 Bisse jährlich, im Krankenhaus kommen täglich 5-6 Leute mit Hundebissen. Und 5-6 Leute sind in den letzten Jahren daran gestorben. Wer im abgelegeneren Dorf gebissen wird, kommt eher nicht in die Statistik. Da sie auch in Rudeln in der Wildnis herumlaufen, ist es nicht wirklich anzuraten, alleine herumzuspazieren. Jedenfalls nicht weitläufig in Zentralladakh. Und das nächtliche Gebell nervt auch alle noch zusätzlich. Abgesehen von Problemen für Menschen bringen sie auch das ökologische Gleichgewicht durcheinander. Die Hunde fressen zB die am Boden abgelegten Eier des seltenen Black Neck Cranes, der sich schon dramatisch dezimiert hat.

 

Später an dem Tag habe ich nach der Begegnung bei Manali erstmals wieder live deutsch gesprochen! Ich habe nämlich Susanne getroffen, die war 2014 Teilnehmerin einer von mir geleiteten Frauenreise. Wir sind in lockerem Kontakt geblieben und haben uns hier nun wiedersehen können. Wir waren damals mit Nawang bei der Kaschmirwollverarbeitungsmaschine gewesen und somit musste ich sie auch noch in seinen Laden schleppen. Beide erinnerten sich nciht mehr aneinander, aber wir hatten trotzdem eine nette Zeit miteinander.

 

 

Eigentlich fällt es mir gar nicht so wirklich auf, ob ich deutschsprachige Kontakte oder auch zumindest andere westliche Personen als GesprächspartnerInnen habe – außer dass mich mal jemand vor Jahren gefragt hat, wie ich das bloß mache ohne so den direkten Austausch. Ich vermisse tatsächlich nix – ob das wegen Chat-Austausch usw. so ist, dass das ausreicht oder ob es das Alter und die Gewöhnung ist?

 

Und dann gibt es hier noch eine heftige Geschichte. Drogensucht wird hier immer mehr Thema. Und letztens war eine junge Frau zusammen mit einigen anderen dabei, was zu konsumieren und sie erwischte eine Überdosis. Statt medizinische Hilfe zu suchen, haben die anderen ihren Körper in ein Auto gelegt und versucht sie irgendwie loszuwerden. Am Ende sind sie recht hoch Richtung Kahrdong-la gefahren und haben dort versucht, die Leiche zu verbrennen. Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen: ReachLadakh.

 

Frau Physio sagte, ich müsse mich ca. noch 2 Wochen gedulden, bis ich soweit geheilt sei, dass ich wieder gut wandernd unterwegs sein könne. Also versuche ich jetzt hier im kleineren (Bewegungs)Rahmen zu interessanten Erlebnissen zu kommen. Dafür wollte ich am nächsten Tag zu einer hiesigen Freundin fahren. Und schon da entdeckte ich viel Neues! Ich bedaure es zwar immer noch, nicht ordentlich trekken gehen zu können, aber es scheint einige Alternativen zu geben, die mir gut taugen.