Lo Manthang -> Chhusang – Wer die Tara erkennt, wird mit einem Khatak geehrt

9. August 2026

 

 

3 Nächte waren wir in Lo Manthang und hätten noch bleiben können. Unsere Wirtin war am Anfang ziemlich erkältungsgeplagt, aber zum Abschied ging es ihr etwas besser und sie verabschiedete uns herzlich mit Khataks.

 

 

Dann fuhren wir los. Für den Rückweg hatten wir uns den Abstecher zur Ghar Gompa erbeten. Die Fahrt war ziemlich beeindruckend.

 

 

 

 

 

Ghar Gompa gilt als ältestes tibetisch-buddhistischen Klöster der Welt und steht in direkter Verbindung mit der Gründung des Samye-Klosters in Tibet. Und zwar wollte König Trisong Detsen im 8. Jhdt. das erste tibetisch-buddhistische Kloster in Samye bauen. Aber es war verflixt: Die Bauarbeiten wurden ständig durch Erdbeben, Erdrutsche und böse Geister gestört, die das Tagwerk nachts wieder zerstören. Also musste da die Superpower ran und man rief Padmasambhava. Dieser erkannte die fiese miese Dämonien über Tibet und Mustang, die am Werke war. Also zog Padmasambhava los, fand die Dämonin bei Dhakmar und tötete sie (darf man im Buddhismus Dämoninnen töten?). Ihr Blut färbte die Felsen rot und ihre Innereien und Herz bildeten Hügel, wo man dann erfolgreich die Ghar Gompa errichtete. Und weil nun alles gut war, konnte man auch in Samye das zweitälteste Kloster bauen.

 

 

 

 

Wie in den anderen Klöstern durfte man drinnen nicht fotografieren. Eigentlich hatten wir vor, von hier über einen kleinen Pass nach Dhakmar zu wandern und von dort mit dem Auto abgeholt zu werden und weiter zu fahren, aber zwei fühlten sich ziemlich daddelig und so sind wir alle im Auto wieder zur Hauptstraße zurück und weiter gefahren. Dafür legten wir in Chharang einen Stopp ein und spazierten durch das Dorf. Wie die meisten anderen bisherigen Dörfer war auch dieses erstaunlich leer.

 

 

 

Chharang war früher mal die zweite Hauptstadt der Gegend. Lo Manthang war Festungsstadt und Chharang einfach nur so ein großer fruchtbarer Ort mit Palast und großem Kloster. Das Kloster ließen wir rechts liegen, wir hatten genügend angeguckt.

 

 

 

Aber in den Palast konnte man auch rein und erstaunliches entdecken. Außer 2 Räumen war nichts hergerichtet und diese beherbergten einige Besonderheiten. In einem gab es Stiefel, Helm und Rüstung (Kettenhemd – erstaunlich, dass das auch hier genutzt wurde) von ganz früher sowie eine mumifizierte Hand. Es herrschte ein Fotoverbot, aber ich durfte doch eines von der Hand machen. Sie soll dem früheren Baumeister gehört haben.

 

 

Der andere Raum war quasi der Klosterraum mit einigen Statuen. Das hier soll Ame Pa, der erste König sein.

 

 

Die anderen Statuen war bekannte buddhistische Gottheiten. Ein älterer Mann zeigte uns alles und die letzte Statue sollte ich raten, welche es sei. Das war ziemlich einfach, eine typische Darstellung der Tara. Das hat den Mann ungemein begeistert, dass ich das wusste und er löste einen Khatak und band ihn mir um und freute sich riesig.

 

 

Dann gab es noch ein Wandgemälde, wo einen die Augen – egal wo man ist – direkt angucken.

 

 

Im Treppenhaus waren sehr verblasste Wandmalereien und ich denke, es wäre schön, wenn da auch jemand Geld und Arbeit reinstecken würde.

 

 

Vor dem Palast gab es einen Teich.

 

 

Und daneben war ein Aussichtspunkt. Toll! Also der Blick in die Landschaft mit weit unten auch Höhlen zur Besichtigung sowie einem Blick zurück auf den Palast. Die Höhlen erkennt man auf dem Foto nicht. Aber prinzipiell gut zu wissen, dass sie da sind – so täte sich ein Aufenthalt hier auch gut lohnen.

 

 

 

 

 

 

Es war Mittagszeit und wir kehrten noch etwas ein. Dabei trafen wir ein erstaunliches nepalesisches Paar, die viel Zeit und Geld aufwendeten, ihr Land zu erkunden. Nepal hat 77 Distrikte – er war schon in 75 gewesen, sie erst in 65. Hier wollten sie trekken und zwar über den über 6.000er Pass Seribung-la nach Osten und dann über die östliche Annapurnaseite wieder nach unten. Nette und interessante Leute, schade, dass die Erzählzeit nur kurz war.

 

Dann fuhren wir weiter nach Chhusang. Im Prinzip war die Landschaftsfotolaune nicht mehr so da, mit den tiefstehenden Wolken kamen mir die Motive zu ähnlich vor. Es war interessant, die gleiche Strecke wieder zurück zu fahren. Wo wir vorher nur mit großen Stauneaugen die verschiedensten Bergformationen beguckten, hatten wir uns inzwischen dran gewöhnt, dass es so großartig um uns herum war. Nur diese Schlängelstraße, die wollte ich noch aufnehmen.

 

 

 

 

Chhusang ist der Ort, wo dieses aufwendige teure Permit kontrolliert wurde. Und das hier ist das Kontrollhäuschen:

 

 

Danach wollte das nie wieder jemand sehen. Wenn wir allerdings ohne Guide unterwegs waren, wurden wir schnell gefragt, wie er/sie denn sei. Dann haben wir gesagt, dass es ihr nicht so gut geht. Wir hatten uns damit abgefunden, dass sie nicht sonderlich hilfreich war, aber uns doch immer wieder gewundert, wie wenig Neugier und Interesse sie und auch ihr Sohn zeigten. Weil – gekannt hatten sie es ja auch nicht, er war noch nie hier gewesen und sie nur 2-3 Mal mit Kundschaft, die nur Lo Manthang und Chhoser angeguckt hatten.

 

In Chhusang übernachteten wir, wo wir auf dem Hinweg schon Mittag gegessen hatten. Der Gastraum war wirklich nett und gekocht wurde sehr gut, aber ansonsten war es eher sehr einfach. Der Wirt wohnte dort auch nicht wirklich, er war aus Pokhara und hatte es gepachtet oder so. Er war ein Nachbar von Shankar und die beiden freuten sich und schwätzten miteinander. Der Wirt hat mir dann auch in 5-10 min seine gesamte komplizierte Lebensgeschichte erzählt mit einem Restaurant in Qatar, wo er bei Corona alles verloren hatte und was seine Tochter dazu sagte („na wenigstens war es nur dein Geld und nicht noch das der ganzen Verwandtschaft“) und wo er sonst überall gearbeitet hatte und bald wolle er wieder nach Chandigarh, das wäre sowieso seine Lieblingsstadt in Indien.

 

Shankar hatte 4 Jahre in Malaysia gearbeitet und prinzipiell haben wir soooo viele Nepalesen gesprochen, die irgendwo auch jahrelang gearbeitet hatten und das war schon ziemlich anders und speziell und wir haben über die nepalesische Gesellschaft nochmal anders nachgedacht.

 

 

 

Abends haben wir wieder gespielt und sonst weiß ich gerade nix mehr von dem Tag.