Lo Manthang – Der Kopf wird vollgestopft obwohl er ein Sieb ist

7. August 2026

 

 

Morgens schaute ich aus dem Fenster und wunderte und freute mich: die Sonne schien! Was für ein seltener Anblick! Frohgemut ging es los. Direkt um die Ecke fuhr einer Skateboard.

 

 

 

 

Und dann ging es hinein in die ummauerte Innenstadt. Es war sehr sehr wenig los. Fast alles war geschlossen und nur ein paar Leute unterwegs.

 

 

 

 

Zeit für ein bisschen Geschichte:  Um 1380 wurde von dem Krieger Ame Pal nach Vereinigung der Stämme in der Gegend das Königreich Lo gegründet, die Hauptstadt Lo Manthang errichtet, der tibetische Buddhismus etabliert und sich selbst gab er den Titel Gyelpo = König. Die Lage war super für den Handel von Salz, Wolle und Getreide hauptsächlich zwischen Tibet und Indien. Das brachte Wohlstand und diverse Klöster. Ende des 18. Jahrhunderts entstand das noch größere Königreich Nepal und Mustang wurde quasi verschluckt. Allerdings behielt es sich eine eigene Autonomie vor und der König konnte weiter regieren – musste jedoch Abgaben zahlen.

 

Mit der chinesischen Besetzung Tibets wurde die Grenze zu Tibet geschlossen. Der Handel kam zum Stillstand, aber Mustang wurde plötzlich zu einer strategisch wichtigen Grenzregion. Tibetische Flüchtlinge und auch bewaffnete tibetische Widerstandskämpfer, die sogenannten Khampas, kamen über die Pässe und agierten hier. Nach deren Entwaffnung 1974 wurde das Gebiet zum streng geschützten Sperrgebiet und für Ausländer komplett gesperrt. Erst 1992 öffnete sich Mustang wieder für Reisende – unter strengen Auflagen und hohen Gebühren.

 

2008 wurde die Monarchie in Nepal abgeschafft und damit auch der offizielle Status des Königs von Mustang aufgehoben. Der letzte König starb 2016, doch seine Familie genießt in der Bevölkerung bis heute hohes Ansehen.

 

Wichtig für die Entwicklung von Mustang ist die Straße. Bis in die 2000er-Jahre war die Region nur zu Fuß erreichbar. Ab 2007 entstanden erste Pisten, bevor 2016 der staatliche Ausbau der Route von Kagbeni über Lo Manthang bis zum 4.660 Meter hohen Korala-Pass begann. Heute existiert hier eine durchgängige Piste, und seit Ende 2023 ist der Grenzpass nach China wieder geöffnet.

 

Da die schmalen Süd-Schluchten für große Trucks unpassierbar sind, sichern seither kleine Allrad-LKW den Warentransport und lösten die alte Tauschwirtschaft endgültig ab. Neben dem Güterverkehr brachte die Straße Mobilfunk sowie Netzstrom in die Dörfer – sowie neben den Trekkingtouristen auch die in Jeeps. Der Tourismus ist heute mit einem Anteil von gut 50 % der wichtigste Wirtschaftszweig in Ober-Mustang, gefolgt von der traditionellen Landwirtschaft (ca. 30 %) zur Eigenversorgung und dem regionalen Handel (ca. 20 %).

 

Puh, da kann einem schon ein wenig der Kopf rauchen und man könnte in jedes Detail weiter einsteigen. Wir setzten statt dessen noch einen drauf und erweiterten unser Wissen mit dem Besuch der Klöster in in Lo Manthang. Es gibt ein großes bewohntes Kloster, das Choede Kloster, mit Museum und 2 alte restaurierte Tempelgebäude. Im Eintritt inklusive sind Mönchsguides, die einem alles erklären. Fotos sind innen verboten. Dafür fing im Choede-Kloster gerade die Schule an.

 

 

 

 

 

Das Kloster gehört wie die meisten in der Gegend dem Sakya-Orden an, einer tibetisch-buddhistischen Richtung, mit der ich mich bisher am wenigsten befasst hatte (in Ladakh gibt es nur 2 Sakya-Klöster). Eine der wichtigsten Gottheiten im Sakya-Buddhismus ist Mahakala, eine zornvolle Schutzgottheit. Der ist an vielen Wänden und als Statue abgebildet. In einem Raum staunten wir über die 108 Mandalas, die wahnsinnig aufwendig ab den 1990ern von einem Italiener und seinem Team restauriert wurden. Die Details vom Meister: Wahnsinn! Und der Detailreichtum, mit dem der erst 19jährige Mönch uns alles in tollen Geschichten erklärte war auch super! Nur ist mein Kopf ein Sieb, aus dem voll viel wieder rausgefallen ist.

 

Hier ein paar Bilder von außen – und der tolle Mönch. Von dem hätte sich unsere Guide eine Scheibe abschneiden können.

 

 

 

 

 

 

Aber ich glaube, ich muss vieles einfach öfter lesen und hören – und dann setzt es sich auch besser fest in meinen aktiven Wissensschatz. Trotz dass alles wahnsinnig interessant war (im Prinzip versuchten wir wohl, Wissen besser verteilt auf 1 Woche in 2 Stunden zu erfassen) oder vielleicht auch gerade deswegen, waren vir voll schlapp und brauchten Pause mit Espresso, leckersten Kartoffelpuffern und Zimmerruhe.

 

Danach ging es – ohne Sonne – nochmal los. Ziel: das Namgyal-Kloster gegenüber vom Fluss auf einer Anhöhe. Gehen war gut.

 

 

 

Im Kloster haben sie gerade eine tagelange Mahakala-Puja, die war vorbei, als wir kamen. Ein Mönch zeigte uns die Räume und viel blieb nicht in Erinnerung außer tatsächlich einer flackernden bunten Disco-Lichter-Birnen-Reihe im großen Raum – weil doch echte Flammen auch so flackern…..

 

Und weil das alles so viel Input war an diesem Tag war (ich fürchte, so richtig gut habe ich es nicht rüber gebracht, ich bin immer noch gefangen im Hirnwusel), beende ich diesen Blogeintrag jetzt mit Landschaftsbildern von dieser Spazierwanderung. Weil – über die Berge und ihre Ruhe hier staune und freue ich mich andauernd. Guter Ausgleich.

 

 

 

 

 

 

 

Ob sich die Sonne am nächsten Tag wieder durchkämpfen würde? Das wäre doch schön!