Manali – Der Duft von Äpfeln und Zedern

20. – 22. August 2026

 

 

Der Monsun hatte sich die Tage tatsächlich etwas zurück gezogen. In Trocken gefällt es mir auch alles eindeutig besser. Markus ist aus Ladakh gekommen auf dem Weg nach Delhi, von wo er – wie ich – nach Nepal ausreist wegen der Visabestimmung, nach der man nur 90 Tage am Stück in Indien sein darf. Danach will er wieder einreisen.

 

 

Wir hatten uns 2014 hier kennengelernt und er hatte Kontakte geknüpft zu Leuten, die einen Musikinstrumentenladen betrieben und Trommeln hergestellt haben, und ich hab die auch ein bisschen kennengelernt, aber nur ein bisschen. Markus dagegen hat sie sehr intensiv kennengelernt und noch viel viel Zeit mit denen dort, in Chandigarh und in Goa verbracht und das ist so eine lange und tolle Geschichte von der ich hoffe, dass er sie mal der Öffentlichkeit erzählt.

 

Hier sind wir zu einem Musikshop gegangen, der jetzt von einem Sohn von damals betrieben wird. Der war nett und charmant und es kamen auch manchmal Leute rein, aber so wirklich super läuft das Geschäft nicht. Wobei mich wundert, dass es überhaupt läuft und Menschen auf Reisen kleinere und größere Musikinstrumente kaufen.

 

 

 

Am nächsten Tag wollte ich hübsch meinen Videoclip für Youtube fertig schneiden, musste aber feststellen, dass ich zu einem Thema zu viel Text und zu wenig Bildmaterial hatte. Das machte mich grummelig. Ich ging nach Haupt-Manali runter und habe mir das Material noch zusammen gefilmt. Das war ganz nett, weil ich nämlich noch mich beim Friseur brauchte, allerdings hielt mein Haarschnitt noch sehr gut und ich wollte da eigentlich erstmal nix kürzen lassen. Was nun? Ich hab dann einfach um eine Kopfmassage gebeten und das passte dann gut.

 

 

 

 

Am Folgetag hab ich dann endlich den Clip fertigstellen können und bei Youtube hochgeladen.

 

Außerdem bin ich zum Airtel-Office gegangen. Ich hatte ja noch meine SIM-Karte aus Ladakh, die mir die Dame in Delhi wieder zum Laufen gebracht hatte. Und die wollte wieder aufgeladen werden. Allerdings hieß es, dass auch diese Karte nach 90 Tagen abgeschaltet werden sollte und ich eine neue erwerben müsse. Da fand ich es am besten, gleich direkt im Shop nachzufragen. Dort saßen zwei nette Menschen herum, checkten und seufzten. Meine Postpaid SIM würde um Mitternacht zum 24.8. auslaufen. Ich könne nicht mehr verlängern. Ich müsse mir eine neue kaufen. Aber Postpaid könne ich nur in Ladakh direkt erstehen, hier wären ihnen die Hände gebunden, sie können mir nur eine SIM verkaufen, die in Ladakh nicht funktioniert. Da habe ich mich wieder furchtbar über das anstrengende Indien aufgeregt, welches einem angenehmen Aufenthalt Steine in den Weg legt, die man nicht wirklich versteht.

 

Am Abend war ich mit Markus bei Mr. Sharma, seiner Frau und seinem Sohn zum Abendessen eingeladen. Von den Gastgebern habe ich gar keine Fotos gemacht, nur eines vom sehr leckeren Essen und es gibt 2 Bilder von mir.

 

 

 

Mr. Sharma hat früher in Zanskar die Schule geleitet, wo ich so oft war und ist aber vor Jahren wieder heim gekehrt, wo er jetzt in einer kleinen Dorfschule um die Ecke den Berg hinauf unterrichtet. Es gibt positive Entwicklungen. Die Lehrkräfte müssen im Jahr 50 Stunden Fortbildung absolvieren und somit wandelt sich der Unterricht vom vorherigen überwiegend auswendig-lernen zum richtigen verstehen. Er ist mit seinem jetzigen Schullehrer-Dasein sehr zufrieden.

 

Außerdem lernte ich ein bisschen mehr über die Drogen im Kullutal. Es war schon immer Hochburg für Cannabis. Handgeriebenes Cannabis, Charas genannt, wird insbesondere in abgelegenen Tälern produziert, wo zB nicht so viele Äpfel wachsen und bringt auf dem Schwarzmarkt ein gutes Einkommen. Früher fand es sogar viel offener im Haupttal statt, aber es ist ja verboten und so bemüht sich die Polizei, das durchzusetzen. Allerdings ist die Gegend voll von schwerer zugänglichen Seitentälern und das Geschäft boomt weiterhin. Ein Teil geht direkt an TouristInnen, deren Reisetätigkeit Konsum beinhaltet. Allerdings sind das nur 15-25% der Gesamtproduktion, der Rest findet seinen Weg in indischen Metropolen und die internationale Welt hinaus. Für Leute vor Ort ist der Verkauf an Reisende super, da man direkt den Gewinn einstreicht.

 

Ein neues Problem im Kullutal sind die von außen reinkommenden Drogen, hauptsächlich Chitta, ein extrem unrein gestrecktes, synthetisches Heroinpulver, schnell abhängig machend. Während Cannabis auch von den Älteren viel traditionell und eher kontrolliert konsumiert wurde, schwenkt die Jugend um auf „Freizeitdroge“ und wird tatsächlich auch viel leichter DauerkonsumentIn und abhängig. In Ladakh wird sehr offen vor Drogen gewarnt, hier im Kullutal bekommt man es als Außenstehende nicht so mit. Aber Sharmas erzählten, dass es schon ein arges Problem sei.

 

Was lustig war: als ich gegen 20:30 fragte, wie es denn mit dem Heimkommen per Bus sei (Sharmas wohnen ca. 20 km entfernt von Manali) wurden wir mit großen Augen angeschaut. Wir würden doch selbstverständlich bei ihnen übernachten! Für mich ist sowas ja überhaupt nicht selbstverständlich und ich bin nicht so unkompliziert und mag nicht so spontan ohne meine Zahnbürste, Medikamente, Schlafanzug usw. einfach woanders schlafen. Und so wurde dann ein taxifahrender Nachbar engagiert, der uns wieder zurück brachte.

 

Am Folgetag hab ich einen Sitz im Shared Taxi für den 23. August nach Leh gebucht. Dann könnte ich gleich am 24. eine neue SIM kaufen. Ich finde es – außer auf Trekkingtouren usw. – inzwischen zu beschwerlich, ohne funktionierende SIM zu sein und unterwegs möchte ich mit Menschen Nachrichten schreiben und Sachen gucken usw.

 

Und ich muss gestehen, dass ich mich doch sehr daran freue, wenn es gute eher internationale Essenauswahl gibt. Ein Pluspunkt für mich in Touri-Gebieten. Siehe diesen Teller. Das Getränk heißt Lemonana, das finde ich nicht nur wegen dem Namen oberlecker.

 

 

Am Nachmittag hatte ich mich mit Raju für eine letzte kürzere Tour verabredet – ich musste ihm sowieso noch sein Gehalt geben. Allerdings wurde die Tour unfreiwillig noch kürzer bzw. wurde bald nach Start abgebrochen. Ich war unachtsam und habe nicht gecheckt, dass man bei „Schmierlehm“ auf festem Unterrgrund sehr vorsichtig sein muss, da es wahnsinnig glatt ist, wenn es so feucht wie jetzt im Monsun ist. Und so habe ich mich auf einem Felsen lang gelegt und mein Arm hat geschmerzt.

 

 

Zum Glück war nix gebrochen oder schlimmer verletzt sondern nur geprellt und geschrammt. Das Geschrammte wollte ich gerne desinfizieren und einen Verband drum machen. Also sind wir zu einer Apotheke. Die erste in Old Manali zeichnete sich aus durch einen sehr unfreundlichen nicht-hilfsbereiten Verkäufer. Außerdem hatte er nicht einmal Verbandsmaterial, nur kleine Pflaster. Die zweite Apotheke war geschlossen. Wir mussten ganz nach Hauptmanali, wo ich lernte, dass Apotheken einem nicht Wunde reinigen und verbinden dürfen. Man darf nur die Zutaten erstehen und muss es dann selber machen. Aber immerhin hatte er das Material und war auch freundlich.

 

Am Abend verabschiedete ich Markus zu seinem Bus nach Delhi (er hat unabhängig von mir auch Flixbus gewählt, der war halbvoll und Markus zufrieden). Schon lustig, sich immer mal wieder in Indien zu treffen (2017 waren wir uns auch begegnet), wobei wir auch nur bedingt gut miteinander klar kommen. Aber für so kürzere Zeiten ist es durchaus immer sehr interessant und auch oft amüsant. Er geht einfach einen arg anderen Weg durch Indien, ist da inzwischen sehr spirituell involviert.

 

Ich habe in den Tagen sehr wenig fotografiert, hier sind noch 2 Bilder:

 

 

 

Das Kullutal ist für mich absolut gegensätzlich. Diese enorme Bautätigkeit, der wahnsinnige Tourismus (jetzt im Monsun waren allerdings wenige Reisende unterwegs), das viel zu volle Tal, die schlechten Straßen usw. treiben mich in den Widerwillen. Aber um die Ecke betören mich weiterhin ruhige Natur, schöne Berge, der Geruch von Zedern und Äpfeln sowie nette Leutebegegnungen und vorhandenes ruhiges Dorfleben.

 

Erstmal war es das mit dieser Region, aber mal schauen, wie es konkret alles weiter geht. Ich habe noch 2 Monate und paar Tage und meine Kaschmirwanderpläne haben sich ja zerschlagen. Erstmal war ich gespannt, wie es mir nun dauerhafter in Ladakh gehen würde mit meinem Asthmaspray und Tabletten.