Manali -> Gondhla – ein Tunnel, ein Fort, ein Kloster

19. + 20. Mai 2026

 

 

Mir war übrigens gleich am 1. Tag in Manali die Sonnenbrille am Bügel kaputt gegangen. Und was in Indien so absolut super ist: man findet ganz schnell jemanden, der das reparieren kann! Hier ist im 1. Stock ein Optiker, der das verlorene Schräubchen hatte, es alles ordentlich einsetzte, die Brille putzte – und 50 Cent dafür haben wollte. Ich hab derweil ein Bild auf die Fußgängerzone gemacht.

 

Manali ist ja total voll von Tourismus. Die Leute, die daran verdienen, sind aber seltenst von hier. Auch Taxi- und Tuktuk-Fahrer, Guides, Köche, Hotelmanager – sie kommen fast alle von außerhalb. Die Leute hier verdienen entweder über Verpachtung – oder von dem, was sie schon früher gemacht haben: Land- und Viehwirtschaft. Wobei Landwirtschaft hauptsächlich Obstbäume sind – die Äpfel von hier sind (zusammen mit denen aus Kaschmir) landesberühmt. Geht allerdings kaum noch ohne Pestizide und so. Und dann habe ich von Raju auch gelernt, wie fluktuierend das Wirtschaftsleben hier ist. Besitzer wechseln, man hört wieder auf, investiert neu, wandert aus, wandert ein usw. Und es wird immer noch gebaut und gebaut! Auch zu nah am großen Beas Fluss, wo es jährlich Überschwemmungen gibt, die Gebäude einstürzen lassen.

 

 

Was dagegen wirklich seltener geworden ist, sind die öffentlichen Busse. Das finde ich sehr bedauerlich, da es eigentlich eine sehr gute günstige Möglichkeit ist, hin und her zu fahren. Ich mag auch die Atmosphäre am Bushof.

 

 

 

 

Immerhin konnte ich mit einem öffentlichen Bus zu meiner nächsten Destination fahren – und das klappte prima. Ich war zeitig da und ergatterte einen guten Sitz vorne zwischen lauter lustigen Frauen, die mir Aprikose und Chips schenkten – und Lachen. Der Bus war zuerst proppenvoll und quälte sich durch die proppenvollen Straßen bis er etwas weiter das Tal hinaus immer leerer wurde.

 

Früher fuhr man nach Norden immer über den Rothang-Pass, der im Winter so voller Schnee war, dass man ihn immer erst spät räumen konnte. Dann hat man 10 Jahre lang einen Tunnel gebaut, der 2020 eingeweiht wurde. Der Atal Tunnel ist 9,2 km lang und hier kann man noch mehr über ihn lesen: Wikipedia. Davor war Lahaul viele Monate von Restindien abgeschnitten, jetzt kann man ganzjährig dorthin reisen. Das plus die seit Corona vermehrt in den Himalaya reisenden InderInnen verändern das Leben der Leute gewaltig. Die Straße ist übrigens in recht gutem Zustand und wird eifrig befahren – von Motorrädern, bequemen Taxis, Privatautofahrenden InderInnen und ein paar Lastern.

 

 

 

 

Keylong ist die Distrikthauptstadt von Lahaul. Auf dem Weg dahin befinden sich ein paar Dörfer. Als ich 2024 vom Zanskar-Trek kommend mit dem Auto durchfuhr, staunte ich schon nicht schlecht – siehe hier mein Blogpost. Ich hatte mir schon damals vorgenommen, mir das näher und langsamer anzuschauen. Im Internet fand ich eine Unterkunft in Gondhla, die als warmherzig usw. beschrieben war. Leider musste ich wieder lernen, dass Erwartungen Enttäuschungen hervorbringen würden – es war bei weitem nicht so herzlich wie ich mir erhofft hatte. Aber diesmal musste ich nicht mehr weinen. Es war schon etwas seltsam – ich ging gleich im Dhaba nebenan zum Mittagessen und auch dort war man eher griesgrämig als fröhlich.

 

 

Ich befand mich nun auf 3.200 m – prima zum akklimatisieren! Aber hier nochmal eine kleine Einordnung: Lahaul & Spiti waren früher 2 getrennte Regionen, die von den Briten verwaltungstechnisch zusammengelegt wurden. Es ist der flächenmäßig größte Distrikt in Himachal Pradesh, aber einwohnermäßig sehr klein. Wenn man durch den Tunnel kommt, biegt man nach Osten nach Spiti ab – oder nach Westen, wo man schon in Lahaul ist. Beide Gegenden sind sehr unterschiedlich, ich schreibe hier jetzt nur über Lahaul. Die Bergkette zu dieser Region schirmt zum einen schon etwas Monsun ab und es ist viel trockener als auf der Manaliseite. Zum anderen ist es auch eine Religionsscheide, hier dominiert der Buddhismus. Es gibt aber auch noch einiges an Hinduismus – zB hatten die in der Unterkunft, wo ich war, hinduistische Namen und im Wohnzimmer aber Poster von Shiva und Buddha.

 

Ich spazierte durch Gondhla. Hier leben um die 300 Leute, die überwiegend Land- und Viehwirtschaft betreiben (und neuerdings Unterkünfte für Reisende). Außerdem gibt es eine Sehenswürdigkeit: das Gondhla Fort – markant und imposant gelegen. Man kann rein, aber im Erdgeschoss war nicht viel – aber reich verzierte Türrahmen. Man hätte auch nach oben klettern können, aber das war mir zu abenteuerlich. Bisschen schade.

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt 2 unterschiedliche Entstehungsgeschichten zum Fort: Nach der bekannteren historischen Version ließ Raja Man Singh von Kullu das Fort um 1700 nach seiner Heirat mit der Tochter des lokalen Thakurs errichten. Eine andere lokale Überlieferung sagt dagegen, dass das Fort deutlich älter sei und von Thakur Rattan Pal erbaut wurde, der aus der Gegend von Kangra nach Lahaul gekommen sein soll und dort die Herrschaft übernahm. Im 20. Jahrhundert wurde es jedenfalls als Wohnsitz aufgegeben.

 

Ansonsten fiel mir an dem Ort eher die Schmucklosigkeit auf. Während viele Himalayaorte hübsche Häuser haben, kleine Gärten anlegen oder es sonstwie verschönern, war hier davon wenig zu sehen. Auch Menschen waren wenige zu sehen – und die paar Leute lächelten mir auch nicht zu. Ich war verwundert.

 

 

 

 

Aber die Landschaft war großartig und der nächste Tag wurde definitiv besser. Von meinem Fenster hatte ich diesen Ausblick:

 

 

Das ist das Sila-Kloster und dorthin spazierte ich. Das war ziemlich spannend. Eine kleine Schotterstraße führt dorthin – und dann muss man den Rest steil und schmal hinauf steigen.

 

 

Und oben überraschten mich dann eine Handvoll Nonnen. Sie gehören dem Gyalwang Drukpa-Orden an und sind jeden Sommer hier. Im Winter sind sie entweder im Ort unten oder gehen nach Nepal für weitere Studien. Sie brachten mir gleich ein Glas Wasser, später noch einen Saft und eine Mittagseinladung bekam ich auch – aber für letzteres war es mir noch zu früh und überhaupt. Aber ich habe besichtigt und die Landschaft, Ruhe und den Ausblick genossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier wohnen die Nonnen – es gibt Solarstrom, Wasser, Empfang – und zumindest bei gutem Wetter ist es ein sehr idyllischer Ort. Eine Nonne konnte Englisch und erzählte mit mir. Tashi Dolkar ist 37 (ich hätte sie auf Anfang 20 geschätzt) und aus dem Miyar-Valley. Dort hat sie in ihrer Jugend beschlossen, Nonne werden zu wollen.

 

 

 

 

 

Irgendwann musste sie loseilen, weil jemand mit einem Motorrad kam und ihr Sachen brachte, die sie abholen musste. Kommuniziert wurde per Handy. Schon interessant. Also einerseits voll abgelegen, andererseits aber doch verbunden. Besuchende kommen sehr sehr selten. Ich finde, es lohnt sich schon, sich für beides Zeit zu nehmen, also Fort und Kloster.

 

Dann stieg ich wieder runter, querte den Ort und kam woanders an der Hauptstraße wieder hoch, wo ich ein Mittagessen bei einer freundlichen Frau hatte, die ich aber leider nicht fotografierte. Nur mein Essen. Einer der leckersten Alu Paranthas! Sie betreibt seit 2 Jahren dieses kleine Restaurant und einen Homestay hat sie auch.

 

 

Nach einer Zimmerrast spazierte ich nochmal los in einen weiter oben gelegenen Ortsteil. Es waren manche Leute auf den Feldern beschäftigt. Kartoffeln einbuddeln und die Felder für die Saat vorbereiten. Interessant fand ich auch die sehr guten Gewächshäuser.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fazit: es lohnt sich, hier zu verweilen, aber es war nicht soooo lieb, wie erhofft.

 

Am Morgen haben wir noch ein paar Bilder in der Unterkunft gemacht:

 

 

 

 

 

Zu meiner körperlichen Verfassung: trotz Sonnencreme hatte ich mir hier schon den 2. Sonnenbrand eingeholt (ich fürchte, ich habe nicht ordentlich gecremt) und mein Sauerstoffgehalt im Blut war bei Ankunft 88, bei Abreise 94 – also gut.

 

Und danach zog ich weiter – und wurde in Keylong etwas überrascht. Davon dann im nächsten Blogpost 🙂