Nepal – Mustang – Nach der Reise

21. August 2026

 

 

Es ist ein bisschen komisch, wenn man nach einer in sich geschlossenen Spezialreise woanders hinfährt und dann weiter reist. Dann sammelt man noch mehr Reiseeindrücke an, statt die vorherigen ordentlich verdauen zu können. So jedenfalls geht es mir. Ein ladakhischer Bekannter sagte beim Anblick meiner Bilder „Same same but different“. Und so ungefähr ging es mir auch. Als karge Hochgebirgswüste mit überwiegend tibetischem Buddhismus ähneln sich Ladakh, Zanskar, Spiti und Upper Mustang sehr. Mir kam es auch vor wie eine Ergänzung zu mir bereits bekannten Gegenden. Größte Differenz: Upper Mustang liegt in Nepal. Wie Zanskar und Ladakh ist es ein ehemaliges Königreich, aber wo bei den beiden letzten die Könige schon ewig an Macht verloren hatten, musste in Upper Mustang der letzte König erst 2008 abdanken.

 

Ich vergaß jedenfalls manchmal, dass ich in Nepal bin und nicht in Indien, so ähnlich war Vieles. Wegen seiner Abgeschiedenheit wird Upper Mustang heute oft als eine der am besten erhaltenen tibetisch-buddhistischen Lebenswelten beworben. Und es kann gut sein, dass mich dieses auch angezogen hatte. Aber man merkt dann doch, dass es als Handelsknotenpunkt für Salz usw. sowie dem Anschluss an Nepal nicht so homogen isoliert ist und war, wie es den Anschein hatte. Und heute finde ich ungemein interessant, wie es mit zumindest dem Wareneinfluss von China und dem immer mehr erstarkendem Tourismus zurecht kommt. Und damit bin ich wieder beim großen „leider-leider“ der schlechten Guide und aber auch der eigenen Unfähigkeit, nicht in besseren Kontakt mit den Leuten gekommen zu sein.

 

 

Für mich fühlt sich diese Reise im Prinzip eher wie ein Teaser an und nicht wie ein „kenn ich jetzt“. Wobei man natürlich nie ein wirkliches „kenn ich“ nach einem Aufenthalt sagen kann, aber hier fehlt mir, trotz dass es so ein kleines Gebiet ist, noch einiges. Außer landschaftlich, da habe ich schon das Gefühl, einen guten Eindruck bekommen zu haben. Am meisten hat mich doch das viele grün im Westen überrascht.

 

Ich hatte den Drang, jetzt nach Mustang zu reisen, wo es durch das teure Permit und die Guidepflicht noch verhältnismäßig wenig Tourismus hat. Meine Vermutung ist, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird (insbesondere geringere Permitgebühren) und durch die vielen positiven Reiseberichte und Bilder der spektakulären Landschaft immer mehr Reisende kommen werden. Die Infrastruktur mit bequemen Unterkünften, guter Essenauswahl und sicherlich immer besser werdender Straße ist ja schon vorhanden.

 

Auch wenn mich die fette Wolkendecke mismutig machte, war ich doch auch froh um unsere Entscheidung im Monsun zu kommen, da es nochmal besonders leer war. Wir hatten quasi Mustang für uns und das war ein gutes Reisegefühl.

 

 

Was ein bisschen verwirrend ist: man nennt diese Permitgegend immer einfach Mustang, aber korrekter wäre, von Upper Mustang zu sprechen. Es gibt ja auch Lower Mustang, d.h. die Gegend zwischen Ghasa und Kagbeni. Die war in meiner Wahrnehmung immer einfach „Annapurna-Gegend“ wegen der klassischen Annapurna-Umrundung und dem bereits langen Bestand auf der touristischen Landkarte. Immerhin kommt man ja bei einer Upper Mustang Reise auch immer durch Lower Mustang, besucht also wirklich Gesamt-Mustang.

 

Prinzipiell finde ich jedenfalls beide Mustangs sehr interessant und denke, dass man da noch viel viel mehr entdecken kann und sich auch unbedingt die Zeit nehmen sollte eher sogar noch langsamer als wir zu reisen. Würde man mich nochmal in die Gegend einladen: ich glaube, ich würde gerne kommen wollen.

 

Ute kannte ich von Kirgistan und Slowenien und damals Ladakh inzwischen schon etwas besser als Reisepartnerin und bin total gerne mit ihr unterwegs. Beate kannte ich zwar auch schon aus Ladakh (wobei es nochmal anders war, da beide mich in einer Gegend besuchten, die ich gut kannte – Upper Mustang war uns allen neu), aber hier stellte sich heraus, dass wir zu dritt tatsächlich sehr gut gemeinsam reisen können. Es war so gut, dass ich nichts dagegen hätte, nochmal mit beiden auf Tour zu gehen.

 

 

Was meine Partneragentur angeht: für „das Übliche“ sind sie wirklich gut aufgestellt, das Feedback vorheriger Kundschaft sowie die Erfahrung mit dem Fahrer, der oft eingesetzt wird bestätigen das. Nur wenn es Sonderwünsche wie eine weibliche Guide gibt, da muss ich wohl mehr nachfragen und checken, ob das auch wirklich gut klappt.

 

Zumindest hatten wir was zum Beobachten und Sinnieren und Wundern, wie unterschiedlich so Menschen sind.

 

Mir wird sicherlich noch einiges weiter um Kopf rumgehen und ich werde noch mehr sacken lassen und wissen wollen – aber es wird gerade durch weitere Reiseeindrücke in Indien überdeckt. Und so freue ich mich schon auf Daheim und spätere Wintertreffen mit Ute und Beate für weitere Verarbeitung. Und freue mich aber auf jeden Fall, diese Reise genau so und auch jetzt angegangen zu sein. Früher habe ich nach jeder Reise einiges über Nepal zu meckern gehabt. Dieses Mal nicht. Kritiklos bin ich nicht, aber so langsam klettert Nepal bei mir im Ansehen und Mögen höher und das ist auch ein schönes Fazit. Vielleicht auch, weil ich mich willkommener gefühlt habe als in Indien.