
Der Himmel über Zanskar kann manchmal schon toll sein….
Der heutige Plan: zum Penzi-la fahren und dabei ein Ex-Kamerakid mitnehmen. Eigentlich hätte ich mir die ganze Strecke nach Kargil gerne angeschaut, aber es war ein bisschen umständlich, da dort keine Busse und wenig Shared Taxis fahren und meine Zeit war nun doch knapp und so bin ich da nicht gefahren. Aber vielleicht war es eine gute Idee, zumindest bis zum Pass zu fahren und da zu gucken. Früher war ich immer im Bus oder Sammeltaxi und es gab keine Zeit, dort mal länger zu stoppen.
Das Ex-Kamerakid war Lobsang. Er war in meiner Fotoklasse und tat sich damit hervor, dass er öfters vor als hinter der Linse war. Vor einigen Jahren habe ich ihn in Chandigarh getroffen, wo er studierte. Jetzt ist er fertig, wieder in Zanskar und arbeitet und engagiert sich in diesem und jenem. Ich habe mich jedenfalls gefreut, wieder etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Übrigens rennt die Zeit wirklich – er ist inzwischen 27 Jahre alt.

Unser Fahrer war ein weiterer Rinchen – und der war auch auf der SECPAD-Schule gewesen! Er war allerdings nicht in meiner Fotoklasse und hatte als Internatskind auch keine Kamera mit nach Hause bekommen – und so erinnerte ich mich leider gar nicht mehr an ihn. Später haben wir ihn auf einem Klassenfoto identifiziert. Jedenfalls war es nett, sich über Erinnerungen auszutauschen und zu gucken, von wem man weiß, was er/sie gerade macht. Rinchen war frisch verheiratet und musste ein paar Sprüche über sich ergehen lassen.
Und Guide-Rinchen und Lobsang haben rausgefunden, dass sie verwandt sind. Die kleine zanskarische Welt.
Wir fuhren erstmal zum Aussichtspunkt für den Drang Durung Gletscher, den längsten und am besten sichtbarsten Gletscher hier in der Gegend. Daheim muss ich mal gucken, ob ich ein früheres Foto von mir finde zum Vergleich, wie doll der Gletscher kleiner geworden ist. Es gab ein paar indische TouristInnen, die sich das auch anguckten. Und von mir gibt es ebenfalls ein Foto.





Und nebenan auf einem Hügel gab es ein Gebäude, was wohl als Cafeteria gedacht war, aber man hat es nicht fertig gestellt, sondern vorher wohl wieder aufgegeben. Dabei war die Lage prima und weit und breit gab es auch kein weiteres Lokal.



Dann sind wir weiter zum Penzi-la auf ca. 4.400 m. Dort soll es laut Lobsang 12 Seen geben, Mapy hat 7 angezeigt und wir haben 2 gesehen und 1 umrundet. Bei einem waren Pferde.




Wenn man mit Lobsang unterwegs ist, entstehen immer viel mehr Bilder als sonst. Netterweise auch von mir.



Der zweite See war größer. Beide sind total klar, haben allerdings ziemlich viele Algen oder sonstige Wasserpflanzen. Sie luden zum Bade, aber wir hatten nix dabei. Dafür haben wir eine Tüte gefunden – und konnten sie mit Müll befüllen.










Über den ersten See sind wir wieder zurück zum Auto. Inzwischen war da ein Mann mit einer Drohne und die Pferde gruppierten sich hübsch miteinander.



Das ist da oben total schön und man hätte noch mehr herumstrolchen können. Allerdings ist es besser, dafür ein Picknick mitzuhaben. Wir hatten nicht genug dabei und aber Hunger und mussten deswegen Richtung zurück zum einzigen Lokal auf der Strecke fahren.


Es waren Leute unterwegs, aber so wenige, dass ich dachte, die Gegend könnte noch ein wenig mehr vertragen und ein Lokal dann guten umsatz machen.
Auf uns wartete aber noch ein weiteres Highlight. Rinchen hatte gehört, es würde hier eine Paneer-Factory geben. Das war eher etwas untertrieben. Ishey, der keine große Schulbildung hat, hat hier enormes auf die Beine gestellt. In seinem Haus kann man im Homestay nächtigen. Und dann hat er:












Abgekauft haben wir ihm natürlich auch was. Die Jungs gucken auf den Bildern so ernst, aber in Wirklichkeit waren sie tief beeindruckt von Ishey und seiner Arbeit – und auch seiner Art. Ein Paar Dörfer weiter ist die „Yak-Käse“-Produktion von Sonam Dawa – und auch wenn beides super interessant ist, ist es so ein atmosphärischer Unterschied. Der Käse ist ein absoluter Wirtschaftsbetrieb und Sonam Dawa ein gewitzter Unternehmer (wir vermuten auch, dass er den Käse zu teuer verkauft) – das hier ist im Gegensatz ein Projekt mit Herz, gemeinschaftlich aufgebaut und mit günstigen Preisen.
Solche Leute zu treffen finde ich nicht nur einen Gewinn für mich, sondern ich hoffe, dass er auch andere Zanskaris inspiriert. Ich fände ja zB ein Cafe schön mit u.a. neuen Gerichten aus traditionellen Lebensmitteln – auf dem Weg zum Penzi-la.
Während wir auf Ishey warteten, haben wir noch ein bisschen Kamerakidz-Filme auf Youtube geschaut. Dabei hat sich Fahrer Rinchen so an mich gelehnt, wie das früher die Kinder manchmal gemacht haben. Oder wie man mit seinen besten Freunden rumhängt. Das hat mich sehr gerührt – insbesondere weil es etwas dauerte, bis er sich wirklich wohlzufühlen schien. Er kannte zwar die beiden anderen, sprach aber zB nicht ganz so gutes englisch.
Wir sind dann noch bei Lobsangs Eltern eingekehrt. Damals war ich auch da gewesen, als wir das Geld für die Kalender überbracht haben. Seine Mutter hat mich noch erkannt – ich hatte sie vergessen. Aber als ich ihr Komplimente machte, weil sie so jung ausschaut, erinnerte sich Lobsang, dass ich das damals auch schon gesagt hatte. Haha – dann stimmt das wohl.

Dieses Bild habe ich dann Mr. Sharma, dem damaligen Direktor geschickt. Er hat sich gefreut. Und ich mich auch. Also dass es da immer noch etwas Verbindung gibt und man sich gerne mit mir trifft.
Randnotiz: Rinchen kannte übrigens auch Kunkhab, den Jungen, der vor ein paar Jahren gestorben ist und den ich 2 x besucht hatte. Einmal hatte ich davon berichtet – hier – einmal fand ich es zu heftig als dass ich es im Blog erwähnen wollte. Rinchen hatte mit ihm zusammen in einer Bar gearbeitet. Da sind wir beide nochmal traurig gewesen. Das war nicht an diesem Tag – es fällt mir nur gerade wieder ein.
Dieser Tag gehörte auf jeden Fall mit zu meinen Highlight-Tagen. Und am nächsten Tag ging es dann einen weiteren Schritt auf der Rückreise – nämlich nach Manali….