
Da es abends nicht so ganz gruselig mit den Wolken ausschaute, empfahl ich den beiden anderen, dass – wo wir sowieso so früh hoch mussten wegen Bus – doch mal nach oben zu schauen, ob sie 8.000er sehen könnten. Wenn, dann sind frühmorgens die Chancen am besten. Und dann wachte ich auf, mir schienen die Chancen gut, ich lief selber auf das Hoteldach – und da waren sie tatsächlich! Dhaulagiri, Machapuchare und die Annapurna-Gruppe! Schnell die anderen beiden holen und so standen und staunten wir.


Dann frühstückten wir, klemmten uns ins Taxi (irgendwie erstaunt mich immer wieder, dass in Nepal alles klappt – die Speisekarte hat kaum nicht-lieferbare Gerichte, Taxen sind pünktlich und das Frühstück wird wie vereinbart um 6:30 Uhr serviert – oder 2 anderen Male als Lunchpaket bereit gestellt), wurden im Bus empfangen (waren natürlich die ersten) und fuhren los. Und staunten weiter – die Berge blieben nämlich voll sichtbar bei klarem blauem Himmel! Das hatte ich vor 3 Jahren im März kein einziges Mal gehabt!



Die Fahrt war ziemlich ereignislos. Beate lernte einen weitgereisten Nepali kennen und Ute spielte mit einem Mädchen nebenan einige Spiele. Und als wir einmal ausstiegen, prallten wir direkt gegen eine Hitzewand, so unglaublich heiß war es.
In Kathmandu waren wir wieder in der schönen Unterkunft vom Anfang, Beate und ich zogen zu einer Mini-Shoppingtour los, Ute rechnete und checkte unsere Anteile (das war extrem erleichternd), ich checkte online in den Flug und füllte die ganzen Einreiseformulare aus und zu Abend haben wir auch noch was gegessen.
Das Programm am Folgetag war folgendermaßen: ich ging zum Optiker und stellte mißmutig fest, dass zwei Kratzer auf meiner Brille sind. Sowas doofes! Immerhin habe ich Ersatz dabei! Dann ging ich zu einer kleinen schönen Fußmassage – für mehr reichte die Zeit nicht. Und dann traf ich endlich Chhewang! Er ist Guide in Mustang für Diamir und wir haben im Prinzip die Reise mit den Tageswanderungen zusammen konzipiert. Also eine Reise, die so ähnlich ist wie die, die wir jetzt gemacht haben. Ihn als Guide zu nehmen wäre vielleicht gegangen, aber ich wollte ja so gerne einer Frau die Chance geben. Später dachte ich, es sei toll, wenn wir ihn zusätzlich für 1-2 Tage engagieren könnten, aber sein Vater ist im Krankenhaus in Pokhara und er kümmert sich um ihn und seine Mutter. Am Vortag war der Papa nach Kathmandu verlegt worden – und netterweise hatte er hier ein bisschen Zeit für mich! Wir plauderten und aßen Mittag und plauderten, und ich war so froh, ihn tatsächlich zu begegnen, da er sicherlich einen guten Teil daran „Schuld“ war, dass ich dieses Ziel anvisiert hatte. Außerdem fand ich, dass wir wirklich gut zusammen arbeiten konnten.

Er hat 12 Jahre in Hildesheim gelebt und ich finde es weiterhin seltsam, mit einem Nepali deutsch zu sprechen. Aber er spricht wirklich einwandfrei. In der kurzen Zeit haben wir über unser Leben geplaudert und ich habe mehr über Mustang gelernt als auf der Reise. Ich denke, er ist ein wirklich super Guide und kann total viel erzählen und vermitteln. Er ist aus Lo Manthang und hatte die Gelegenheit, sich gut zu bilden, eben im Ausland gelebt – und dann beschlossen, wieder heim zu kehren und dort seine ganzen Erfahrungen für die Gemeinschaft einzusetzen.
Ich hatte ihn gefragt, warum wir so wenig Leute gesehen haben. Viele sind woanders zum Arbeiten. Und es sind einfach auch sehr wenige Menschen. Die Zahlen sind etwas tricky. Auf einer Fläche etwas kleiner als das Saarland sind ca. 2.700 Menschen gemeldet. Wenn man aber das gesamte Volk (Loba) nimmt und auch noch historische Orte wie Kagbeni, Chhusang usw. dazu rechnet so wie die anderweitig Weilenden, sind es eher 8.000 Leute. Das entspricht ungefähr der Zahl der Leute in Ruhpolding. Oder auch der inneren Dresdner Neustadt. Es sind jedenfalls beeindruckende Zahlen! So wenige Menschen! Sie sehen zu, dass sie nicht zu nah heiraten.
Dann hab ich nochmal nach dem neuen Dorf gefragt, also Namashung. Das Ganze ist nämlich im Grunde ein ziemliches juristisches Provisorium: Pragmatisch klappt vor Ort alles super, aber auf dem Papier ist die Sache nie ganz sauber zu Ende gedacht worden. Als der König von Mustang den 18 Familien das Land in Namashung geschenkt hat, war das menschlich zwar toll, aber rechtlich gesehen wertlos. Seit der Abschaffung der Monarchie gehört ungenutztes Land in Nepal nämlich dem Staat. Der König durfte das Land also eigentlich gar nicht verschenken, aber im Hochgebirge zählte sein Wort für die Menschen eben mehr als das Gesetzbuch in Kathmandu. Damit die Leute dort bauen konnten, hat die lokale Gemeinde das Land später als Inoffizielles Umsiedlungsprojekt anerkannt. Das bedeutet: Im Alltag lässt man die Bewohner in Ruhe. Sie wohnen in ihren neuen Häusern, bestellen ihre Felder und sind an die Infrastruktur angeschlossen – vertreiben wird sie dort niemand mehr. Der Haken liegt aber im Detail: Es fehlt bis heute die klassische, bürokratische Grundbucheintragung (Lalpurja). Weil Nepal schlicht kein Gesetz für Binnenflüchtlinge durch den Klimawandel hat, ist der Landtausch nie offiziell vollzogen worden. Die Familien besitzen auf dem Papier immer noch ihr unbewohnbares Land im alten Samzong, während die neuen Häuser in Namashung rechtlich in einer Art dauerhafter Duldung schweben. Für das tägliche Leben vor Ort reicht das völlig aus – aber ein Haus mit echtem Eigentumsnachweis verkaufen oder als Sicherheit für einen Bankkredit nutzen? Das wird extrem schwierig.
Dann haben wir noch kurz Beate und Ute getroffen und ich habe sowieso gemerkt, dass ich vor einem neuen Gebiet eher weniger darüber wissen will und das Interesse erst geballt währenddessen und danach kommt. Also lerne ich jetzt viel über Mustang!

Dann gab es das nächste Treffen: wir sind zu dritt in ein Gartencafe gegangen und haben dort Binoy getroffen, meinen Agenten. Zuerst wurden wir alle positiven Dinge los (unser Fahrer, die Landschaft, die Unterkünfte, die Erlebnisse), dann kam das Guide-Thema sehr breit auf den Tisch. Es war nicht einfach. Binoy hatte einen Kumpel mit der Suche beauftragt, sich gefreut, als eine gefunden war, vergeblich versucht, mit ihr richtig in Kontakt zu treten (sie war wohl in handyfreier Zone unterwegs), er hat ihr Profil in Facebook geguckt und gedacht, dass sie in Ordnung sei – wo ja auch steht, dass sie 12 Jahre Erfahrung hat und der Kumpel hatte sie arrangiert. Er hat auch den Tagespreis fast voll an den Kumpel gezahlt. Entweder verdiente nun der Kumpel oder die Guide zu viel…. Leider schien mir Binoy nicht wirklich dahinter her, mit dem Kumpel sehr böse zu sein und ggf. Geld zurück zu fordern. Ich warf in den Raum, dass er damit absolut unser beider Geschäft geschädigt hat und ich jetzt auch noch sehr misstrauisch sei. Binoy warf in den Raum, dass bisher doch alle meine Kundschaft super zufrieden gewesen sei (das stimmt) und wenn ich quasi seine üblichen Kontakte nehme, ich doch weiterhin vertrauen könne. Das tue ich – aber ich fordere auch, dass meine Agentur auch ungewöhnlichere Wünsche mit bester Sorgfalt erfüllen kann – oder mir sagt, dass es unmöglich ist, was ich erhoffe. Da kamen wir auch nicht wirklich weiter. Und hier lass ich das jetzt mal so stehen – ich denke noch nach.


Es regnete. Ich wollte ja noch was zum Müll schreiben. Auch Kathmandu ist sichtbar sauberer geworden. Das soll alles des neuen Staatsoberhaupts Werk sein, der als Bürgermeister in Kathmandu dort schon mal angefangen hat. Und es scheint sich jetzt weiter zu verbreiten. Eine Herausforderung: Die reisenden InderInnen, die immer noch alles fallen lassen. Nepal hat oder plant übrigens Tourismuskampagne. Ziel: InderInnen! Die sollen alle in noch größeren Scharen kommen! Gesehen haben wir auch so einige.
Und weil ich gerade gerne Fundstücke aus dem Internet von mir gebe: es gibt eine Statistik zu Todeszahlen aus der weiteren Annapurna-Region: 25 sind 2025/26 an Höhenkrankheit gestorben und zwar 12 Nepalesen ((4 davon Guides/Porter), 9 InderInnen und 4 Andere. 15 davon starben in Muktinath/Upper Mustang, 8 Bei Thorung-la/Tilicho und 2 woanders. These: durch die immer besseren Straßen achten die Leute nicht auf ausreichende Akklimatisierung.
Dann waren wir noch beim Geldwechsler und haben Scheine eingetauscht und anders verteilt. Und dann waren wir quitt und zufrieden.


Abendessen, schlafen, früh aufstehen, schnelle Taxifahrt zum Flughafen (kaum Verkehr, aber doch erstaunlich, wer schon alles um 5:00 auf den Beinen war), einchecken und verabschieden.
Und dann war ich wieder alleine. Es war wolkig und ich hatte besten Platz mit Bergsicht ohne Zuzahlung ergattert. Allerdings waren die Wolken vor der Bergsicht und ich hatte nix davon.




Der Flug war ruhig – und wie es mir dann wieder allein in Delhi erging – das gibt es in einem neuen Blog. Aber ich muss ja auch noch nachsinnieren über die Reise – das kommt noch!