
Wie inzwischen fast jeder Ort in Ladakh hat auch Stok eine große buddhistische Draußenstatue. In diese kann man sogar reingehen. Sie wurde 2016 vom Dalai Lama eingeweiht. Nun stand ein erneuter Besuch seiner Heiligkeit an. Und dafür wurde gefegt und geputzt und geschmückt.


Erwähnenswert finde ich hier auch noch dieses Gebilde auf dem Dach des unterhalb der Statue stehenden Gebäudes: Wind- und Sonnenenergie in eins.

Wir sind dann auch noch schnell in das nebenan gelegene Kloster rein. Es wird selten besucht – außer im Winter, wo es ein Klosterfestival mit Orakeln ausrichtet.


Die Mönche und andere Arbeiter waren voll beschäftigt, aber der Vorsteher nahm sich doch die Zeit, uns ein bisschen was zu zeigen. Z.B. dieses Teil. Da war vor hunderten von Jahren eine Meditationshöhle. Ist aber eigentlich alles zusammen gefallen.

Im Pujaraum befanden sich diese Papp-Teile, die es auch inzwischen in fast jedem Kloster gibt. Der tollste Thron ist immer für den höchsten Lama – hier also der Dalai Lama – und der daneben für einen weiteren wichtigen Lama. Das hier ist Bakula, der höchste Lama von Ladakh. Er ist jetzt 20 Jahre alt und ich hab ihn tatsächlich noch als Kleinkind gesehen. Wie die Zeit vergeht!

Ein paar Mönche kümmerten sich um die Deko während wir guckten und draußen wurde auch einiges befestigt und bemalt usw.





Weiter unten waren weitere Dorfleute mit Verschönerungen beschäftigt bzw. sie machten eigentlich eher Siesta. Es war nämlich ganz schön heiß.

Da kann man sich freuen, wenn es so schönes kühles Wasser gibt, in das man seine Füße und Waden reinhalten kann.

Ein großes Highlight von mir war der Besuch der örtlichen staatlichen Schule. Die staatlichen Schulen sind eigentlich eher in unschönem, unengagiertem Zustand, aber hier war das vollkommen anders! Man hatte an die Eltern appelliert, die Kinder von den Privatschulen wieder runterzunehmen und auf diese Schule zu schicken. So gibt es hier nun 67 SchülerInnen, eifriges Lehrpersonal und eine so angenehme anregende Atmosphäre, dass ich hier gerne zur Schule gegangen wäre. Es hat 2 Kindergartenklassen und geht ansonsten bis zur 10. Die Klassen sind ziemlich klein.


Den Direktor habe ich leider nicht fotografiert, sondern nur gefilmt. Es ist lustigerweise ein Onkel von Nawang, dem Herrn mit den Pashminaschals. Die ladakhische Welt ist manchmal klein. Er ist tatsächlich ein bisschen mehr bekannt und hoch geachtet. Er denkt, dass alle Kinder irgendwelche Talente haben, die über das Curriculum hinaus gehen und man sowieso breiter bilden muss und so haben sie auch Unterricht in Meditation, Kampfkunst, Yoga usw. Und sie machen gerne Exkursionen. Da die Feldwirtschaft von Tamchos eher noch unbekannter ist, fanden sie es eine prima Gelegenheit für einen spontanen Schulausflug mit Feldbesichtigung und anschließendem Geplantsche im „Swimming-Pool“ und machten einen Termin für den 20. aus. Leider kann ich da nicht, ich wäre sehr gerne dabei gewesen.
Ich durfte ein wenig bei Klasse 8 sitzen, die gerade Naturwissenschaftsunterricht hatte. Es ging um „Masse“ und wie sie sich verbindet und verändert und die Lehrerin verband das mit dem Beispiel von ladakhischem Essen. Die Schulbücher sind zwar nicht speziell ladakhisch sondern indisch, aber man bemüht sich hier, immer die Verbindung zum Lebensalltag der Kinder aufzubauen.


Und man bemüht sich auch um Gesundheit und so gab es eine „Zuckertafel“:

Ich fand das alles hoch interessant und hätte gerne noch viel mehr erzählt und erfahren – andererseits wollten wir natürlich aber auch nicht zu lange stören. Und so gingen wir dann auch bald wieder – ich mit sehr guter Laune. Es hat mich so gefreut, so eine tolle Bildungseinrichtung zu sehen! Aber damit nicht genug. Wir sprachen auch etwas über Kindernöte und Aufklärung und dabei fiel Tamchos ein, dass er eine Verwandte in Stok hat, die sich genau darum kümmert. Ein Anruf – und wir konnten am Abend vorbei kommen!
Und das hat mich nochmal genauso gefreut. Stanzin Angmo hatte noch während der Schulzeit ein Stipendium für die USA bekommen und dort 8 Jahre verbracht. Jetzt ist sie Ende 20 und im Health Departement beschäftigt und zwar hauptsächlich mit den Themen Hygiene, Aufklärung und (sexuelle) Übergriffigkeit. Sie fasst das Thema sehr breit auf und setzt u.a. daran an, dass die sogenannten Life Skills unbedingt schon in jungen Jahren beigebracht und geübt werden müssen. Also zB wie kann ich meine Gefühle benennen und dann auch darüber reden. Und wir beide fingen an zu reden und konnten kaum aufhören. Durch ihre Zeit in den USA hat sie einen ganz anderen Zugang zu den ladakhischen gesellschaftlich wunden Punkten. Sie haben Workshops entwickelt, mit denen sie hauptsächlich in die entlegenen Gebiete wie Changthang und Zanskar gehen. Und sie würde aber auch sehr gerne noch mehr an Statistiken arbeiten, um mit Zahlen den Bedarf zu untermauern.
Ich schimpfe ja viel über die Entwicklungen hier, aber diese beiden Sachen im Bildungsbereich, die haben mich total begeistert und stimmen mich sehr hoffnungsvoll.
Und weil es schon etwas später war, sind wir noch zu einem kleinen Abendessen geblieben.


Ich habe jedenfalls den Kontakt gespeichert und wenn ich später wieder komme, wollen wir uns gerne nochmal treffen. Es gibt sooo viel zu erzählen!
In diesem Blogpost springe ich ziemlich, aber wir sind ja auch den ganzen Tag herum gesprungen und haben so viel Großes und Kleines erlebt. Wir waren nämlich noch zum Tee bei einer Familie, die haben: ein Homestay, ein Museum und ein „Lunch-with-Locals“-Angebot (und bauen gerade auch noch an 3 kleinen Cottages für Reisende). Das Museum haben sie recht hübsch gestaltet.



Wir hätten hier natürlich auch noch viel länger bleiben und erzählen können, aber wir hatten ja die Abendverabredung. Und dazwischen gab es aber auch noch ein Ereignis: Eine Person hatte von Tamchos seiner Unterkunft erfahren und wollte sie besichtigen und kam dann auch vorbei. Und ich muss sagen: was ich dieses Jahr an westlichen Menschen hier begegne, ist schon sehr speziell. Tamchos Frau hatte sie schon auf Instagram entdeckt und ich musste dann auch nach der Begegnung gucken und kam aus dem Staunen kaum heraus. Also zuerst hab ich sie live gesehen, mochte sie nicht und als sie auch noch damit anfing, dass Gott sie hierher geschickt hatte, verstummte ich ganz. Tamchos fand sie auch seltsam und wollte ihr eigentlich nicht so gerne seine Unterkunft vermieten. Aber wie stellt man das geschickt an? Sie wollte nämlich 1 Monat bleiben und da auch sonst keine Gäste vorgebucht hatten…. Die Lösung: relativ hohen Preis nennen (er verlangt eigentlich viel zu wenig) und entweder sagt sie ab oder wenn nicht, kann man sich über einen richtig guten Verdienst freuen. Sie sagte ab und Erleichterung machte sich breit. Aber wirklich speziell, was für Leute es so gibt. Wer nun neugierig ist: Bei Instagram nach Adyaxananda suchen.
Nach diesen ganzen Eindrücken war es eine gute Idee, am nächsten Tag auf den 160 Höhenmeter höheren kleinen Pass hinter dem Haus zu gehen. Es wehte ein bisschen und war dadurch angenehmer als am Vortag.




Von da aus konnte man noch etwas Pfad sehen, der so aussah, als würde er zu einem Industal-Aussichtspunkt führen. Dem war auch so – allerdings war es kein ordentlicher Pfad und ich musste manchmal mit bisschen Angst kämpfen. Hat sich aber gelohnt.



Das hier ist der Pfad und bei den weißen Streifen ist der kleine Pass.


Sollte Tamchos im Winter Langeweile haben, wäre es eine gute Idee, den Pfad ein bisschen auszubauen, dass man da leichter gehen kann. Weil dieser kleine Ausflug tatsächlich das Stok-Erlebnis noch runder macht.
Dann war auch schon Mittagszeit und Tamchos eilte ein bisschen und schwang sich an den Herd. Ich hatte am Vortag schon einen Karotten-Erdnuss-Salat gemacht. Zusammen mit Matter Paneer, Reis und Grünzeugs aus dem Garten war das ein prima Mittag zum Bauch vollschlagen.

Ich hätte noch bleiben können und es gäbe auch noch mehr zu entdecken, aber aus Gründen war es besser, am Nachmittag nach Leh zurück zu kehren. Aber vielleicht komme ich nochmal wieder. Und Tamchos Frau Karma würde ich gerne auch noch mehr kennenlernen.
Ich habe ein kleines Fazit: es lohnt sich tatsächlich, den ganzen Dörfern hier Zeit zu widmen und mit einem/R Einheimischen zusammen auf Entdeckungstour zu gehen. Am besten indem man keinen genauen Plan macht, sondern spontan guckt und arrangiert. Ich liebe solche Tage. Und es ist oftmals gut, sich auf Überraschungen einzulassen!