Tahan – Küchen, Käse und Kloster

30. Mai 2026

 

 

Diesmal stand als erstes auf dem Plan, ein kleines nicht ständig bewohntes Klostergebäude auf der anderen Berghangseite zu besuchen. Hier führte eine Straße hinauf und die Leute nutzten es auch öfters für Zeremonien.Spannend war, ob wir den Schlüssel finden würden. Das ist bei einigen Klosterräumen so, dass die Leute den Schlüssel verstecken, so kommt man doch immer rein, wenn man weiß, dass man suchen soll – und wer das nicht weiß, soll auch nicht rein.

 

 

Drinnen machte ich große Augen: eine gute ausgestattete Küche sogar mit Tee usw. (wir hätten nur Wasser holen müssen), einem Herd, Feuermaterial, Streichhölzern usw.

 

 

Im Nebenraum Butterlampen, Öl, Wacholder. Perfekt! Hier war die Gelegenheit, einigen FreundInnen von mir Butterlampen anzuzünden und ihnen gute Wünsche zu schicken. Das habe ich allerdings gefilmt. Es wurde nämlich alles gemacht: Butterlampen säubern, Dochte drehen, Öl einfüllen und eben anzünden. Dazu noch Wacholder verbrennen und Stanzin hat dazu gemurmelt.

 

 

 

Dann haben wir noch weiter geguckt. Es gab einen Altarraum – und einen Tschörten im Haus! Den konnte ich allerdings irgendwie so gar nicht fotografieren, da war zu viel drum herum gebaut. In dem Tschörten war auch nochmal ein kleiner Raum mit Buddhafiguren und an seinen Seiten Wandmalereien.

 

 

 

 

 

Mir hat das alles wahnsinnig gut gefallen! Entdecken und das auch noch mit Inhalt füllen. Besser als jedes bombastische Kloster. Ich konnte mich schwer losreißen. Das Wetter war nicht so prima, aber der Ausblick trotzdem toll.

 

 

 

Aber es gab ja noch mehr, was ich sehen wollte. Indien hat es ja leider nicht so mit gelbem Hartkäse, aber westliche Reisende sind da scharf drauf. Und so haben seit vielen Jahren schon Nepalis immer mal sogenannten Yakkäse mitgebracht. Sogenannt, weil ein Yak immer männlich ist und somit gar kein Käse liefern kann. Die Milch kommt von der Dri – aber wer weiß denn schon sowas. Und so hat sich der Name Yakkäse etabliert. Und seit wenigen Jahren konnte man in Leh auch eingeschweißten Yakkäse aus Zanskar erwerben. Ziemlich teuer, aber manchmal sind die Gelüste hoch. Und außerdem ist das doch auch ein lustiges Mitbringsel von InderInnen für die Lieben daheim.

 

Ich wollte also zu gerne mal wissen, wer hinter dieser guten Idee und Produktion steht! Und da quasi alle in Zanskar alle kennen, wurde schnell herausgefunden, wo die Produktionsstätte war. Nur der Besitzer, der war leider nicht da. Egal, trotzdem hin!

 

 

Und es war dann tatsächlich viel zum Staunen da! Ein kleines Häuschen mit einem Zelt davor. In dem wohnt Ramesh Lepcha mit seinem Helfer die Saison über. Ramesh ist aus Sikkim, kommt seit einigen Jahren immer mit seinem Motorrad rübergefahren und betreibt einen Youtube-Kanal. Er ist aus Yuksom und ansonsten Trekkingkoch in der Heimat und singt.

 

 

 

Man war gerade erst mit der diesjährigen Käseproduktion gestartet und so konnte ich noch keinen kleinen Laib direkt erwerben. Der Käse reift in einem unterirdischen Raum. Mist, ich hab es nicht mehr in Erinnerung – wurden im Vorjahr 1500 kg oder 1500 Käselaiber verkauft? Jedenfalls eine Summe, die Stanzin zum Rechnen brachte. Ich hab den Besitzer am Nachmittag noch getroffen (aber kein Foto gemacht). Er ist tatsächlich ein guter Geschäftsmann mit Reiseagentur in Leh und neben der Käserei einem hochwertigen Homestay. Da man in Zanskar üblicherweise eher auf einen Gouvernment-Job oder eine sonstige bequeme Anstellung hofft, freut es mich doch tatsächlich immer, unternehmerischem Geist zu begegnen.

 

Hier jetzt die Bilder aus dem Produktions- und Lagerraum:

 

 

 

 

 

 

Statt Käse gab es von Stanzin und seiner Tochter gemeinsam gekochtes leckeres Mittagessen:

 

 

Eigentlich hatte mir der Tag schon so viel Interessantes beschert, dass ich schon ausgefüllt war. Aber wir haben uns dann am Nachmittag doch noch aufgerafft und sind zum Dzongkhul-Kloster gefahren. Und da warteten dann noch weitere spezielle Erlebnisse auf mich!

 

Zum Dzongkhul-Kloster geht es ein Tal hinauf. Von dort startet auch der Trek über den Omasila nach Kishtwar, der eher als schwer gilt. Jedenfalls schaut der Anfang schon mal speziell und sehr steinig aus.

 

 

 

 

Direkt hinter dem Kloster kann man noch steil nach oben steigen. Das geht auf Treppen, aber ohne Geländer mit steilem Blick nach unten. Stanzins Anmerkung bzgl. meiner teilweisen Höhenangst: „When your head is not normal, please tell me!“ Darüber mussten wir dann beide lachen.

 

 

 

Jedenfalls bin ich mit intaktem Kopf oben angelangt. Hier soll Naropa meditiert haben und man kann sich alles anschauen.

 

 

 

 

Der Blick nach unten war phantastisch. Einmal das Tal hinauf und auf der anderen Seite viele Autos vor dem Hauptkloster.

 

 

 

Hier war nämlich eine 3-tägige buddhistische Feierlichkeit angesagt. Man speist und macht Puja – und am nächsten Tag soll dann gefastet werden. Wir bekamen Tee und vielerlei angeboten. Aber mein Bauch war noch so mittagsvoll. Stanzin kannte wohl alle Leute. U.a. war auch Sonam Dawa, der Yakkäse-Hersteller da und wir plauderten etwas. Mich hat das Essen – insbesondere die Butter – beeindruckt. Die Butter nimmt man hier aber wohl eher für die Butterlampen als für den Bauch.

 

 

 

 

 

 

Dann ging es rein. Und ich wurde erstmal gefragt, wie ich denn hergekommen sei. Die zanskarische Taxi-„Mafia“ kontrolliert alles ganz genau! Dass bloß nix Unrechtmäßiges mit den Taxen passiert und denen Geld durch die Lappen geht. Zum Glück tolerieren sie dann doch, wenn man „Freund/in“ ist.

 

Drinnen herrschte Fotoverbot. Der Pujaraum war voll mit gut gekleideten eher Frauen und alten Männern und 3 Mönchen an der Kopfseite, die die Texte rezitierten. Ich habe eine Weile dabei gesessen und u.a. darüber sinniert, wieviel Besonderes ich doch in Zanskar erlebt habe.

 

Am nächsten Morgen sollte es nämlich auf der neuen Nimmu-Straße nach Leh gehen. 1 Woche Zanskar – voll interessant!