
Es wird schon gegen 5:00 Uhr hell und da ich früh zu Bett bin, bin ich dann auch immer so langsam aufgestanden. Bzw. ich habe mir einen Sitz im Zelt gebaut und heißes Wasser aus meiner Thermoskanne getrunken und die Landschaft angeguckt. Ich dachte, es sei kalt und setzte eine Mütze auf, aber die brauchte ich gar nicht.

Dann habe ich die Sachen gepackt, mich angezogen, das Zelt angefangen abzubauen (nur zum Zusammenrollen brauchte ich Hilfe, meine kleinen Hände kriegen es einfach nicht klein genug gedrückt für den Zeltbeutel) und bin zum Frühstück zu den Pferdemännern. Und gegen 7:30 Uhr bin ich dann üblicherweise los während die Beiden alles fertig einpackten und auf die Pferde luden.



Eigentlich hatte es einen Pfad zum 4.6xx m hohen Pass Kichen-la gegeben, aber wir gingen anders. Weglos zweigten wir von diesem Tal ab und gingen hinauf auf einen 4.730 m hohen Bergrücken. Ich finde das weglose Gehen etwas beschwerlicher und war mir manchmal bisschen unsicher, ob ich richtig war. Aber dann kamen auch schon die Pferde.



Der Bergrücken hatte keine deutliche Markierung für einen Pass oder so, aber war einfach toll in seiner Weite und dem Blick in das nächste Tal. Ein bisschen weiter unten gab es aber ein imposantes Steine-Stoff-Gebilde. Und viel weiter rechts daneben war der korrekte Pass, wo ich aus Neugier hin lief um auch da zu gucken.









Das mit diesen Wolken und Sonnenflecken war toll zum Gucken und Knipsen. Ich war froh und glücklich. Ach ja: ich hatte ja diese Rückenstütze von Sonam-Physio empfohlen bekommen und erstanden und trug diese auch immer beim Gehen und hatte das Gefühl, dass ich damit tatsächlich vor weiterem Rückenstress geschützt war. Das war schön.
Ich dachte, ich gehe dann den auf Mapy eingezeichneten Weg nach unten, wurde aber an einer Stelle von Sidhar abgefangen. Er war den weiten Weg gerannt, um mir zu sagen, dass es einen viel besseren Pfad geben würde, den die Beiden gehen würden. Ich solle doch auch mitkommen. Ich war mir unsicher. Vielleicht sollte ich lieber dabei bleiben, was evtl. alle Trekkenden gehen würden? An einem Hirtenlager vorbei. Da seien Hunde wurde ich gewarnt. Das war der Ausschlag – ich würde mit den Pferdemännern gehen. Dazu mussten wir das ganze breite Tal queren und dann ging es doch noch wieder ein Stück nach oben. Das hier ist der Blick über das breite Tal, wo es am helleren Berghang entlang eigentlich nach unten gegangen wäre.

Wir stiegen also teilweise wieder einen Hang hinauf – und der war an einigen Stellen etwas heikel. D.h. der Abhang fiel ziemlich steil weit nach unten und man hatte nur einen schmalen Pfad. Meine Höhenangst setzte ein, aber ich bewältigte sie! Ich guckte strikt auf den Pfad und murmelte vor mich hin, dass ich es ganz bestimmt schaffen würde. Hat geklappt! Ein ordentliches Bild hab ich leider nicht, war ja alles ein wenig heikel. Vielleicht ahnt man es bei diesem?

Hier ein Blick auf die Karte – ich bin der blaue Punkt und der rote Strich rechts wäre die „normale Strecke“ gewesen:

Wir kamen dann wieder auf einen Bergrücken mit tollem Ausblick bis nach Sakti und der Nubra-Valley-Bergkette – und etwas Handyempfang!



Auf dem Weg nach unten sahen wir eine große Ziegenherde in der Ferne und eine große Yakherde, durch die wir durch mussten. Der Hirte sprach leider so gar kein englisch, war aber für ein Foto bereit. Er gehört zu dem Hirtenlager, wo es die Hunde geben sollte.



Die Pferde liefen wie immer viel schneller als ich. Sidhar erklärte mir aber genau den Weg: ich würde zu einem Haus kommen und müsste unbedingt links davon nach unten gehen und dann über den Fluss. Auf keinen Fall nach rechts abbiegen!



Das Haus war verlassen und lag an einer Schlucht. Links herum fiel es steil hinab. Rechts war ein Pfad. Wie sollte denn das gehen? Ich lief hin und her. Gegenüber tauchten andere Pferde und Pferdemänner auf. Einer winkte und wedelte und deutete auf diesen linken steilen Abhang. Ich guckte vorsichtig erstmal näher ohne Rucksack: tatsächlich sowas wie eine Art steiler Pfad mit Pferdespuren. Also los. Aber uff, das war richtig steil und rutschig und ich haderte und verkrampfte mich auf den schmalen Steinchen. Und das fiese war: unten rauschte ein breiter Fluss. Den sollte ich dann noch überqueren müssen? Das traute ich mir gar nicht zu. Mir war dieser Trek gerade eine Nummer zu schwer und ich war frustriert darüber. Langsam taste ich mich mit zitternden Beinen nach unten. Geschafft! Und da war ein weiterer Pfad am Flussufer entlang. Vielleicht gab es doch eine Brücke? Oder die Pferdemänner am anderen Ufer würden mir zur Hilfe kommen? Glück gehabt! Eine Brücke! Ich war voll erleichtert!

Ich musste dann ein ganzes Stück noch das gegenüberliegende Tal hoch. Im Rückblick auf dem Foto schaut das „natürlich“ viel unspektakulärer aus als von oben.

Die Pferdemänner hatten den Auftrag, mich zu suchen, wenn ich um 17:00 nicht am Zeltplatz war. Ich war über diese Anweisung ziemlich froh, da ich wusste, dass irgendwann jemand kommen würde. Aber ich hatte alles doch alleine hinbekommen und war aber ziemlich erschöpft. Angst verbraucht Energie. Und Zeit. Es war schon nach 17:00. Und so gabelte Sidhar mich dann ca. 1 km vor dem Camp auf. Das hat mich auch froh gemacht zu wissen, dass er sich tatsächlich kümmert!
Chamba bemühte sch, mein Zelt aufzubauen, aber alleine ist das voll schwer. Besonders wenn man das System noch nicht kennt. Wir haben es dann schnell gemeinsam hinbekommen, ich habe eingeräumt, mich am Fluss gewaschen und erschöpft bis zum Abendessen herumgelegen.

Somit waren wir schon mal nicht die gedachte Strecke gegangen. Aber am nächsten Morgen gab es weitere Ereignisse, die die Durchführung der geplanten Tour zunichte machten….