Trekkingtag 5: Shang Phu -> Matho Phu – viele Menschen und ein richtiger Pass

1. Juli 2026

 

 

Diesmal schaute mich morgens aus dem Zelt heraus kein Pferd an sondern ein Dzo. Ich fand das schön, dass da so viele Tiere herumliefen. Sidhar verabschiedete sich nach dem Frühstück, er musste wegen einer Familienangelegenheit nach unten. Das Wetter zeigte sich noch mit einem hübschen Himmel, aber kurz darauf war schon Schluss.

 

 

 

 

Der Pfad war leicht zu finden und es gab sogar öfters Richtungspfeile und Schädelmarkierungen.

 

 

 

 

Bald traf ich die andere Trekkinggruppe. Es waren 3 Männer und 1 Frau aus verschiedenen Teilen Indiens, die sich irgendwie kannten. Sie waren sehr langsam unterwegs. Langsamer als ich. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass sie mal auf Trekkingpfaden genauso zahlreich werden wie auf den Straßen – und von daher freue ich mich immer noch über alle, die ich dort treffe. Berg- und naturliebende InderInnen „müssen“ einfach nett sein!

 

 

Dann ging es immer weiter nach oben zum Pass hinauf. Chamba und die Pferde hatten mich auch bald eingeholt. Es ging besser als gedacht. Ich brauchte gar keine „Motivational Music“, sondern habe – wie meistens – einfach Podcast gehört.

 

 

 

Und oben auf dem Pass gab es eine Überraschung!

 

 

Da lagerte eine Truppe von 9 Australiern mit ihren Guides und einem „adoptierten Hund“. Sie wollten Dzo Jongo und Kang Yatze besteigen und das hier war ihr Akklimatisierungsanstieg. Sie stöhnten etwas über die Höhe. Australien sei einfach zu flach…. Aber noch mehr hab ich mich dann mit den Guides unterhalten. Die Ladakhwelt ist schon ziemlich klein. Einer war auch mal Diamir-Expeditionsguide gewesen (und hatte außerdem bei der Firma gearbeitet, wo auch Tsering Dolma angestellt war), einer war aus Uttarakhand und arbeitet als Freelancer viel bei Expeditionen, war viel mit Hauser und DAV unterwegs gewesen. Wir sprachen über den Rückgang der westlichen Reisenden, die weniger werdende Trekkingangebote usw. Und sie haben mich auf dem Pass fotografiert. Der Pass heißt Shang-la und ist 4.930 m hoch und der erste auf meiner Tour, der so hübsch mit Gebetsfahnen dekoriert war.

 

 

 

Was man hier auch sieht ist die neue Form der „Lunchpakete“: ein riesiger Thermosbehälter, aus dem alle die Mahlzeit erhalten. Früher hat jedeR die Lunchbox selber getragen. Was bei den Australiern drin war, weiß ich nicht, die Inder hatten tatsächlich „nur“ das übliche: Sandwiches, gekochtes Ei, Apfel usw. Hier wandern die Australierguides wieder weiter.

 

 

Auch mit dem Guide der Inder habe ich viel geredet. Er ist Agenturbesitzer und hat auch ein Homestay in Choglamsar. Er ist schon ewig im Tourismus und findet diese Massenentwicklungen so gar nicht gut. Er selber will lieber nur ganz paar Gruppen im Jahr haben – und diese gerne selber begleiten. Diesen Trek liebt er sehr, er sei so abwechslungsreich. Ich fand ihn auch gut. Und war aber trotzdem auch überrascht, wie wenigen wir begegneten. Diese beiden Gruppen würden nämlich auch die einzigen bleiben.

 

Und jetzt gibt es den Blick vom Pass auf der anderen Seite:

 

 

 

 

Hier ist noch ein kleines Pass-Fundstück:

 

 

Ich blieb sehr sehr lange oben am Pass. Die Strecke war für einen Tag nicht so lang. Aber irgendwann machte ich mich doch auf den Weg, die grünen Wiesen hinab.

 

 

 

Chamba hatte netterweise mit dem Horseman der anderen Gruppe zusammen schon mein Zelt aufgebaut. Sie kannten sich gut, weil sie aus der gleichen Nomadentruppe waren. Und hatten sich riesig gefreut, hier zu treffen und schwätzten unaufhörlich.

 

Matho hat offensichtlich ein neues Programm für Kashmirwollziegen und waren 2-3 junge Männer beauftragt, eine riesige Herde hier oben im Nebental durch den Sommer zu bringen. Außerdem hatten sie den Auftrag, Campinggebühren einzutreiben. Ich fragte den anderen guide wozu die Campinggebühren? Hier sei ja nix. An wen ginge das denn? Das Land gehört dem Kloster von Matho und die treiben die Gebühren ein. Dann wäre es ja eigentlich eher eine Spende an das Kloster? Ja genau! Mich regt das etwas auf – wenn Campinggebühren eingesammelt werden, aber nichts zur Verfügung gestellt wird – wie z.B. ein Klohäuschen. Oder Brücken.

 

 

Am nächsten Tag sollte es nämlich über Flüsse gehen und dazu sollte ich sehr früh starten, weil diese sonst zu groß werden und die Querung schwierig. Ich machte mir tatsächlich etwas Sorgen.

 

Aber erstmal lockerte der Himmel noch etwas auf.

 

 

 

Ich hatte es sehr bequem in meinem Zelt, es war überhaupt nicht kalt, aber ein bisschen freute ich mich auch auf ein Zimmer mit weichem Bett und Sitzklo nebenan. Aber erstmal musste ich ja diese ganzen Flüsse queren!