Aryan Valley – Das wurde wieder nix

11. – 13. Juni 2026

 

 

Ich habe geschaut: 2007 war ich mit einer Freundin in Dha und 2013 hatten wir einen Trek in Dhomkar beendet und wollten noch eine Nacht in der Dha Hanu Gegend verbringen. Ich fand es schon damals seltsam, in eine Gegend zu fahren wo die Exotik der BewohnerInnen das Hauptziel sein sollte. Und es gefiel mir auch tatsächlich nicht sehr. 2013 erinnerte ich mich hauptsächlich an die Schimpfereien meines ladakhsichen Trekkingpartners, der die Leute ganz schön unfreundlich und geldgierig fand.

 

Aber das Gebiet existiert weiterhin und ich dachte, ich gebe dem eine nächste Chance. Wahrscheinlich hatte ich nur Pech gehabt und diesmal mehr Glück. So wie in Manali und Zanskar, wo mir die Kontakte so tolle Sachen gezeigt hatten. Also habe ich auch hier einen Guide engagiert: Tani.

 

Tani ist 27 und mein dritter unverheirateter Guide dieses Jahr (erst für stabile finanzielle Verhältnisse sorgen!). Er begrüßte mich in schönstem deutsch! Er hat ein B1-Zertifikat und den großen Traum, in Deutschland mindestens in der Wintersaison zu arbeiten und gutes Geld zu verdienen. Seine Familie in Beama hat es nicht so wirklich leicht – zwei Häuser wurden schon bei Überflutungen weggespült. Das dritte ist klein und weit weg vom Wasser. Über Kilometer muss man dann in einer Schubkarre oder so welches herschaffen. Laut Tani kann man da 180 l auf einmal ankarren und die reichen etwas. Vielleicht ist es auch keine Schubkarre sondern ein Handwagen und/oder die 180 l sind übertrieben. Sein Vater hat Knieprobleme. Klingt wirklich nach hartem Leben.

 

Tani ist ein waschechter Brokpa, der in jungen Jahren von einer Schweizerin entdeckt wurde, die ihm einen Schulbesuch in den Tibetischen Schulen in Choglamsar und in Bylakuppe ermöglichte. Die tibetischen Schulen hier haben einen besseren Ruf und engagiertere Lehrkräfte. Das Studium danach hat nicht so gut geklappt und so arbeitet er quasi alles, was sich anbietet im touristischen Bereich.

 

Wir haben allerdings nicht so gut zusammen gepasst. Als erstes ist mir sein Muslimbashing negativ aufgefallen. Ziemlich viel musste ich erfragen als dass es er es mir von sich aus erzählt hätte. Er kannte zwar viele Leute, machte aber nie Anstalten, nette Gespräche zu initiieren, Für einen Guide hatte ich mir gewünscht, dass er eine Freude hat, mir seine Heimat zu zeigen. Lieblos wäre zu heftig, aber eben diese Freude hat gefehlt. Wahrscheinlich fehlte Sympathie auf beiden Seiten.

 

 

Aber auch Anderes machte mir den Aufenthalt nicht leicht. Die Unterkunft gibt es seit 2017. Der Mann ist Lehrer und ich habe ihn ganze 5 min gesehen. Die Frau kocht sehr gut, aber der erste Abend war schon etwas seltsam. Tani war nach Hause verschwunden und ich de einzige Gästin. Ich bekam das Abendessen, die setzte sich mir gegenüber, zog ihr Handy raus und scrollte und telefonierte. Kein Wort zu mir. Keine Frage nach Frühstückszeit und was ich gerne hätte. Auch vorher nix. Am nächsten Morgen kam gegen 8:30 der Mann und fragte ob Kaffee oder Tee (das waren die 5 min), brachte den Kaffee, fragte ob Omelette mit Chapati gut wären (ja gerne!), kam wieder und fragte, ob auch Toast OK sei, und Joghurt (oh ja, Joghurt lieb ich) – ich bekam dann ganz leicht gebuttertes Toast, Erdnussbutter, Honig und 1 kleines Plastiktütchen furchtbare indische Marmelade. Warum erst freudige Erwartung aufbauen? Diesmal weinte oder zeterte ich nicht über diese schlechte Gastfreundschaft sondern es amüsierte mich eher. Sie hatten einen Helfer, einen jungen Mann aus Assam, der leider so gar kein englisch sprach. Der verrichtete stumm seine ganzen Reinigungsarbeiten – schöne Arbeits/Angestelltenatmosphäre ist was anderes.

 

 

Und das dritte, was ich doof finde ist die Landschaft. Die Brokpa-Dörfer sind in einem sehr engen Tal am Indus gelegen. Man guckt quasi nur gegen Felswand und hat keine Weite. Da fühle ich mich landschaftlich unwohl.

 

 

Innen drin ist das Dorf aber ganz interessant und hübsch. Ganz unten am Fluss ist die geteerte Straße. Dazu parallel ist etwas weiter oben ein Pfad. Darüber parallel ist eine Staubstraße so dass man näher an die Häuser gelangt. Und darüber ist nochmal parallel wieder ein Pfad. Für die Staubstraße wurde ein Haus etwas demoliert. Das gehört auch zu meiner Unterkunft und war nun nicht mehr bewohnbar. Von der Demolierung gibt es Videos im Internet. Bei Instagram sind die Kommentare sehr pro-Demolierung (falsch gebaut, ordentliche Straße ist gut für Fortschritt usw.), bei Youtube stimmen sie dagegen (das kann das Gouvernment doch nicht einfach machen! Das hat er sich doch mit seinem Geld aufgebaut).

 

 

In der Mitte ist der Dorfplatz unter einem Walnussbaum. Dort finden lokale Feierlichkeiten statt.

 

 

Dann geht man weiter und kommt zum Kloster. Das war sehr neu und verschlossen (der/die Mönche sind irgendwo anders für Rituale). Dreidimensionale Wächterfiguren an der Front habe ich bisher eher noch nicht gesehen.

 

 

 

 

Der Buddhismus ist erst recht spät gekommen. Mitte des 19. Jhdts. konvertierten diese Brokpas, um sich damit quasi näher an Ladakh anzuschließen. Davor bzw. auch jetzt noch glaubt man eher an Animismus und Bön-Religion. Bzw. Geister spielen auch jetzt noch eine große Rolle. Es gibt im Dorf 4-5 Orakel/Schamaninnen (war aber gerade keine greifbar) und so geistvolle Orte wie diesen:

 

 

Auch sah ich einen Schuh am Eingang hängen, der Schlechtes anziehen sollte, damit es nicht isn Haus gelangt.

 

 

Apropos Schuh – ich traf auch eine Gruppe Damen, die handarbeitend auf dem Boden saß. Eine wollte Schuhe anfertigen. Ich guckte sehr interessiert – der Guide blieb fort, es gab kein richtiges Gespräch. Ich habe nur ein Foto von dem Schuh gemacht und später gefragt: alle erwarten je 100 INR wenn man sie fotografiert. Am Ankunftstag hockten auch ca. 5 malerisch gekleidete Damen auf dem Boden in Unterkunftsnähe und Tani bot ein Foto an. Ich wollte aber nicht – egal ob mit oder ohne Geld. Es gab sowieso eher keinen Kontakt, aber irgendwie war diese Info auch nicht förderlich, welchen herzustellen. Es mag falsch sein, aber ich hatte den Eindruck, man bekommt von Reisenden lieber Fotogeld als dass es Austausch in irgendeiner Form gäbe. Jedenfalls ist das der Grund, warum hier eher keine Bilder von Menschen sind.

 

 

Ansonsten war auch hier große Bautätigkeit. Man hat kleine Felder und sehr viele Obstbäume. Im Prinzip ist die Gegend sehr ertragreich mit toller Vielfalt an Pfirsichen, Aprikosen, Weintrauben, Birnen, Äpfeln. Kirschen, Maulbeeren, Walnüssen und zweifacher Kornernte. Aber Jobs? Dafür geht man nach Leh und verdient dort. Mit dem Geld baut man sein Haus größer oder ganz ein neues. Als neue Touristenunterkunft. Zwar ist der Tourismus hier nicht so zahlreich, aber die Grenznähe zu Pakistan ist super, da wird bald mehr an Militärmuseum, Gedenkstätte und Ausguck gebaut und dann kommen die indischen Touris in Massen! (Der Gedanke scheint mir nicht ganz abwegig zu sein)

 

 

 

Bis zum April haben Garkone und Darchiks zum Kargil Distrikt gehört. Jetzt wurde das Land aber etwas umsortiert und alle buddhistischen Brokpa-Dörfer gehören zum neuen Sham-Distrikt. Kargil war eigentlich relativ großzügig, aber eben islamisch. Die Stadt Kargil ist nur 2 Stunden entfernt, aber man fährt zum Einkauf lieber nach Leh. In Kargil hätten sie zB überhaupt keine schöne Kleidung, nur so „moslemischen Kram“, das mag man nicht anziehen. Außerdem gibt es da keinen Alkohol. Da will ja auch kein Tourist hin. Die Dörfer zwischen Kargil und Darchiks sind übrigens auch von Brokpas bewohnt. Diese sind aber schon vor Jahrhunderten zum shiitischen Islam konvertiert. Hier macht Religion offensichtlich einen riesigen Unterschied und man begreift sich nicht wirklich als ein Volk.

 

Dann gingen wir noch zur Vajrapani-Statue, die das Dorf beschützt. Apropos „gingen“ – ich humpelte langsam auf meinen Trekkingstöcken herum. Tempo war nicht angesagt, aber ich bin immerhin überall hin gekommen.

 

 

 

Und einen Wasserfall gab es auch noch – quasi mitten im Dorf unterhalb des Klosters.

 

 

Am Nachmittag besuchten wir das Museum. Es gab keine großen Erklärungen zu der Ausstellung – außer dass auf einem Stein beim Ofen, wo man nicht näher hin durfte, der Handabdruck von Padmasambhava drauf war. Das kam so: Im 8. Jhdt. wanderte Padmasambhava von Kaschmir aus Richtung Tibet und blieb ständig irgendwo hängen um zu meditieren. Hier in Garkone nicht, da hat ihn aber eine alte Frau eingeladen und bewirtet. Als er auf dem Rückweg wieder vorbei kam, wollte er sich noch einmal bei ihr bedanken, aber sie war gerade unterwegs. Dann hat er seine Hand auf den Stein gelegt so dass ein Abdruck entstand und zu den Leute gesagt: Grüßt sie von mir mit diesem Beweis.

 

Das Kinderkleiderpüppchen hat mich fasziniert mit den blauen Haaren.

 

 

 

 

Dann wollten wir auf die andere Flussseite. Dazu muss man die längste hiesige Brücke über den Indus queren. Das Wetter war umgeschlagen und es regnete und windete sogar öfters. Dadurch schwankte die Brücke und ich hatte bisschen Angst.

 

 

 

 

Auf der anderen Seite befand sich a) ein Pfad zu einem Dorf weiter oben, der bestimmt toll, aber mir zu viel war, b) ein hübsch gelegenes Camp, welches aber nicht bewirtschaftet war und etwas gammelig wirkte und c) das Sindhu Ghat, wo man als gläubiger Hindu gut in den Indus tauchen können sollte. Hat aber keiner gemacht.

 

 

Eigentlich hatte ich länger bleiben wollen, aber ich brach ab. Mein Rücken machte mir größere Unternehmungen unmöglich und gefallen hat es mir auch nicht. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, dass ein längeres Verweilen daran etwas ändern würde. Also lieber zurück in mein wirklich bequemes Bett in Leh.

 

Am nächsten Tag fuhr der Bus nur ab Hanu und bis dahin hat mich ein Auto gegen Geld gebracht. Ich musste ziemlich lange warten, aber das machte nichts. Eine Horde Arbeitsinder lungerte herum, versuchte etwas Smalltalk und war zufrieden als der Bus für mich wirklich kam. Ich hatte am Vortag sehr viele Schmerzmittel und sehr heiße Wärmflasche genommen und mein Rücken ist seitdem deutlich besser geworden und braucht gar keine Tabletten mehr. Ist aber immer noch schmerzig und versteift. Jedenfalls war die Rückfahrt gut und ich froh, diesem engen Tal wieder entronnen zu sein.

 

 

 

Ich war total froh, die Tour gemacht zu haben! Jetzt habe ich einen dritten Eindruck von der Gegend und bin überzeugt, dass ich wirklich nicht mehr hin muss. Nur die Strecke zwischen Garkone und Kargil mit den muslimischen Dörfern und mehr Weite hätte mich noch etwas interessiert. Aber dazu war mein Körper nicht gut in der Lage.

 

Ich selber kann das Aryan Valley also nicht empfehlen, aber wenn jemand doch gerne hin möchte: warum nicht. Immerhin ist die Straße am Indus entlang schon recht spektakulär und toll zu fahren. Und diese ganze/n Geschichte/n sind ja auch nicht uninteressant. Und wenn man passendere Leute an der Seite hat, ist es vielleicht auch zugänglicher.