Kharu – Ein Highlight reiht sich an das Nächste

19. Juni 2026

 

 

Nach einem leckeren Frühstück – interessante Erkenntnis: wenn man Puri in Senföl frittiert, riecht das Haus nach Senf, aber die Puris sind geschmacksneutral – haben wir mich ganz doll und Tsering Dolma halbdoll in in die traditionelle Kleidung gewandet und getanzt und Bildles gemacht. Ich fühlte mich wie eine Königin und finde die Anrede „Gyalmo“ sehr angemessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Danach reichte es mir mit Gyalmo und wir stiegen „normal“ gekleidet in das Auto und fuhren nach Igoo. Igoo ist im Nebental und zieht sich da sehr lang das Dorf hoch. Goo heißt 9, d.h. es besteht aus 9 Ortsteilen. In einem befindet sich eine Töpferei und die war anders als ich es mir gedacht hatte. Es war nicht traditionell, sondern ein Ort der Kunst. Und mehr Workshop als Verkaufsladen. Wir wurden von einem jungen Mann empfangen. Er ist aus Nagaland und hat sich hier für einen dreimonatigen Workshop beworben und wurde angenommen. Es ist toll hier! Sein Kumpel (auch aus Nagaland) zeichnete was am Tablet, ein Herr mit vielem Haar war am herumbasteln und eine junge Frau töpferte an einer Drehscheibe. Wir bekamen einen sehr langsam hergestellten Kaffee aus einer Philipps-Kaffeemaschine serviert, begutachteten einige Stücke und Tsering Dolma hat dann etwas für sich und jemanden anderen erstanden. Wegen der gestiegenen Gaspreise (zum Brennen) sind die Stücke gerade ein bisschen teuer. Wer mehr über die Töpferei erfahren möchte, schaue hier: RDZA

 

 

 

 

 

Meistens bin ich über die Entwicklungen in Ladakh ja nicht wirklich froh, aber solche Sachen finde ich schon toll. Also wenn man versucht, etwas Neues im Einklang mit dem herkömmlichen zu schaffen. Und zum Mittagessen ging es auch schon wieder an einen speziellen Ort. Ladakh plus Umgebungen sind ja ein Paradies für MotorradfahrerInnen und Royal Enfield die dazugehörige Kultmaschine. Und so ist Royal Enfield auf mehreren Ebenen in Ladakh engagiert. Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Kultur hier wertzuschätzen und zu bewahren sowie sich öko-sozial zu engagieren. Klingt irgendwie schon komisch und ist natürlich auch sehr kritisch zu beäugen, aber in Kharu haben sie einen Ort geschaffen, der dem tatsächlich entspricht. Sie haben eine Art nachhaltige Raststätte gebaut. Das zweistöckige Gebäude wurde in traditioneller, extrem umweltfreundlicher Lehmwälzbauweise (rammed earth) errichtet, läuft mit Solarstrom und bietet kostenlose Wasser-Refill-Stationen gegen Plastikmüll. Es wird von Dorffrauen betrieben, die auch noch zusätzliche Arbeitsaufträge erhalten. Hier waren einige gerade dabei, 150 Schneeleopardenköpfe zu Filzen. Für diese bekommen die Frauen jeweils 300 INR bzw. bei Großbestellungen wie diese nur 200 INR. Da man aber sehr schnell ist, scheint sich das gut zu lohnen. Außerdem wurde ein Künstler unterstützt, der aus Müll einen Schneeleoparden gebaut hat. Im Lokal werden hauptsächlich lokale Gerichte angeboten. Das hat mir tatsächlich alles recht gut gefallen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Da hatte mir der Tag schon einiges geboten, aber das Highlight kam erst danach. Und zwar sind wir zu einer Einsiedelei gefahren. Auch hier geht die Entwicklung rasant weiter. Vor 40 Jahren hat sich ein Mönch in einer Meditationsklause hoch oben über dem Tak begeben – und ist dort geblieben. Heute ist er ungefähr 70 Jahre alt. Eine Gruppe malaysischer Gläubigen hat ihn entdeckt und als ihren Guru erkoren. Aus tiefer Dankbarkeit verbessern sie (und weitere Sponsoren aus Singapur und Taiwan) seine Lebensumstände. Der gefährliche Bergpfad wurde ersetzt durch eine Staubstraße plus einem Pfad mit Treppenstufen plus Geländer.

 

 

 

 

 

Nicht nur die Lage ist beeindruckend, sondern auch das Innen. Der Mönch hat eine tolle freundliche, gütige Ausstrahlung und so kommen auch viele Gläubige aus dem Dorf nach oben. Zusammen mit uns waren noch 2 Frauen aufgebrochen, die uns einen tee kochten. Der Mönch bewohnt hauptsächlich 3 Räume, 2 Pujaräume und eine KüchecumSchlafzimmer. Die Ausstattung ist enorm. Er hat Solarstrom, Gaskocher, Heizkörper (einer war an) und einen Ventilator. So hat sich sein Leben sehr viel bequemer entwickelt, aber einsam und karg ist es trotzdem. Er ist wirklich so gut wie ununterbrochen hier oben, war nie krank und hat nur Besuch von netten Tieren. Schneeleoparden, Wölfe und wilde Hunde sind bisher nicht vorbei gekommen.

 

 

 

 

 

Was für ein Ort, was für ein Leben, was für ein Mensch! Es war schon ein bisschen spät und die Frauen wollten wohl auch noch Zeit mit dem Mönch haben (meistens erbittet man sich eine Puja, wenn man hier hoch kommt – oder bringt ihm einfach nur weitere Geschenke) und so sind wir wieder runter.

 

Tief beglückt über den schönen Tag hatten Tsering Dolma und ich noch weitere tolle interessante Gespräche mit viel Einblick in das jeweilige Leben. Am nächsten Tag wollte/musste ich zurück, allerdings mit der Verabredung, nochmal zu kommen. Es gibt noch mehr zu erleben! Und genau das ist es, was mir so wahnsinnig gut gefällt: Sachen entdecken, überrascht werden, Gespräche zu führen und darüber dann nachsinnieren zu können. Mir scheint gerade, dass sich in diesem Konglomerat an mich eher abschreckenden Neuerungen doch noch sehr viel interessantes verbirgt, was ich entdecken kann. Das bringt mir Freude!