Leh -> Karu – Multiplex, Krematorium und Salat

17. Juni 2026

 

 

Tsering Dolma kenne ich schon ein bisschen länger und seit 2017 ein bisschen mehr – da war sie nämlich zu Besuch bei mir in Ruhpolding. Sie hatte für eine andere Reiseagentur gearbeitet, ein Modegeschäft betrieben – und sich dann mit ihrem 2. Mann in Karu niedergelassen. Hier haben sie ein Häuschen gebaut mit 2 Zimmern für Homestaygäste. Das ist allerdings nicht ganz so einfach, weil – welche Reisenden verschlägt es schon dahin? Mit meiner Wintergruppe hab ich dann arrangiert, dass wir ein Mittagessen bei ihr einnehmen an dem Tag, wo wir die Klöster in Sakti und Chemre besichtigt hatten. Das war ein Erfolg, sie kocht phantastisch und ihre Tochter begeisterte die Gruppe.

 

Die Tochter geht woanders zur Schule und kommt nur am Wochenende heim, der Mann ist Taxifahrer und in der Saison kaum daheim, der große Sohn studiert sowieso ganz woanders und so ist sie meistens mit ihrem betagten Schwiegervater alleine. Da wäre doch ein Besuch von mir schön? Dachte ich mir auch! Schwiegervater war auch noch für ein paar Tage fortgefahren und so hatten wir das Haus für uns alleine.

 

Praktischerweise hat Tsering Dolma ein Auto und bot an, mich abzuholen. Das war natürlich prima. Und sie war offen, dass wir unterwegs noch ein paar mehr Entdeckungen machen. Das war auch prima. Zuerst habe ich ihr aber etwas gezeigt, was sie noch nicht kannte, nämlich das Lokal, wo ich mit Rigzen essen war. Dort ist es wirklich nett, das Essen lecker und der Kaffee eine große Freude.

 

 

Wir fuhren einen anderen Weg über Sabu statt den Highway über Choglamsar – und da staunte ich nicht schlecht. Was hatte sich das hier alles verändert! Überall Häuser, Straßen, Leute, Geschäfte. Ein riesiges bewohntes Gebiet, welches früher leer war. Und dann kamen wir auch am neuen Multiplex Kino vorbei. Im winter waren die Leute, die es eröffneten, in unserem Hotel untergekommen und hatten uns auch eingeladen, aber wir konnten (und wollten) nicht. Das Teil sorgte für Gesprächsstoff in der Bevölkerung. Das Gebäude gehört einem Ladakhi, wird aber betrieben von dem größten Kinobetreiber Indiens betrieben. Findet man sowas gut? Ich musste mir das nun jedenfalls mit eigenen Augen anschauen. Schon wenn man direkt davor steht, wähnt man sich wirklich nicht mehr in Ladakh.

 

 

 

 

 

Es war früher Nachmittag und somit weder Kino- noch Essenszeit, aber in den Lokalen hing trotzdem eine gute Mischung aus einheimischen und indischen BesucherInnen rum. Viele jüngere Leute scheinen das Angebot als sehr bereichernd anzusehen während die ältere Generation nicht so begeistert ist. Ob ich mir hier mal einen Film anschauen sollte? Es gibt 3 Kinosäle und in einem wird offenbar meistens ein englischsprachiger Film gezeigt.

 

Wir fuhren weiter und kamen an einen Ort, der nicht gegensätzlicher sein könnte und mir ebenfalls neu: einem Krematorium. Auch Tsering Dolma war hier noch nie gewesen. Es gibt 3 öffentliche Verbrennungsstätten und mit der Asche kann man dann machen was man will. Hier werden auch Inder verbrannt – so wie vor einigen Tagen 3 von ihnen, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Es gibt eine Halle, wo buddhistische Zeremonien durchgeführt werden können und ein Mönch kümmert sich um das Ganze. Es wird gerade erweitert. Es gibt auch einen unterirdischen Raum, der wie ein Mandala gestaltet ist und nur jährlich einmal geöffnet wird. Der hat nicht einmal eine Tür sondern wird immer wieder zugemauert.

 

 

 

 

 

 

 

Dann haben wir noch Essen besorgt. Tsering Dolma hat eine riesige Verwandtschaft. Hier leben um die Ecke welche, die eine besondere Salatart anbauen, die sehr lecker ist. Eigene Versuche waren bisher erfolglos, aber das kann doch nicht sein! Also wurde nicht nur was für das Abendessen gepflückt sondern auch einige Pflänzlein mitgenommen.

 

 

Dann waren wir wieder auf dem Highway. Hier hatten sich einige Gemüsehändler angesiedelt, wo die Dorfleute, die in der Stadt gewesen waren, sich gerne auf dem Heimweg eindeckten. Das Angebot war super und die Betreiber ebenfalls.

 

 

 

 

Apropos Essen – sehr viel wird von außerhalb geliefert. Aber in einem Supermarkt in Leh fielen mir die vielen verschiedenen Joghurts auf, die aus verschiedenen hiesigen Produktionen stammen.

 

 

Onpo ist einer der ältesten Hersteller und hat seine Produktion in Thikse. Ob ich mir das wohl mal angucken könne? Tsering Dolma zweifelte – die hätten vielleicht Angst, dass wir die hygienischen Bedingungen kontrollieren würden. Aber man muss es versuchen! An der Hauptstraße war sogar ein Hinweisschild und bei google auch die Position eingetragen. Aber besichtigen ging doch nicht. Es hingen diverse Mitarbeitende aus Nepal herum, die sich weigerten uns Zutritt zu gewähren. Und der Besitzer war nicht greifbar. Aber interessant war es trotzdem. Zum einen fuhren wir durch ein Gebiet, wo wir beide noch nie vorher waren – ebenfalls eine Art Neubaugebiet, aber mit vielen größeren einheimischen Gehöften. Und eben sogar mindestens einer Produktionsstätte. Und wir wunderten uns, dass sie nichtmal eine Art Hofladen hatten – wo es doch eben das schöne Hinweisschild an der Straße gab. a, so ganz gebe ich es noch nicht auf. Mich interessiert tatsächlich weniger die Hygiene sondern eher wie sich das ganze in Ladakh einbettet.

 

 

Dann waren wir in Karu und machten es uns gemütlich. Es regnete.

 

 

Als das weniger wurde bin ich nochmal raus für einen kleinen Spaziergang. Dabei habe ich die Steinefabrik auf der gegenüber liegenden Talseite geknipst.

 

 

Es ist wirklich interessant, wie sich Ladakh wandelt von einer reinen autarken Agrar- und Viehwirtschaft zu vielen weiteren Sektoren. Und aber auch, wieviele Fremdarbeiter es hier gibt. Die gab es zwar schon seit ich Ladakh besuche, aber diesmal gucke ich wohl ein bisschen mehr hin.

 

Auch verändert sich der Speiseplan immer mehr mit Produkten von außerhalb und neuen Gemüses. Und so hat Tsering Dolma einen Salat gemacht mit einer leckeren Zitronen-Apfelessig-Olivenöl-Vinaigrette und zerstoßenen Mandeln, der sehr lecker war. Wie oben schon geschrieben: sie ist eine phantastische Köchin und offen für Anregungen von außen.

 

 

Und so habe ich trotz meines Rücken-Handicaps doch wieder viel mehr gesehen und erfahren als ich mir nach dem Aufstehen ausgemalt hatte. Und genauso lieb ich das ja auch: neugierig spontan gucken, was es zu gucken gibt und sich ein bisschen mit Zeit durch den Tag treiben lassen. Wie schön!