Stok – ein Ort voller Überraschung und Begeisterung

16. + 17. Juli 2026

 

 

Ich hatte eine interessante Einladung nach Stok, was hier schräg gegenüber von Leh auf der anderen Indusseite ist. So ganz klar war mir nicht, zu was ich eigentlich genau eingeladen war. Jemand, d.h. ein Kumpel von einem Mitarbeiter von Overland Escape, wollte mir was zeigen, wo man auch nächtigen kann. Hab ich gesagt: OK, aber dann will ich auch wirklich dort nächtigen und mir so viel von Stok anschauen, wie möglich.

 

Es hat ein bisschen gedauert, bis wir einen Termin gefunden hatten, u.a. auch weil es mir gesundheitlich ja nicht so dolle ging. Aber dann war es endlich soweit! Tamchos tauchte mit seinem Auto auf und lud mich ein und wir fuhren erstmal zu einem Cafecumshop, was hauptsächlich seine Frau betreibt. Er war ein bisschen durcheinander in seinen Erinnerungen, aber im Prinzip kannte er mich, da er bis 2006 bei Overland Escape gearbeitet hatte. Und dadurch mit meiner Kundschaft zu tun hatte. Sein Gesicht kam mir nicht bekannt vor und er hatte mich verwechselt mit einer Person, die hier mal von einem Hund gebissen worden war. Wir kannten uns also doch eher nicht oder lernten uns dann eben neu kennen.

 

 

In dem Cafe lernte ich also erstmal seine Frau kennen: Karma, eine Tibeterin, die in Sikkim aufgewachsen war. Eine total nette Frau, mit der man super plaudern kann. Und ich bekam einen leckeren Espresso! Und dann mussten wir ein bisschen einkaufen. Die Damen waren total nett und lustig und als ich ihnen direkt die Bilder und Video über Whatsapp schickte, waren sie ganz angetan und wir bekamen noch ein paar Rote Bete dazu gelegt.

 

 

 

 

 

Und dann ging es weiter nach Stok und dort ganz an den östlichen Dorfrand an einer Tschörtenreihe vorbei und ein kleines Stück nach oben.

 

 

 

Und dann habe ich gestaunt! Die Geschichte ist so: Es war Corona und insbesondere die Tourismuszukunft schien extrem heikel. Also hat Tamchos sich umorientiert. Er hat eine große Fläche in seinem Heimatdorf Stok zu einem Feld umgestaltet und eine kleinere darunter für Obstbäume präpariert. Dann hat sich voll viel informiert, wie das alles so geht mit der Landwirtschaft und sich für ein anderes Wassersystem entschieden als das übliche. Üblich ist, das Schmelzwasser aus den Bergen, welches in einem Fluss herunterkommt, in gebaute Kanälchen zu bugsieren, mit denen dann immer abwechselnd die Felder bewässert werden, d.h. man setzt quasi die ganzen Felder unter Wasser. Das verbraucht mehr (und es verdunstet und versickert auch mehr) als die sogenannte Drip Irrigation – oder auf deutsch: Tröpfchenbewässerung.

 

Die Tröpfchenbewässerung basiert auf einem einfachen Prinzip: Wasser wird durch ein Netzwerk aus Rohren und flexiblen Kunststoffschläuchen direkt auf oder knapp unter die Erdoberfläche geleitet. An den Schläuchen befinden sich in präzisen Abständen kleine Öffnungen, sogenannte Tropfer. Diese geben das Wasser nicht in einem großen Schwall ab, sondern lassen es konstant und tropfenweise direkt an die Wurzelzone der jeweiligen Pflanze fallen. Vorteile: Wasser wird gezielter genutzt und man braucht viel weniger. Außerdem verhindert es vermehrtes Unkraut und man kann das Wasser auch gut – wenn gewünscht – mit Nährstoffen anreichern. Dazu nutzt man weiterhin das Gletscherwasser, aber auch Grundwasser geht.

 

Und damit schaut das Feld ganz anders aus als wie man es aus Ladakh gewohnt ist.

 

 

 

 

 

Hier die noch kleinen Obstbäume:

 

 

Außerdem gibt es zwei Gewächshäuser. Ein aktives offenes für Tomaten und ein riesiges geschlossenes, welches nur im Winter genutzt wird. im sommer ist es viel zu heiß (hab ich ausprobiert, bin bei der Saunatemperatur gleich wieder zurück gewichen.

 

 

 

Und hier sieht man dann auch das Haus. Tamchos wohnt mit Frau und Kind weiterhin in Choglamsar, was viel praktischer ist. In diesem Haus wohnt permanent ein Gärtner/Landwirt aus Jammu oder so. Der ist da jeden Tag ganz alleine und werkelt vor sich hin bzw. gerade unter seinen Händen erblüht hier alles. Und das obere Stockwerk sind zwei Zimmer mit einer modernen Essküche in der Mitte. Kann man prima als gesamte Einheit mieten (er bietet was momentan über Airbnb an). Und wenn man Glück hat, ist man eingeladene Gästin. Ich habe es auf Anhieb toll gefunden. Und dann haben wir gemeinsam die Tage überlegt, wie man das wie noch anbieten kann usw.

 

 

 

 

Die Wohnküche hab ich leider nur gefilmt. Es ist alles sehr geräumig, sauber und gut durchdacht u.a. ist es als eine Art Passivhaus gebaut, also ohne Heizung und damit trotzdem recht warm im Winter. Ich kann das hier alles gar nicht wirklich aufzählen mit diesen ganzen Details, weil mir etwas das Bauverständnis fehlt. Aber die Begeisterung für das ganze Projekt und quasi das neue Leben von Tamchos seit Corona hat mich voll mitgenommen. Und auch das strahlt der ganze Ort aus. Mir sind lange brachliegende Ideen in mir wieder zum Vorschein gekommen, wir haben super viel angeregt erzählt und nachgedacht – kurz gesagt: ich bin auch begeistert!

 

Und was noch für das gesamte Bild fehlt ist der Swimming Pool! Das ist ein Wasserreservoir, in das man aber auch mal gut hereinspringen kann.

 

 

Da es an dem Tag schon ein bisschen später war, haben wir neben den Einkäufen auch noch Momos mitgenommen gehabt, die gebraten schnell zubereitet waren – ud dazu gab es rohe leckere Möhren und den besten Aprikosensaft, den ich hier probiert habe.

 

 

Und dann fuhr Tamchos heim und ich schlummerte in absoluter Ruhe. Keine Hunde, kein Verkehr.

 

Am Morgen kam Tamchos wieder und wir haben einen langen Tag so verbracht, wie es mir gefällt: wir haben einfach eines nach dem anderen beim großen Dorfrundgang geguckt und uns einerseits treiben lassen und andererseits aber gerade dadurch wahnsinnig viel erlebt ohne voll schlapp zu werden (nur ein bisschen, weil ich noch ein bisschen angeschlagen bin und außerdem war es voll heiß). Und weil das alles so viel war und es ja auch noch einen nächsten Vormittag gab, verteil ich das auf zwei Blogposts.

 

Stok ist ein ziemlich großes Dorf mit dem einfach zu besteigenden 6.000er Stok Kangri darüber. Der war sowas von überbeliebt, dass massig Leute hinauf strömten und dabei ging zu viel Müll, Fäkalien usw. in den Fluss/das Grundwasser. Und dann haben vor einigen Jahren die Leute dem einen Riegel vorgeschoben und seitdem darf niemand mehr auf den Berg und es ist auch nicht geplant, den jemals wieder zu öffnen. Auf dem Bild ist der Stok Kangri noch hinter diesen Bergen (oder ist es die weiße Schneehaube?)

 

 

Das Dorf ist ein bisschen leer, da viele im nahe gelegenen Leh einen Job haben. Aber es werden noch Felder bestellt, es gibt Kühe und Alfalfa als Kuhfutter, was alles hübsch ausschaut und gut riecht. Die Leute bauen allerdings auch hier neue große Häuser. Dabei werden die Familien immer kleiner. Aber man weiß ja nie, ob man es nicht doch nochmal braucht!

 

 

 

Bei einem Haus waren zwei Frauen und eine Kuh. Die Ältere hat die Kuh immer gemolken, sich aber den Arm gebrochen. Und die eigensinnige Kuh wollte aber keine fremdenHände an sich heran lassen. Also musste die junge Frau doch wieder die alte rufen, die dann einhändig molkte. Gemeinsam bemühten sie sich, die Kuh zu überzeugen, dass die anderen Hände doch auch voll OK seien. Es braucht Geduld.

 

 

Außerdem ist in Stok seit 200 Jahren der Palast der Königsfamilie. Einen Teil haben sie zum Museum gemacht, ein 6 Zimmer sind zu einem Hotel umgewandelt und im Rest wohnt die Familie. Früher war der Palast weiß gestrichen, aber jetzt hat man lieber Naturfarben genommen. Und nebenan sind Tschörten und ein Funkturm.

 

 

 

 

 

Ich wollte nicht nur die Hotelzimmer gucken sondern auch nachfragen, ob man da was für ein Fotoshooting buchen könnte. Leider war nur ein Standard-Zimmer frei. Und ich lernte: die prachtvollen Zimmerfotos, die ich im Internet fand, gehören alle nur dem Queen’s Room. Die anderen Zimmer sind auch toll, aber dieser Queens Room sticht absolut heraus. Leider war er belegt. Und auch niemand da, den man wegen Fotoshooting Konditionen befragen konnte, aber ich bekam eine Telefonnummer dafür. Hier ein Standardzimmer, Dining Room und Zimmerblick:

 

 

 

 

 

Außerdem hat die royale Familie ein weiteres ihrer Grundstücke genutzt und darauf schöne Cottages errichtet und nettes Restaurant mit eher westlichem Essen und das aber lecker und nicht überteuer.

 

 

 

 

Die Angestellten, die recht zahlreich und freundlich sind, sind alles aus diversen Gegenden Indiens. Im Prinzip sind die Angestellten in Hotellerie und Gastronomie in Ladakh zu einem sehr sehr großen Prozentsatz (ich vermute über 80%, Tamchos glaubt noch mehr) Nicht-Ladakhis.

 

Und damit beende ich diesen Blogpost, im nächsten gibt es noch viele weitere Erlebnisse und Aspekte von Stok!